Basketball

In Hagen trainiert Chennoufi für erste Weltmeisterschaft

Ziyed Chennoufi, aus Hagen stammender Nationalspieler Tunesiens (hier im Finale 2017 um die Afrikameisterschaft gegen Nigeria), bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor.

Ziyed Chennoufi, aus Hagen stammender Nationalspieler Tunesiens (hier im Finale 2017 um die Afrikameisterschaft gegen Nigeria), bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor.

Foto: Fiba.com / FIBA.COM

Hagen.  In seiner Hagener Heimat bereitet sich Ziyed Chennoufi auf die Basketball-Weltmeisterschaft vor. Olympia 2020 mit Tunesien ist das Ziel.

Die Basketball-Karriere glich lange einer Achterbahnfahrt, zum Ende hin aber geht es meist bergan. Der Titel des Afrika-Meisters mit Tunesien war für Ziyed Chennoufi 2017 der bisherige Höhepunkt, jetzt fiebert der Hagener seiner ersten Weltmeisterschafts-Teilnahme entgegen. Und in China Ende August soll dann der nächste Schritt gelingen, die Qualifikation für Olympia 2020 und Tokio. Auch in Hagen, beim sommerlichen Zocken mit früheren Weggefährten, bereitet sich der 30-Jährige darauf vor – und freut sich auf den Sommer: „Bei der WM trifft man die Besten der Welt, das wird eine geile Erfahrung.“

Auf der Position drei ist Ziyed Chennoufi eigentlich daheim, auf der Flügelposition. Beim „Open Gym“ in der Krollmann Arena, die er noch aus seiner Zeit bis 2008 bei Phoenix Hagen als Ischelandhalle kennt, muss der 2,03-m-Mann häufiger unter den Korb. Und sich beim Trainingsspielchen mit Centern wie Alex Herrera, der sich mittlerweile in die USA verabschiedet hat, oder Javon Baumann herumschlagen. Was Chennoufi physisch auf die Gegenwehr bei der WM vorbereitet, doch auch auf seiner Position kann er sich auf hohem Niveau messen, neben den Spielern von ProA-Ligist Phoenix mischen regelmäßig auch Ex-Hagener wie Fabian Bleck (zuletzt Eisbären Bremerhaven) oder Thomas Reuter (Uni Baskets Paderborn) mit.

Über Ex-Kollegen wie Phoenix-Kapitän Dominik Spohr, mit dem er 2007 mit den Phoenix Juniors deutscher Vizemeister in der Nachwuchs-Bundesliga wurde, hatte er angefragt, ob er während seines Heimaturlaubs bei der Familie am Ischeland mittrainieren könne. Statt allein im Kraftraum oder auf der Laufbahn zu arbeiten, gab es knapp drei Wochen Balltraining auf hohem Niveau. „Das war sehr cool“, sagt Chennoufi, der mit Phoenix-Coach Chris Harris noch beim damaligen Regionalligisten BBV zusammengespielt hat, „für mich war es eine perfekte Situation in Hagen.“

Gegen Deutschland in Tokio

Bis zum 22. Juni bleibt er noch hier, dann startet die konkrete WM-Vorbereitung des tunesischen Nationalteams. Mit Lehrgängen für den amtierenden Afrikameister – zum Titelgewinn hatte Chennoufi vor zwei Jahren 19 Punkte beim 77:65-Finalsieg gegen Nigeria beigetragen - zunächst in Nordafrika, dann geht es zum Stankovic-Cup und einem weiteren Turnier nach China. In Frankreich und Tschechien testet man ebenfalls, ehe kurz vor der WM das Test-Turnier in Tokio ansteht. „Da wird ein Jahr vor den Spielen die Olympia-Halle getestet“, weiß Chennoufi. Mit einem Duell dann auch gegen das deutsche Team von Bundestrainer Henrik Rödl. Gegen sein Geburtsland, für das der Hagener bis 2008 in den Jugend-Nationalteams angetreten ist, wäre Chennoufi auch gern in der Weltmeisterschafts-Vorrunde angetreten. Mit DBB-Kandidaten wie Robin Benzing, Karsten Tadda oder Tibor Pleiß spielte er – wie auch mit Phoenix-Kollege Per Günther – vor elf Jahren die U20-Europameisterschaft. „Das wäre ein Extra-Special für mich gewesen“, sagt er, „aber vielleicht spielen wir in der zweiten WM-Runde oder in Tokio 2020 gegeneinander.“

Bestes Team Afrikas werden

Auch ohne Duell gegen die Deutschen ist die erste Weltmeisterschafts-Teilnahme für den 30-Jährigen besonders. „Es war ein Kindheits-Traum von mir, in solch einem Turnier zu spielen“, sagt er, mit Tunesien hat er im chinesischen Shenzhen ein großes Ziel. „Wir hoffen, dass es für die Olympischen Spiele reicht“, sagt Chennoufi, dazu müssten die Tunesier Nigeria, die Elfenbeinküste, Angola und Senegal hinter sich lassen und bestes afrikanisches Team bei der am 31. August startenden WM werden. Das Überstehen der Vorrunden-Gruppe C, in der Spanien großer Favorit ist, aber der Hagener gegen den Iran und Puerto Rico gute Chancen sieht, könnte dazu schon reichen: „Von den Afrikanern haben wir die leichteste Gruppe erwischt.“

Im tunesischen Nationalteam von Trainer Mario Palma, für das Chennoufi seit 2010 spielt, ist er spätestens seit dem Afrika-Titel 2017 Stammkraft, spielte auch die WM-Qualifikation. Auf dem Flügel rechnet er mit einer Backup-Rolle hinter dem gebürtigen Amerikaner Michael Roll von Euroleague-Team Maccabi Tel Aviv. Ein Großteil des Aufgebots Tunesiens kommt von seinem Klub ES Rades, der jüngst nationaler Pokalsieger wurde, aber das Finale um die Meisterschaft gegen US Monastir verlor. Einen Vertrag für die neue Saison hat Chennoufi im Hafen-Vorort der Hauptstadt Tunis noch nicht, er würde gern zurück in eine europäische Profiliga wechseln.

Bei Ex-Klub Ludwigsburg hätte es vor Jahresfrist schon fast geklappt, ehe der Bundesligist Nationalspieler Karim Jallow vorzog. „Es wäre wohl meine letzte Chance, ich werde ja nicht jünger“, sagt er, „mal schauen, welche Türen sich während der WM-Vorbereitung öffnen.“ Nur in Hagen wird Ziyed Chennoufi wohl einstweilen lediglich während des Sommer-Trainings spielen.

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