Kabinengeflüster

Hagen: Die witzigsten Anekdoten von Legende Peter Krüsmann

| Lesedauer: 8 Minuten
Ein Blick in die Archive des Hagener Basketballs: Peter Krüsmann in seiner Gartenlaube mit Sören Fritze (rechts).

Ein Blick in die Archive des Hagener Basketballs: Peter Krüsmann in seiner Gartenlaube mit Sören Fritze (rechts).

Foto: Jörg Laube

Hagen.  Gefürchtete Hallen und größte Gurken: Hagens Basketball-Legende Peter Krüsmann erzählt im „Kabinengeflüster“ seine witzigsten Anekdoten.

Die Gartenlaube von Peter Krüsmann ist ein heiliger Ort des Hagener Basketballs. Die Holzwände sind voll mit kostbaren Erinnerungen: Jedes Foto, jede Medaille und jeder Zeitungssauschnitt erzählen eine Geschichte. Es sind Hunderte Andenken, die das zusammenfassen, wofür die heute 74-jährige Legende des heimischen Basketballs steht. 1974 Deutscher Meister als Spieler, 1994 Pokalsieger als Trainer mit Hagen – was Peter Krüsmann geschafft hat, ist bis heute unerreicht.

Für die Serie „Kabinengeflüster“, die unsere Zeitung gemeinsam mit den Hagener Basketballern Yannick Opitz und Sören Fritze ins Leben gerufen hat, bekamen wir Einblicke in Krüsmanns Gartenlaube der Erfolge und Erinnerungen. Und wo wir gleich dabei waren, hat uns der basketballverrückte, ehemalige Lehrer einige seine witzigsten Anekdoten erzählt.

Zerstörter Hallenboden

Nachdem der SSV Hagen 1974 in Heidelberg die Deutsche Meisterschaft gewann, strömten mehr als 1500 euphorisierte Hagener Fans aufs Feld und feierten mit ihrer Mannschaft. „Sie haben uns die Trikots vom Leib gerissen, wir hatten keine Chance“, erinnert sich Peter Krüsmann. Doppelt bitter für die Heidelberger: Sie verloren nicht nur das Finalspiel um den Titel, sondern mussten auch noch einen neuen Boden in der Halle verlegen. Denn das feiernde Hagener Basketball-Volk, das beschwingt im Takt sang und tanzte, zerstörte den Heidelberger Schwingboden.

Den Feierlichkeiten tat das keinen Abbruch. „Wir sind zurück ins Esso Motor Hotel, haben unsere Brocken in die Zimmer geschmissen und sind sofort runter in die Bar“, schmunzelt Krüsmann, der damalige Aufbauspieler des Hagener Teams. Zahlen mussten die Meisterspieler nichts. Egon Buse, Rechtsanwalt und Mitglied des erweiterten SSV-Vorstands, regelte das. „Er sagte zum Barkeeper: Geh ruhig nach Hause, du kannst Feierabend machen.“ Egon Buse war nun der Barkeeper.

Zustand: Ball im Gesicht

Bis 4 Uhr morgens besetzten die SSV-Spieler die Bar, doch nur wenige Stunden später ging es für sie im Mannschaftsbus zurück nach Hagen. „An allen Raststätten von Heidelberg nach Hagen haben wir Fans gesehen, die die weiß-roten Fahnen geschwenkt haben“, erzählt Krüsmann. Doch die Spieler waren erschöpft, ihre Gesichter blass. Nachdem die Hagener mit den Menschenmassen am Bahnhof und auf dem Rathausplatz feierten, mussten die Basketballer in ihre Heimspielstätte, die Ischelandhalle. Die war proppevoll mit feierwütigen Fans, und die wollten noch ein Einlagespiel ihrer Stars sehen.

Konnten die Spieler diese Bitte ausschlagen? Natürlich nicht. Aber das Spielchen war nach 40 Sekunden beendet. „Jimmy Wilkins wollte einen Pass fangen, aber der landete nicht in seinen Händen, sondern in seinem Gesicht. Das beschrieb den Zustand der Spieler ganz gut“, lacht Peter Krüsmann. Den Fans war es egal. Hauptsache, man hatte Heidelberg besiegt. Übrigens: Egon Buse war mit von der Partie, obwohl er mit seiner Ehefrau in den Skiurlaub sollte. Doch Buses Gattin musste zunächst alleine in die Alpen verreisen. Buse feierte mit seinen Jungs in Hagen.

Gefürchtete Höing-Halle

Als Basketballer spielt man am liebsten in seiner Heimhalle. Dort weiß man halt um die Tücken und Eigenheiten von Korb und Boden. „Anfang der Sechzigerjahre haben wir in der gefürchteten Höing-Halle gespielt“, grinst Krüsmann schelmisch. Warum gefürchtet? Zunächst war es im Winter dort so bitterkalt, dass man seine Hände kaum noch spüren konnte. Die Hagener Basketballer wussten genau, wo sie im Winter nicht verteidigen mussten. „An manchen Stellen schlenderten die Gegner über den kalten Hallenboden. Das war unsere Heimvorteil“, weiß Krüsmann, der dort damals mit den SSV-Jugendteams spielte.

