2. Bundesliga

Favorit Chemnitz ist tiefer besetzt als Phoenix Hagen

Dominik Spohr und Phoenix Hagen unterlagen Chemnitz mit 77:83.

Dominik Spohr und Phoenix Hagen unterlagen Chemnitz mit 77:83.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Niners Chemnitz unterstrichen eindrucksvoll, warum sie zum Kreis der Titelanwärter gezählt werden, bei Phoenix Hagen siegten sie mit 83:77.

Ein Heimnimbus war das angestrebte Ziel von Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen. Doch schon der erste Kontrahent stürmte die Ischelandhalle, die jetzt „Krollmann Arena“ heißt. Die Niners Chemnitz unterstrichen eindrucksvoll, warum sie zum Kreis der Titelanwärter in der ProA gezählt werden. Mit ihrem ausgeglichenem Zehner-Kader - kein Akteur spielte länger als 30 Minuten - übten sie unablässig Druck auf die Gastgeber aus, siegten verdient mit 83:77 (37:35). „Wir haben vorne keinen konstanten Rhythmus gehabt, sondern sehr viele Würfe zwingen müssen“, bedauerte Phoenix-Trainer Kevin Magdowski, der drei seiner fünf Startspieler fast durchgängig auf dem Parkett ließ: „Aber das ging Heidelberg zuletzt genauso, Chemnitz bringt mit zehn Spielern enorme physische Qualität aufs Feld.“

Dass sich am Ischeland, wo Sponsor Udo Krollmann zur offiziellen Arena-Umbenennung Freibier spendierte, vor 2318 Besuchern direkt ein Titelkandidat präsentierte, wurde sofort klar. Kaum hatte Robin Lodders den Hochball gegen Alex Herrera gewonnen, drückten die Chemnitzer aufs Tempo, nach fünf Sekunden traf Kavin Gilder-Tilbury erstmals. Doch Phoenix hielt gegen, speziell Jonas Grof und Dominik Spohr. Die beiden Schlüsselspieler waren direkt im Spiel, beim 14:6 (6. Minute) hatten sie – darunter zwei Spohr-Dreier – zwölf Punkte erzielt. Bis zum 18:9 durch Marlin Mason (7.) blieb Phoenix deutlich vorn. Auch wenn Herrera offensiv unglücklich agierte, Landsmann Kris Davis in der ersten Hälfte sogar komplett ohne Punkte blieb.

Davis findet nach Pause ins Spiel

So verkürzten die Chemnitzer, bei denen jetzt Malte Ziegenhagen die Akzente setzte, auf 19:17 (9.). Und erhöhten den Druck auf den Hagener Aufbau – mit nachhaltiger Wirkung. Zum 31:24 durch Spohrs Dreipunktspiel setzten sich die Hagener noch einmal ab (16.), dann häuften sich die Ballverluste gerade bei Mason. Zwei Minuten reichten den Gästen für eine 11:0-Serie durch Ziegenhagen und Gilder-Tilbury, beim 31:35 (18.) führte Chemnitz erstmals seit den Anfangssekunden wieder.

Und sollte die Führung bis zum Ende nicht mehr abgeben, auch wenn Phoenix Davis und Herrera nun ins Spiel fanden. Zunächst aber setzte sich Chemnitz auf 35:44 (22.) ab, nun traf Jonas Richter drei Dreier in Folge. Herrera hielt die Hagener im Spiel, die nun defensiv auf Zone umstellten. Kurzfristig wirkte das, Davis und der stark verbesserte Joel Aminu mit drei Distanztreffern verkürzten auf 52:54 (27.). Auch im Schlussviertel versuchten es die Gastgeber weiter mit Zonendefensive, was sich nun rächte. Zunächst betätigte sich Ivan Elliott als Stimmungskiller mit dem Dreier zum 56:65 (31.). „Wir haben wirklich gute Schützen, das hilft gegen die Zone, auf die wir nach einer Auszeit gut eingestellt waren“, sagte der Ex-Phoenix-Erstligaspieler später. Denn Ziegenhagen hatte es ihm mit zwei Distanztreffern gleichgetan (61:73, 33.).

Bis auf vier Punkte heran

Magdowski bat zur Auszeit, verordnete wieder Mann-Mann-Verteidigung. Und sein Team kam nach Elliotts 63:76 (35.) nochmal auf Schlagdistanz, auch wenn es Chemnitz zu viele Offensivrebounds erlaubte und Bälle vertändelte. Bis zum 72:76 (38.) verkürzten Grof und Spohr, dann verlor Davis den Ball im Aufbau – auf der Gegenseite nutzte es der starke Richter zum vorentscheidenden 73:80 (38.). Die Vorentscheidung, zumal Phoenix nach Aminus 77:81 20 Sekunden vor der Sirene das schnelle taktische Foul versäumte. Erst nach elf Sekunden wurde Gilder-Tilbury so gestoppt, traf mit Freiwürfen zum Endstand. Für einen verdienten Niners-Sieg, wie Coach Rodrigo Pastore befand: „Wir waren tough, haben die notwendigen Stops gemacht und unsere Freiwürfe getroffen.“ Auch das machten die aus der Distanz deutlich treffsichereren und im Rebound überlegen Chemnitzer an diesem Abend besser als die Gastgeber. „Chemnitz war immer einen Schritt schneller“, erkannte Magdowski an, „aber das macht eine gute Mannschaft auch aus.“

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