Mroß geht, Manno bleibt

Finanzkrise beim Wuppertaler SV trifft auch zwei Hagener

Torwart Joshua Mroß hat den Wuppertaler SV verlassen und in Chemnitz seinen ersten Profivertrag unterschrieben.

Torwart Joshua Mroß hat den Wuppertaler SV verlassen und in Chemnitz seinen ersten Profivertrag unterschrieben.

Wuppertal/Hagen.   Die Krise beim Wuppertaler SV trifft auch zwei Hagener: Joshua Mroß wechselt nach Chemnitz, Gaetano Manno will beim WSV die Karriere beenden.

Die finanziellen Turbulenzen in der Nachbarschaft treffen auch zwei Hagener Fußballer. Regionalligist Wuppertaler SV, angesichts einer Etatlücke von insgesamt 260.000 Euro in akuter Insolvenzgefahr, muss kurzfristig massiv sparen. Das Angebot, ablösefrei in der Winterpause gehen zu können, hat Torwart Joshua Mroß (22) mit dem kurzfristigen Wechsel zum designierten Drittligisten Chemnitzer FC genutzt. Kapitän Gaetano Manno (36), ebenfalls gebürtiger Hagener, spielt die Saison beim WSV zu Ende, es soll seine letzte im Profifußball sein.

Der kommende Freitag ist ein besonderer Tag für Gaetano Manno. Ursprünglich, weil der Deutsch-Italiener dann seine „Cafe Lounge da Manno“ („Da baue ich mir ein zweites Standbein auf“) in der Altenhagener Adolfstraße eröffnet. Gleichzeitig geht der bange Blick nach Wuppertal zu seinem aktuellen Arbeitgeber, der bis zum Wochenende Maßnahmen zur Abwendung der Insolvenz umsetzen muss. „Bis zum 19. Januar müssen 100.000 Euro für den Fortbestand des Vereins gesichert sein“, teilte der WSV beim Start einer Crowd-funding-Aktion mit, die bisher 78.000 Euro erbrachte. Manno ist zuversichtlich, dass die Lücke noch geschlossen wird: „Ich hoffe, dass es ein guter Tag wird“, sagt er, „der erste Gedanke gilt jetzt dem Kampf gegen die Insolvenz.“ Die Mannschaft habe ihren Spar-Beitrag geleistet und beschlossen, künftig auf alle Prämien zu verzichten. Wenn noch ein weiterer Spieler abgegeben werden könne, so Manno, sollte man im Soll sein. Konkurrenzfähig sei der aktuelle Tabellensechste in der Regionalliga dann immer noch: „Wir haben einen breiten Kader, da können andere einspringen.

Mit Mroß, Torjäger Christopher Kramer, Jonas Erwig-Düppel und Kamil Bednarski nutzten bisher vier WSV-Akteure das Wechsel-Angebot, für Manno kam das nicht infrage. „Ich bin zwar noch fit, aber nicht mehr in einem Alter, in dem man noch wechselt“, sagt der 36-jährige Familienvater, „außerdem bin ich dem Klub sehr verbunden, spiele hier mein insgesamt sechstes Jahr. Und es ist meine wahrscheinlich letzte Saison auf professioneller Basis.“ Ab dem nächsten Sommer wolle er vielleicht noch unterklassig in Hagen kicken.

Erstmals weg von zuhause

Mannos bisheriger Wuppertaler Teamkollege Joshua Mroß dagegen steht erst am Anfang einer möglichen Profi-Karriere, dazu ging der 22-Jährige nun kurzfristig einen wichtigen Schritt. Bei Nordost-Regionalligist Chemnitzer FC, aktuell mit zwölf Punkten Vorsprung Spitzenreiter, unterschrieb der Torhüter am Wochenende einen auch für die 3. Liga gültigen Vertrag bis Sommer 2020. Am Montag zog Mroß nach Chemnitz, gestern stieg er bei den „Himmelblauen“ ins Training ein, nächste Woche startet der CFC ins zehntägige Trainingslager in der Türkei. „Den Schritt raus von zuhause musste Josh jetzt machen, wenn er Profi werden will“, sagt Manno, „er hat bei uns eine gute Halbserie gespielt.“ Seit 2013 spielte Mroß beim WSV zunächst in der Jugend-Bundesliga, im Regionalliga-Team bestritt er zwölf Pflichtspiele - sechsmal ohne Gegentor.

„Das hat Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt. Es kamen drei, vier Angebote, auch aus der 3. Liga“, sagt Vater Stefan Mroß. Die Offerte aus Chemnitz war konkret, dafür entschied sich Joshua Mroß kurzfristig. Als Ersatz des verletzten Florian Sowade ist der junge Hagener als Nummer zwei hinter dem tschechischen Stammkeeper Jakub Jakubov eingeplant. „Joshua hofft darauf, sich zunächst dort einzufinden und zu entwickeln“, sagt Stefan Mroß, „im Sommer werden die Karten dann neu gemischt.“ Erstmals trainiert sein Sohn, der bisher auch BWL studierte, in Sachsen unter professionellen Bedingungen zweimal am Tag: „Das ist sein erster Profivertrag, momentan gibt es nichts Anderes als Fußball für ihn.“

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