Sport

Mehrzweckhalle in Hagen: 5000 Zuschauer und digitaler Boden

3000 Zuschauer fasst die geplante Mehrzweckhalle am Ischeland, sie kann je nach Bedarf aber auch ohne großen Aufwand auf 5000 Plätze erweitert werden. Ein Highlight soll der gläserne, digitale Hallenboden werden.

3000 Zuschauer fasst die geplante Mehrzweckhalle am Ischeland, sie kann je nach Bedarf aber auch ohne großen Aufwand auf 5000 Plätze erweitert werden. Ein Highlight soll der gläserne, digitale Hallenboden werden.

Foto: ARCHIprocess GmbH

Hagen.  Die Mehrzweckhalle am Ischeland soll dem Sport in Hagen neue Perspektiven aufzeigen. Was sich Verantwortliche von Eintracht und Phoenix erhoffen.

„Ein Meilenstein“, „eine tolle Geschichte für den Hagener Sport“ und „für den Bereich 3000 bis 5000 Zuschauer die schönste Halle Deutschlands“: Die Funktionäre von Handball-Drittligist VfL Eintracht Hagen und Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen geraten ins Schwärmen, wenn es um den geplanten Bau der Mehrzweckhalle am Ischeland geht.

Eine Halle, die ein Schmuckstück werden soll und ein Vorzeigeprojekt, das dem Spitzensport in der Volmestadt ganz neue Perspektiven aufzeigt. Denn sowohl Eintracht als auch Phoenix in der ProA bräuchten im Falle eines Aufstiegs größere Hallen. 4000 Zuschauer für die Mehrzweckhalle im Endausbau bei Handballspielen, 5000 bei Basketballspielen.

Eine Heimat soll die neue Arena auch für den Breitensport werden. „Ich sehe die Nutzung durch Spitzensport bei 25 Prozent. Wir haben allein 16 Handball-Mannschaften, dazu kommen eine Tischtennis- und eine Badmintonabteilung“, blickt Detlef Spruth , Investor und Klubchef von VfL Eintracht Hagen, auf seinen eigenen Verein. Kapazitäten bietet am neuen Standort auch eine Trainingshalle, die im Untergeschoss der Arena entstehen soll. Hier könnten auch die Jugendteams von Phoenix trainieren, was die Frage nach einer eigenen Trainingshalle am Höing für den Zweitligisten obsolet machen würde.

Ischeland „idealer Standort“ für neue Arena

Fynn Holpert ist nach dem jahrelangen Hin und Her euphorisch. Schon 2017 wurden die Pläne für den Bau einer modernen Mehrzweckhalle konkret, doch die Stadt Hagen hielt das Westside-Areal zwischen Hauptbahnhof und Bahnhofshinterfahrung für ungeeignet. Nun soll die neue Arena also in den so genannten Affenkäfig zwischen Krollmann Arena und China-Restaurant.

Und das ist auch gut so, wie Holpert, Geschäftsführer des VfL Eintracht Hagen, findet: „Es ist der ideale Standort, am Ischeland wird Sport gelebt. Wir haben dort die perfekte Infrastruktur, damit Eintracht und Phoenix ihre langfristigen Ziele richtig angehen können. Aber es ist eine tolle Geschichte für den gesamten Hagener Sport.“

VfL-Geschäftsführer Fynn Holpert ist Mann vom Fach

Holpert begleitet die Hallenplanungen seit Jahren federführend und arbeitet Hand in Hand mit dem zuständigen Architekturbüro. Der Eintracht-Manager ist in dem Gebiet durchaus Experte: Vor rund 15 Jahren hat er den Ausbau der Arena des TBV Lemgo von 3700 auf 5000 Zuschauer maßgeblich mitgestaltet. Holpert, der damals als Geschäftsführer der Hallenbetreibergesellschaft tätig war, hat aus einer beschaulichen, in die Jahre gekommenen Halle einen modernen Komplex mit VIP-Loge, Fitnessraum, Trainingshalle „und allem, was sonst noch dazu gehört“ gemacht. Aber die Mehrzweckhalle am Ischeland soll das in den Schatten stellen.

„Wenn alles so gemacht wird, wie wir uns das vorstellen, dann wird das für den Bereich 3000 bis 5000 Zuschauer die schönste Halle Deutschlands“, schwärmt Holpert. Was ihn so sehr überzeugt? Die Arena soll einerseits mit moderner Technik beste Bedingungen für den Profisport bieten, unter anderem mit einem innovativen Glasboden, der wie eine Art auf dem Rücken liegender Monitor funktioniert und auf welchem sogar Werbung abgespielt werden kann (Holpert: „Das ist absolut gigantisch.“). Zum anderen soll die Halle mit Gesundheits- und Breitensportfaktor glänzen: Physiotherapie, Fitness- und Wellnessbereich, Squash, Bouldern – all das und mehr will man am Ischeland künftig bieten. „Durch dieses breitgefächerte Angebot werden wir täglich eine hohe Frequenz haben, und für jeden Sportinteressierten wird etwas dabei sein.“

Krollmann Arena nicht optimal für Spitzensport

Für die ambitionierten Drittliga-Handballer der Eintracht sei es an der Zeit, die Spielstätte zu wechseln. „Es ist ja kein Geheimnis, dass die Krollmann Arena nicht optimal ist für den Handball“, weiß Joachim Muscheid , Geschäftsführer der Handball-Management GmbH. „aber die neue Arena ist nicht nur wichtig für Eintracht und Phoenix. Die Stadt Hagen braucht eine Halle in dieser Größenordnung.“

Auch beim Zweitligisten Phoenix Hagen zeigt man sich vom Projekt begeistert. Die Krollmann Arena hat ihren Charme, bietet aber längst nicht optimale Bedingungen für Spitzensport. „Die neue Arena ist ein absoluter Meilenstein und sie könnte zum Fixpunkt in der Region werden“, freut sich Patrick Seidel , Geschäftsführer von Phoenix Hagen. „Detlef Spruth und seine Architekten haben das grandios geplant. Ich habe schon einige Hallenbauten miterlebt, aber das, was am Ischeland auf die Beine gestellt werden soll, ist schon sehr stark.“

Sorgen bei ProA-Ligist Phoenix Hagen

In Euphorie will man bei Phoenix angesichts coronabedingt wirtschaftlich harter Zeiten nicht verfallen. Die Basketballer wollen und sollen in der neuen Halle spielen und trainieren, so sehen es auch Investor Spruth und die Stadt Hagen vor. Allerdings fehle Phoenix derzeit die Planungssicherheit, um einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnen zu können.

„Wenn unsere Profimannschaft und die Jugendteams dort trainieren und spielen, sind wir schnell bei einem Mietaufwand im sechsstelligen Bereich pro Saison. Ich sehe uns aktuell nicht in der Lage dazu, einen entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen“, räumt Seidel ein. Der Geschäftsführer moniert, dass die Stadt Hagen den Profisport zu wenig unterstütze: „Bis heute haben wir mit der Stadt nicht ein Wort über die neue Halle gesprochen“, kritisiert Seidel.

Kritik an der Stadt Hagen

Insbesondere in diesen unsicheren Zeiten müsse die Lokalpolitik die sportlichen Aushängeschilder besser unterstützen, etwa durch (mehr) Sponsoring der städtischen Tochterunternehmen, findet der Geschäftsführer. „Wir werden bereits von der Stadt unterstützt, allerdings müsste da viel mehr kommen. Die Stadtverwaltung muss uns mal positive Signale senden, wir müssen die Zukunft gemeinsam angehen“, fügt Wolfgang Röspel an.

Der Phoenix-Vereinsvorsitzende lobt Spruths Vorhaben als „wichtiges Projekt für den Hagener Sport“, das Phoenix die wichtige Perspektive biete, auch irgendwann mal wieder das Ziel Bundesliga ins Auge zu fassen und vor mehr als 3000 Zuschauern spielen zu können. „Die Hoffnung ist da“, sagt Röspel, „und wenn wir die Coronazeit heile überstanden haben, dann glaube ich, dass solche Ziele erreichbar sind.“

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