2. Bundesliga

Keine Stabilität: Phoenix Hagen will Kader moderat umbauen

Marco Hollersbacher, hier mit Trainer Chris Harris, lieferte gegen die Tigers Tübingen mit 13 Punkten seinen ProA-Bestwert ab.

Marco Hollersbacher, hier mit Trainer Chris Harris, lieferte gegen die Tigers Tübingen mit 13 Punkten seinen ProA-Bestwert ab.

Foto: Jörg Laube

Hagen.   Stabilität fehlt, die Heimbilanz ist negativ: Für nächste Saison sieht Patrick Seidel bei Phoenix eine Kader-Blutauffrischung als notwendig an.

Konstant nur in der Inkonstanz: Das trifft auf Phoenix Hagen zu, seitdem die spätherbstliche Siegesserie mit Winteranfang abgerissen ist. Angesichts von nur einem Sieg aus den letzten fünf Spielen - darunter drei Heimpleiten - gerät der Basketball-Zweitligist zunehmend in Gefahr, die als Mindestziel avisierten Playoffs zu verpassen. Das beeinflusst auch die Planungen für die nächste Saison. „Wir haben im Sommer mit zehn von zwölf Spielern verlängert, im Grunde ist nur Kris Davis ganz neu. Da haben wir uns schon mehr Stabilität und geradlinige Entwicklung der Spieler erhofft“, räumt Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel ein: „Da ist der momentane Eindruck, dass eine moderate Blutauffrischung dem Team gut tun würde, nicht von der Hand zu weisen.“

Besonders schmerzt Phoenix die magere Bilanz am Ischeland, die nach dem 89:101 gegen Tübingen sogar in den negativen Bereich - fünf Siege, sechs Niederlagen - gerutscht ist. „Ich kenne es noch, dass die Ischelandhalle eine Macht war“, sagt Seidel, „aber wir tun uns momentan schwer, Heimspiele zu gewinnen.“ Natürlich seien Erwartungshaltung und Druck daheim größer, räumt er ein, betont aber auch: „Es ist doch ein unfassbarer Vorteil, wenn man 2600 im Rücken hat.“ Gegen Tübingen - einen Rivalen mit klar höherem Etat - habe das Team abgesehen von katastrophaler Freiwurfquote und einigen Defensivschwächen aus seiner Sicht eine ordentliche Leistung geboten: „Umso mehr weh tut es uns, dass wir vorher die Spiele gegen Ehingen und Hanau abgegeben haben.“ Vielleicht fehle Phoenix eine „Dreckschwein-Mentalität im positiven Sinne“, findet Seidel, meint Akteure wie Hanaus Choice oder Tübingens Laser, die in der Crunchtime ein Spiel entscheiden wollten. Bei Phoenix habe allenfalls Dominik Spohr diese Mentalität, könne von seiner Position das Spiel aber nicht so beeinflussen wie ein Guard.

Auf Spohrs Position hatten die Hagener am Samstag in Marco Hollersbacher den einzigen Lichtblick, der 18-Jährige lieferte mit couragiertem Auftritt und 13 Punkten in nur elf Spielminuten seinen ProA-Bestwert ab. „Marco kommt mehr und mehr auf ProA-Niveau an“, lobt Seidel, während der Youngster nach Spielende betonte: „Durch Dominiks Verletzung im Dezember bin ich wieder gut ins Team gekommen. Und der Trainer gibt mir Vertrauen.“

Hollersbacher - am Samstag im intensiven Austausch mit Agent Gerrit Kersten-Thiele - würde man bei Phoenix gern über die Saison hinaus an sich binden. Auch wenn Seidel das Interesse höherklassiger Klubs bewusst ist. „Wenn Marco körperlich stabil bleibt, gehört er zu den Top5-Spielern seines Jahrgangs“, sagt der Geschäftsführer, „aber wann ist für ihn der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel in die Bundesliga? Bei uns könnte er sich auf den Positionen drei und vier weiterentwickeln.“ Hartnäckige Spekulationen, dass seine Entscheidung für einen Erstligisten im Norden schon gefallen sei, verneint Hollersbacher übrigens ausdrücklich.

Harris, Spohr und Aminu sind fix

Auch bei den übrigen Spielern wird sich die Zukunft später als im letzten Jahr entscheiden. „Es wird nicht so sein, dass wir wieder im April einen Großteil des Kaders stehen haben“, sagt Seidel: „Für die Verlängerungen haben wir das Team-Budget relevant angehoben, das wird nicht wieder in gleichem Maß gehen.“ Die aktuell fehlende Leistungskonstanz spricht ebenfalls gegen eine Kontinuität wie im Vorjahr, zudem soll Coach Chris Harris (Seidel: „Er hat dieses Team im laufenden Betrieb übernommen“) seine Vorstellungen zur Kadergestaltung einbringen. Harris steht wie Spohr, Joel Aminu und Jeremy Dunbar (mit beidseitiger Option) noch für die nächste Saison unter Vertrag. Zuvor sind allerdings noch (mindestens) neun Partien der aktuellen Spielzeit zu bestreiten. Und Seidel hofft, dass die Phoenix-Inkonstanz bei den schweren Auswärtsaufgaben bei den Top-Teams Chemnitz und Hamburg schon wieder in die andere Richtung ausschlägt: „Immerhin haben wir von den ersten Vier der Tabelle drei geschlagen.“

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