2. Bundesliga

Griffin und Co. erteilen Phoenix Hagen Lehrstunde

Topscorer unter sich: Jannik Lodders (li.) erzielte 19 Punkte für Phoenix, wurde in seiner Wirkung vom Ex-Hagener  Chase Griffin aber noch deutlich übertroffen.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Topscorer unter sich: Jannik Lodders (li.) erzielte 19 Punkte für Phoenix, wurde in seiner Wirkung vom Ex-Hagener Chase Griffin aber noch deutlich übertroffen.

Hagen.   Rückkehrer Chase Griffin überragte beim Crailsheimer 122:71-Sieg bei Phoenix Hagen. Die Gastgeber traten ohne Spohr, Baumann und Reid an.

Diese Lehrstunde kam mit Ansage. Nicht nur Dominik Spohr und Javon Baumann fielen bei Phoenix Hagen aus, mit dem erkrankten US-Guard James Reid fehlten die drei Team-Ältesten der ohnehin sehr jungen Equipe. So hatten die Gastgeber beim Heimauftakt 2018 der 2. Basketball-Bundesliga gegen die Crailsheim Merlins von Beginn an keine Chance. Zumal der Titelkandidat beim 122:71 (59:38)-Sieg keine Gnade kannte. Vor allem einer nicht: Der Ex-Hagener Chase Griffin trumpfte am Ischeland ganz groß auf, traf bei 23 Punkten sieben seiner acht Dreier. „Was er hier bei seiner Rückkehr abgeliefert hat, war sensationell“, staunte nicht nur Phoenix-Trainer Kevin Magdowski.

Es hatte etwas von „Jugend forscht“. Neun Spieler des verbliebenen Zwölfer-Kaders bot Phoenix auf, vier von ihnen im Teenager-Alter. Manche halb so alt wie auf der Gegenseite die Herren Griffin (34), Patrick Flomo (37), Konrad Wysocki (35) und Sherman Gay (35). Und die Routiniere zeigten schnell, dass sie nichts von Welpenschutz hielten. Nach Gays 0:5 glich Joel Aminu mit dem ersten Dreier der Partie zum 5:5 aus, dann aber zeigten die Gäste ihre Stärke aus der Distanz beeindruckend. Vor allem der mit viel Beifall an alter Wirkungsstätte begrüßte Griffin konnte sich offenbar ganz genau erinnern, wo am Ischeland der Korb hing. Seine ersten sieben Dreierversuche saßen, bevorzugt traf er die Gastgeber nach Fastbreaks so ins Mark. „Das ist eine Halle für Schützen“, erklärte Griffin später: „Es fühlt sich gut an, mit solch einer Performance vor familiärem Umfeld zurückzukehren.“

Da Griffin zunächst in Frank Turner oder Cuffee, später in Wysocki ähnlich zielsichere Mitstreiter fand, zogen die Crailsheimer nach dem 11:18 (6.) zum 18:32-Viertelstand relativ mühelos davon. Und setzten dies über 30:51 (17.), 42:72 (23.) und 67:107 (35.), als Griffin - kurz zuvor nach längerer Pause aufs Parkett zurückgekehrt - seinen letzten Dreier traf, fort. Das Center-Duell zwischen Sherman Gay und Alex Herrera mussten die Gäste dabei gar nicht so oft suchen, gegen ein immer verunsicherteres und fehlerhafter agierendes Phoenix-Team fanden sie mit gute Ball-Rotation stets den freien Distanzschützen. Acht Crailsheimer trafen insgesamt 65 Prozent ihrer Dreier, nur die Center Gay und Flomo hielten sich dabei zurück.. „Wir hatten eine unglaubliche Wurfquote, das werden wir nicht häufig wiederholen können“, räumte Merlins-Trainer Tuomas Iisalo später ein: „Es war eines dieser Spiele, in denen man von der ersten Minute an fokussiert ist.“

Freundlicher Beifall

Das galt für die arg geschwächten Gastgeber, die sämtliche über 20-Jährigen in die Startfünf beordert hatten, nicht. Die dorthin aufgerückten Jannik Lodders und Joel Aminu stemmten sich noch am unerschrockensten gegen die Crailsheimer Übermacht, der mit Fingerschiene auflaufende Marco Hollersbacher tat es ihnen gleich. Jonas Grof dagegen machte nicht viel aus seinem Größenvorteil gegenüber Merlins-Spielmacher Turner, Derreck Brooks blieb offensiv erneut arg unauffällig. Und da die Gäste auch mit der Reserve - mit Michael Smith konnten sie tief im dritten Viertel noch ihren fünften Amerikaner bringen - nicht nachließen, erlitt Phoenix die höchste Heimniederlage der knapp 14-jährigen Historie. Nur beim 64:116 Ende November 2016 in Ulm verlor man noch höher. Pfiffe der 2104 Besucher blieben dennoch aus, selbst nach der Schlusssirene gab es freundlichen Beifall. „Das erlebt man auch nicht oft, dass es bei so einem Resultat Standing Ovations gibt, wenn ein Youngster einen Dreier trifft“, betonte Magdowski. Der 17-jährige Max Fouhy, wenige Sekunden vorher eingewechselt, hatte zum zwischenzeitlichen 65:93 „verkürzt“.

Phoenix Hagen: Günther (3, 1/7 Dreier), Hollersbacher (7), Aminu (12, 2/5 Dreier, 5 Assists), Bredt, Lodders (19, 3/5 Dreier), Grof (12, 1/5 Dreier, 8 Rebounds, 5 Assists, 4 Ballverluste), Brooks (7, 7 Rebounds), A. Herrera (8, 9 Rebounds, 5 Assists).

Crailsheim Merlins: Smith (18, 2/3 Dreier), Turner (10, 2/3 Dreier, 7 Assists), Griffin (23, 7/8 Dreier, 5 Assists), Bogdanov (11, 7 Assists), S. Herrera (7), Wysocki (9, 3/4 Dreier), Jost (7), Cuffee (16, 4/7 Dreier), Gay (17, 10 Rebounds), Flomo (4).

Spielviertel: 18:32, 20:27, 21:31, 12:32.
Teamstatistik: 34:60 % Wurfquote, 9/32:22/34 Dreier, 6/8:8/9 Freiwürfe, 22:37 Assists, 40:44 Rebounds, 7:13 Steals, 18:15 Ballverluste, 5:3 Blocks.

Zuschauer: 2104

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