Ein weiterer Vorzug für den SSV, der in der Bundesliga seine Spiele sonntags um 11 Uhr austrug: Wenn ein Schiedsrichter aus Sicht der Hagener keinen besonders guten Job gemacht hatte, lugte hin und wieder mal aus einer der ersten Reihen ein Stock oder ein Regenschirm aufs Spielfeld. „Die Schiedsrichter mussten aufpassen, wo sie herlaufen.“

Genugtuung in Bamberg

1994 erspielte Brandt Hagen einen weiteren großen Meilenstein in der Volmestädter Basketball-Geschichte: den Gewinn des deutschen Pokals. Das Finale gewannen die Hagener um ihren überragenden US-Amerikaner Keith Gatlin klar gegen den SSV Ulm, spannender und brisanter war dafür das Halbfinale gegen den gefürchteten NRW-Rivalen Leverkusen. „Hagener schlagen doch nicht Leverkusener, hatte man damals gesagt. Die hatten Christian Welp, Henning Harnisch, Mike Koch, zwei Amerikaner mit NBA-Niveau. Niemand hat uns den Sieg zugetraut. Umso schöner war es dann, dass wir gewonnen hatten“, denkt Peter Krüsmann mit Genugtuung zurück.

Was Brandt damals half: Fast das gesamte Publikum, das zum Großteil aus Bambergern bestand, jubelte dem „Underdog“ zu, denn Leverkusen mochte man dort nicht. Und kurz vor dem Ende sorgte tatsächlich der Außenseiter für die Überraschung. Leverkusen ging zwar in durch einen Garrett-Dreier in Front, aber dann übernahm Hagens Star Keith Gatlin. „Ich habe in der Auszeit sieben Sekunden vor Schluss gesagt: Wir geben Keith den Ball, alle anderen machen Platz. Und dann hat er den Ball reingenagelt und uns zum Sieg geschossen“, schmunzelt Krüsmann. Es waren zwar nicht viele Hagener Fans mit in Bamberg, um den Sieg zu feiern, aber so blieb immerhin der Hallenboden unbeschadet.

Die harte Hand

Peter Krüsmann war ein Trainer der alten Schule, er führte seine Teams, auch die Jugendmannschaften, mit harter Hand. Und manchmal hat einen diese Hand am Ohr gepackt und über das ganze Basketballfeld gezogen. Bei einem Turnier im Internat von Bad Honnef vergab der ehemalige THG-Schüler Sören Fritze – heute Aufbauspieler bei Regionalligist BBA Hagen – einen ganz freien Linkskorbleger. Krüsmann nahm eine Auszeit, fasste Fritze am linken Ohr und bat ihn darum, doch bitte keinen freien Layup mehr zu verlegen. „Danach hat es viel besser geklappt mit den Linkskorblegern“, kann Sören Fritze drüber lachen.

Es gibt nicht wenige Spieler, die die harte Tour von Peter Krüsmann abbekamen. In pädagogischen Curricula taucht diese „Lehrmethode“ nicht auf, aber geholfen hat sie dennoch vielen Spielern.

Die holländische Grenze

Eigentlich hätte Peter Krüsmann damals stutzig werden sollen. Im Jahr 1984, als er SSV Hagen als Trainer übernahm, verpflichtete er den US-amerikanischen Forward Bernhard Toone. Ein eigentlich toller Spieler. 2,01 Meter groß mit gefährlichem Drei-Punkte-Wurf und 1A-Ausbildung von der renommierten Marquette University. Aber: Toone war zunächst bei einem holländischen Erstligisten angestellt, der ihn jedoch früh entließ. „Ich war damals naiv und habe nicht nachgefragt“, erinnert sich Krüsmann. Toone spielte zwar durchaus stark, aber die Begeisterung für den US-Amerikaner flachte eines Abends ab. „Ich bekam einen Anruf vom Polizeipräsidenten“, schüttelt Peter Krüsmann ungläubig den Kopf. „Er sagte: Sehen Sie zu, dass der Toone morgen früh zurück in die Staaten fliegt, sonst wird er verhaftet.“

Bernhard Toone war drogenabhängig, zweimal die Woche rollte er mit seinem weißen BMW über die holländische Grenze und besorgte sich seinen Stoff. Lange ist das niemandem aufgefallen, aber dann wurde er von der niederländischen Polizei gefilzt und gefasst. Der SSV Hagen buchte dem US-Basketballer ein Flugticket, und am Morgen nach dem denkwürdigen Anruf des Polizeipräsidenten saß Toone im Flieger nach New York. Und ward danach in Deutschland nicht mehr gesehen.

Die größte Gurke

Wer der schlechteste Spieler war, den Peter Krüsmann jemals coachte? Der Basketballlehrer muss kurz überlegen, dann ruft er seine Frau: „Christiane, wie hieß noch mal die größte Graupe, die ich jemals verpflichtet hatte?“ Beide grübeln, und dann fällt ihnen ein: Es war der kanadische Center Robert Henry, der im Training zwar gute Leistungen hervorbrachte, aber im Spiel völlig abtauchte. „Mit solchen Spielern kann ich nichts anfangen“, so Krüsmann. „Er konnte nicht werfen, keinen Ball fangen und nicht decken. Einfach eine richtige Gurke.“

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