Basketball

Nach Afrika-Titel ist für Hagener Ziyed Chennoufi Olympia 2020 das Ziel

Überragender Akteur vor großer Kulisse: Im „Salle Omnisports de Rades“ führte der Hagener Ziyed Chennoufi (am Ball) das Nationalteam Tunesiens im Finale gegen Nigeria zur Afrika-Meisterschaft.

Foto: Fiba.com

Überragender Akteur vor großer Kulisse: Im „Salle Omnisports de Rades“ führte der Hagener Ziyed Chennoufi (am Ball) das Nationalteam Tunesiens im Finale gegen Nigeria zur Afrika-Meisterschaft.

Tunis/Hagen.   2017 lieferte Ziyed Chennoufi sein bisher stärkstes Karriere-Jahr ab. Mit Tunesien wurde der Hagener Afrikameister, Olympia 2020 ist nun Ziel.

Ein Jahrzehnt zuvor war er tragende Kraft im stärksten Jugend-Jahrgang von Phoenix Hagen überhaupt, gemeinsam mit Per Günther und Dominik Spohr. Danach drohte Ziyed Chennoufi verletzungsbedingt das frühe Karriere-Ende als Profi-Basketballer, doch in der Heimat seiner Vorjahren blühte der gebürtige Hagener wieder auf. Eine Dekade nach dem deutschen Vizetitel mit den Phoenix Juniors lieferte der 29-Jährige 2017 das stärkste Jahr seiner Laufbahn ab: Mit Tunesien wurde Chennoufi im Sommer Afrika-Meister, überragte dabei im Finale. Mit seinem neuen Klub Etoile Sportive Radès scheiterte er vor Weihnachten erst im Endspiel des „African Champions Cup“. Und Olympia 2020 in Tokio ist nun das große Ziel.

Nur die Krönung eines denkwürdigen Jahres im heimischen „Salle Omnisports de Rades“, der großen Arena im Hafen-Vorort der tunesischen Hauptstadt Tunis, gelang nicht. Mit 14 Punkten führten Chennoufi und sein Klub im Finale des afrikanischen Vereinswettbewerbs zwischenzeitlich gegen ASS Sale aus Marokko, verloren am Ende aber mit 69:77. „Ich hatte Pech, da ich mit einer Verletzung durch das Turnier musste“, sagt er, „trotzdem war 2017 wirklich das erfolgreichste Jahr meiner Karriere.“ Was – neben Chennoufis Hochzeit im Frühjahr - vor allem an einer Partie an gleicher Stätte drei Monate zuvor lag. Bei der Afrika-Meisterschaft, die in Tunis und Dakar/Senegal gespielt wurde, erreichte der Flügelspieler aus Hagen mit dem Nationalteam Tunesiens ebenfalls das Endspiel. Und wurde mit 19 Punkten - darunter vier Dreier - beim 77:65-Sieg der Gastgeber vor 12 000 begeisterten Zuschauern gegen Nigeria zum entscheidenden Mann. „Das Finale werde ich wahrscheinlich so schnell nicht vergessen“, bekennt er.

Auch weil in der Heimat viele den Nordafrikanern den Triumph nicht zugetraut hatten. 2015 fanden die Titelkämpfe bereits in Tunesien statt, damals wurde man als Favorit mit Euroleague-Spieler Michael Roll und NBA-Akteur Salah Mejri nur Dritter. Diesmal fehlten die Top-Asse, dafür war der zwei Jahre zuvor nicht berücksichtigte Chennoufi dabei. „Die Nichtnominierung war für mich persönlich eine große Enttäuschung, aber gleichzeitig natürlich eine große Motivation“, sagt er, nach einem Trainerwechsel im Sommer 2016 wurde er zur festen Größe. Und schwang sich im entscheidenden Moment zur Bestform auf: „Nicht viele haben an uns geglaubt, aber wir haben es getan“, sagte er nach dem Finaltriumph, „das war der Schlüssel.“

Für WM zu 70 Prozent qualifiziert

Direkt nach dem Endspiel, so Chennoufi ein Vierteljahr später, seien ihm die Stationen seiner wechselvollen Karriere durch den Kopf gegangen. 2008 hatte er, wie der nach Ulm wechselnde Juniors-Kollege Per Günther, Phoenix verlassen und spielte mit Doppellizenz für Erstligist EnBW Ludwigsburg und ProA-Zweitligist Kirchheim Knights. Beim Bundesligisten erarbeitete er sich in der Saison 2009/10 immer mehr Spielanteile, ehe ihn zwei Bandscheibenvorfälle zurückwarfen. Und die Ärzte ihm das Karriere-Ende nahelegten, der Verein den Vertrag auflöste. „Seit der Verletzung ging es bergab“, erinnert er sich, „ich stand ohne Verein, ohne Job und ohne Zukunft im Basketball da. Dann, wie aus dem Nichts, kam das Angebot aus Tunesien.“

Chennoufi wechselte 2011 nach Nordafrika, für Tunesien hatte der frühere deutsche U20-Nationalspieler seit 2010 bereits international gespielt. „Seitdem ging es bergauf“, denkt er zurück. Mit den tunesischen Erstligisten Étoile Sportive du Sahel aus Sousse und Club Africain Tunis gewann er etliche nationale und afrikanische Titel, ehe er im Sommer zum aktuellen Meister ES Rades wechselte. Und beim Nationalteam wurde er zwar weder für Olympia 2012 in London noch für die Heim-Afrikameisterschaft 2015 nominiert, mittlerweile aber ist er dort Stammkraft. Für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in China sind Chennoufi und Tunesien zu 70 Prozent bereits qualifiziert. „Und dann ist ganz klar das Ziel Olympia 2020 in Japan“, sagt der 29-Jährige, der einräumt, diese positive Entwicklung hätte es, „wenn das mit dem Rücken nicht passiert wäre“, möglicherweise nicht gegeben: „Und wahrscheinlich hätte ich meine Frau nicht kennengelernt.“

Zurück nach Europa strebt er dennoch, im nächsten Sommer will er dort einen neuen Verein in finden. „Ich will nochmal beweisen, dass ich fähig bin, in Europa oder der Bundesliga zu spielen“, sagt der 2,03 m große Forward, der in der DBB-Auswahl gemeinsam mit Günther, Robin Benzing, Tibor Pleiss und Lucca Staiger spielte. Und Hagen, wo seine Familie weiterhin lebt und wohin er in jedem Sommer-Urlaub reist? Ausschließen will Ziyed Chennoufi das nicht. „Ein Traum wäre es allemal, nochmal für Hagen zu spielen“, sagt er - und ergänzt mit einem Smiley: „Dann mit dem Trio Per Günther, Dominik Spohr und mir.“

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