Trauer

Mit Matthias Grothe verliert Phoenix Hagen Gesicht und Herz des Neuaufbaus

Gedenkfeier statt Topspiel: Spontan trafen sich Mannschaft,  langjährige Wegbegleiter und Hunderte von Phoenix-Fans an der Arena am Ischeland, um sich von Matthias Grothe zu verabschieden, der am Dienstag nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Foto: KLEINRENSING, Michael

Gedenkfeier statt Topspiel: Spontan trafen sich Mannschaft, langjährige Wegbegleiter und Hunderte von Phoenix-Fans an der Arena am Ischeland, um sich von Matthias Grothe zu verabschieden, der am Dienstag nach schwerer Krankheit verstorben ist. Foto: KLEINRENSING, Michael

Hagen.   Die Nachricht sorgte für tiefe Trauer: Mit Matthias Grothe, der Dienstag verstarb, verliert Phoenix Hagen Gesicht und Herz des Neuaufbaus.

Er kam immer dann zurück, wenn am Traditions-Standort alles in Scherben lag. Und wurde zur zentralen Integrationsfigur beim Wiederaufbau des Profi-Basketballs in Hagen. 2004 - nach der Brandt-Insolvenz - sagte Matthias Grothe als erster Spieler bei der neu gegründeten Phoenix GmbH zu - und führte den Klub als Kapitän zurück in die Bundesliga. Auch als Trainer zögerte der gebürtige Hemeraner nicht, nach dem Erstliga-Aus Verantwortung für das Phoenix-Comeback zu übernehmen. Vollenden kann er sein Werk diesmal nicht. Am Dienstag Morgen, dem Tag, an dem das von ihm zusammengestellte Team um den Spitzenplatz in der 2. Bundesliga spielen sollte, verstarb Matthias Grothe im Alter von nur 39 Jahren an den Folgen seiner Krebs-Erkrankung. Phoenix hat mit ihm das „Gesicht unseres Neuaufbaus“, wie ihn Geschäftsführer Patrick Seidel bezeichnete, verloren. Und der Basketball weit über die Region hinaus einen herausragenden Protagonisten, der für viele Anführer, Vorbild, Motivator und Familienmensch gleichermaßen war.

Von seinem Heimatverein TuS Iserlohn kam Matthias Grothe zur Saison 1997/98 als 19-jähriger Jugend-Nationalspieler - dort spielte er in einem Jahrgang mit dem späteren NBA-Star Dirk Nowitzki - zu Brandt Hagen in die Bundesliga. Und wurde mit seiner kämpferischen Einstellung, seiner leidenschaftlichen Spielweise, seinen unverstellten Emotionen nach Siegen wie nach Niederlagen schnell zu einem Liebling der Fans. Fünf Jahre spielte Grothe für Brandt, bestritt etwa 150 Erstliga-Spiele, ehe er im Sommer 2002 für zwei Jahre zu Stammklub Iserlohn in die 2. Bundesliga zurückkehrte. Und die Brandt-Insolvenz Ende 2003 aus der Nachbarschaft erlebte.

Nr. 9 wird nicht mehr vergeben

Dass Phoenix-Gründer Fredi Rissmann Grothe, der als bester deutscher Zweitliga-Spieler galt, als zentrale Figur für den Neubeginn auserkor, war nur folgerichtig. Dieser folgte zum zweiten Mal dem Ruf aus Hagen, wo er die besseren Perspektiven sah. Und endgültig zum Kultspieler wurde, als er den Verein als Kapitän 2009 zum Bundesliga-Aufstieg führte. Und auch den Ausflug ins Schauspielfach souverän meisterte, als er sich im Kinofilm „Hangtime“ als Kapitän „Ha-Hu“ selbst spielte. Es sagt viel über Grothes Bodenständigkeit, dass er auch beim Umbau der Halle in Hohenlimburg zur provisorischen Erstliga-Spielstätte tatkräftig mit anpackte und den Hammer schwang. Ein Jahr spielte er noch in der Eliteklasse und half beim Ligaerhalt, nach dem Ende seiner Spieler-Karriere wurde sein Trikot unter das Hallendach der Arena am Ischeland gezogen. Seine Nummer 9 wird nicht mehr vergeben.

Als Nachwuchskoordinator und Jugendbundesliga-Trainer arbeitete Grothe auch danach unermüdlich für Phoenix und den heimischen Basketball, war parallel Cheftrainer bei den Iserlohn Kangaroos, die er in die 2. Bundesliga ProB führte. Akteure wie Fabian Bleck, Niklas Geske, Marcel Keßen und Jonas Grof formte er zu Bundesliga-Spielern. Und galt früh als natürlicher Nachfolger des langjährigen Phoenix-Bundesligacoachs Ingo Freyer. Nach dem Bundesliga-Aus bot sich die Gelegenheit, als Sportlicher Leiter und Cheftrainer wieder Teil eines Neuaufbaus zu werden, eine „Herzensangelegenheit“ für Grothe.

Neues Team zusammengestellt

„Die Chance kann ich einfach nicht ausschlagen“, bekannte er nach seiner Vorstellung. Und das ungeachtet seiner Krankheit, denn im letzten November war bei dem Familienvater Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Das neue, bisher so erfolgreiche ProA-Team hat er dennoch vom Krankenbett aus zusammengestellt, trainieren konnte er es angesichts von Rückschlägen bei seiner Therapie indes nie. Er sei zu 95 Prozent überzeugt, dass es mit dem Phoenix-Start in der ProA ebenso klappen werde wie mit seiner Gesundung, hat Grothe beim Interview Ende Februar in seiner stets optimistischen Art gesagt. Bei Phoenix traf dies zu, sein Gegner aber war stärker. Darüber trauert Basketball-Deutschland mit seiner Familie, die Matthias Grothe so wichtig war.

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