„Happy Running“

Hagenerin startet beim längsten Etappenrennen der Welt

Andrea Löwin ihrem Element, hier in der Mongolei. Die ehemalige TSV-Basketballerin läuft um die Welt - aktuell im australischen Outback. Foto:RacingThePlanet

Andrea Löwin ihrem Element, hier in der Mongolei. Die ehemalige TSV-Basketballerin läuft um die Welt - aktuell im australischen Outback. Foto:RacingThePlanet

Hagen.   Ihr Buch „Happy Running“ hat die Hagenerin Andrea Löw vorgestellt, ab Mittwoch bestreitet sie das längste Etappenrennen der Welt in Australien

„Wie lang sind eigentlich 520 Kilometer? Ich weiß es noch nicht so richtig“, gibt Andrea Löw zu. In neun Tagen wird es die gebürtige Hagenerin wissen. Dann erreicht sie - wenn alles gut geht - das Ziel am weltbekannten Ayers Rock. Dort endet am 24. Mai das längste Etappenrennen der Welt. „THE TRACK“ - ganz genau 522 Kilometer durch das australische Outback - in neun Etappen. Allein der Schlussabschnitt ist 137 km lang. „So weit bin ich noch nie an einem Stück gelaufen“, verrät die ehemalige Basketballerin des TSV Hagen 1860. Am Mittwoch erfolgt der Startschuss in Alice Springs.

„Andrea Löw läuft um die Welt“. Dieser Satz, der die überzeugte Ultra-Läuferin treffend beschreibt und den sie gerne über sich hört, wird mit dem aktuellen Australien-Abenteuer verifiziert. Was bisher war, wie es dazu kam und was für sie die Faszination des Laufens ausmacht, beschreibt die 45-jährige Historikerin, die heute in München lebt, in ihrem neuesten Buch. Das erste, das keine historische Fachpublikation der Holocaust-Forscherin ist. „Happy Running“ - laufend die Welt entdecken, lautet der Titel. „Dieses Buch will Lust darauf machen . . . auch mal die persönliche Komfortzone zu verlassen. Denn außerhalb dieser Komfortzone wird es unglaublich spannend“, schreibt Frau Dr. Löw.

Indem die heutige Extremsportlerin ihren eigenen Werdegang sehr persönlich erzählt, will sie anderen Mut machen, „sich einfach zu trauen.“ Man erfährt, dass es in ihren ersten Lebensmonaten fraglich war, ob sie jemals laufen können würde. Dass sie zu ihrer Zeit als TSV-Korbjägerin Waldläufe, mit denen die Trainer Kondition aufbauen wollten, gehasst hat. Und dass sie im Alter von 30 Jahren wegen Hüftproblemen vor einer Operation stand. Bis ihr ein Sportarzt eröffnete, dass ein gezielter Muskelaufbau durch Bewegung eine Alternative darstellen könnte. Andrea Löw begann zu laufen.

Ihr erster Wettkampf war ein Firmenlauf über knapp sechs Kilometer 2006 in Gießen. Der erste Halbmarathon war noch im gleichen Jahr fällig. 2008 erfolgte ihr erster Marathon-Start in Berlin. Die Distanzen wurden immer länger, mit einem 100-Kilometerlauf um die spanische Insel Menorca ging es in den dreistelligen Bereich.

Inzwischen läuft Andrea Löw also „um die Welt“. Nicht an einem Stück natürlich. Sondern in Etappen. „Ich möchte so viel von der Welt im Laufschritt erkunden wie möglich ist“, sagt die Wahl-Münchenerin. Das hat sie bis jetzt auf vier Kontinenten getan. In Europa war sie in den Alpen und am Polarkreis, in Amerika längst nicht nur beim New-York-Marathon unterwegs. In Afrika bestritt Andrea Löw bis zu 250 Kilometer lange Etappenrennen in Marokko, Namibia und Mosambik, in Asien lief sie das Ultra Asia Race in Vietnam und den Gobi March in der Mongolei.

Bisher größte Herausforderung

„Wenn die weiße schmutzige, stinkende Frau mit dem schweren Rucksack durch die afrikanische Mittagshitze läuft und die schwarzen Frauen zuerst nur ungläubig schauen und dann in lautes Gelächter ausbrechen - dann lachen wir zusammen und winken uns zu, und plötzlich ist da eine Verbundenheit, die mich bewegt“, gibt die gebürtige Hagenerin in „Happy Running“ Einblick in ihre Gemütslage beim Um-die-Welt-Laufen. „Das Ultralaufen hat sehr viel mit dem Leben zu tun, ist aber auch sehr anstrengend. Oft muss man kämpfen und es schmerzt, aber es gibt auch Momente puren Glücks.“

Australien fehlte noch in Andrea Löws Sammlung. Bis jetzt. Die anstehenden gut 520 Kilometer sind rund das Doppelte, was die Extremsportlerin bisher bei ihren Etappenläufen absolviert. hat. Zur Vorbereitung hat sie in diesem Jahr drei Marathons bestritten - in Barcelona, Rom und Warschau. „Dazu bin ich in Nürnberg sechs Stunden lang im Kreis gelaufen“, berichtet die Ex-Korbjägerin. Und zu Ostern stand eine 52-Kilometer-Runde rund um den Starnberger See an. Dennoch weiß die 45-Jährige nicht, ob die Vorbereitung für die größte Herausforderung in ihrer an Höhepunkten reichen Läuferkarriere ausreichend war: „Andere haben deutlich mehr gemacht.“

Mullbinden gegen Schlangenbisse

Andrea Löw wird nach ihrer Rückkehr berichten, wie es ihr im Outback ergangen ist. Nicht gleich in einem nächsten Buch, sondern auf ihrer Homepage „Running Happy“ und auf Facebook. Dort wird man sicher erfahren, ob der reflektierende Taschenspiegel, der zwecks Übermittlung von Notsignalen zur Pflichtausrüstung zählt, zum Einsatz kommen musste. Oder die elastischen Mullbinden zum Abbinden von Gliedmaßen bei Schlangenbissen. „Ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe“, bekennt die Australien-Debütantin, „und gleichzeitig freue ich mich wahnsinnig darauf. Ich bin unendlich dankbar, dass ich mich in dieses Abenteuer stürzen darf

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben