Sportpsychologie

Michele Ufer: Das intelligente Spiel mit Grenzen

Dr. Michele Ufer beim Lost Island Ultra auf Fidschi

Dr. Michele Ufer beim Lost Island Ultra auf Fidschi

Foto: Dr. Michele Ufer

Herdecke.   Sportpsychologe Dr. Michele Ufer sieht Motivations-Slogans kritisch. Warum Scheitern eine Option ist und jeder sein Limit kennen sollte.

„Denk positiv!“, „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ oder „Es gibt keine Grenzen“ – Ob im Sport oder anderen Lebensbereichen, solche und ähnliche Motivations-Sprüche klingen erstmal gut. Aber sind sie das auch wirklich? Können Sportler in ihrem Training und bei Wettkämpfen von ihnen tatsächlich profitieren? Laut dem Herdecker Sportund Managementpsychologen sowie Extremsportler Dr. Michele Ufer richten solche Slogans eher Schaden an, anstatt zu helfen. „Es gibt keine Grenzen? Solche und ähnliche Sprüche sind doch Quatsch mit Sauce. Aber das ist ein riesen Thema, ,Motivationsexperten’ ballern uns mit solchen Tipps zu“, sagt Dr. Michele Ufer.

Ein gesunder Optimismus und Mentaltraining können laut Ufer durchaus positive Effekte für Sportler haben, aber positives Denken unreflektiert über zu stülpen sei eher kontraproduktiv. „Wenn jemand denkt, er kann einen Marathon unter zwei Stunden laufen nur durch Motivations-Sprüche wie ,Ich bin eine Rakete’ oder ,Ich kann alles schaffen’, dann kommen, außer jemand ist ein unentdecktes Jahrhunderttalent, schnell Frust und Selbstzweifel statt Motivation auf“, betont der Herdecker, der sehr umtriebig in der Laufszene ist.

Dort hat er festgestellt, dass sich Läufer verhältnismäßig oft verletzten, obwohl es alles andere als ein Risikosport sei und keine Außeneinwirkungen wie etwa beim Fußball vorkommen.

Komfortzone verlassen

„Da habe ich mich gefragt, woran liegt das? Wird hier mit Grenzen nicht richtig umgegangen? Und sehe nur ich solche Motivations-Sprüche kritisch?“, erklärt der Sportpsychologe. Diesen Fragen geht er in seinem neuen Buch „Limit Skills - Die eigenen Grenzen respektieren, testen, überwinden“ nach und hat hierfür mit Extremsportlern, Topmanagern, Unternehmern und einem Sternekoch über Spitzenleistung und Grenzerfahrungen gesprochen.

Dass Ufer mit seiner kritischen Haltung gegenüber solchen Motivations-Sprüchen nicht alleine da steht, zeigt Skilangläuferin Sandra Ringwald: „Wenn man sich total auf diese Slogans einlässt wie „es gibt keine Grenzen“, dann stürzt man sich geradewegs in die Selbstzerstörung. Weil es eben Grenzen gibt im Körper, im Geist und für alles.“ Laut Ufer sei es für Sportler und auch generell wichtig, auf den eignen Körper, auf das Bauchgefühl zu hören und Einschränkungen zu akzeptieren.

„Es ist schon wichtig seine Komfortzone zu verlassen und Grenzen auszutesten, nur so entwickeln wir uns weiter. Dabei ist es aber ratsam, klug mit den Grenzen umzugehen und auch zwischendurch in die Komfortzone zurückzukehren“, erklärt Ufer.

Scheitern ist keine Option? Für den Sportpsychologen ist das durchaus eine wichtige Lektion: „Immer wieder höre oder lese ich diesen Spruch auch bei Sportlen. Dabei ist es wichtig, sich einzugestehen, dass Scheitern ok ist und man aus Rückschlägen etwas lernen kann.“

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