Basketball

Neuer Schwung für Talente von Phoenix Hagen

Der neue Nachwuchs-Koordinator Stanley Witt will mit JBBL-Cheftrainer Vid Zarkovic, Mentor Peter Krüsmann und Co-Trainer Tome Zdravevski (von rechts) der Phoenix-Jugendarbeit neuen Schwung geben.

Der neue Nachwuchs-Koordinator Stanley Witt will mit JBBL-Cheftrainer Vid Zarkovic, Mentor Peter Krüsmann und Co-Trainer Tome Zdravevski (von rechts) der Phoenix-Jugendarbeit neuen Schwung geben.

Foto: Axel Gaiser

Hagen.  Grundschul-Liga oder U14-Team in „European League“: Mit neuen Ideen will Nachwuchs-Koordinator Stanley Witt die Phoenix-Jugendarbeit beleben.

Immerhin, den Bronze-Status konnte man halten. Als guter Nachwuchs-Standort wurde Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen bei der alljährlichen Zertifizierung der Bundesligen erneut eingestuft. Doch in der ProA wurde die traditionell gute Jugendarbeit in Hagen von vier Klubs mit Silber übertroffen, darunter auch von Aufsteiger Rostock Seawolves. Dessen Aufschwung hat maßgeblich ein Hagener mit bewirkt, der nun in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist: Als neuer Nachwuchs-Koordinator will Stanley Witt - gemeinsam mit den von der BG gekommenen Coaches Vid Zarkovic und Tome Zdravevski - die Nachwuchsarbeit wieder beflügeln. „Die Idee muss sein, das Phoenix wieder dahin kommt, wo es zu Zeiten von Matthias Grothe war“, sagt der 23-Jährige, der bei der Talentsuche ganz früh in den Grundschulen ansetzen will.

Es lief nicht gut zuletzt für den Phoenix-Nachwuchs. Die Juniors verpassten die Play-offs der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL), die jüngeren Youngsters stiegen aus der Jugendbundesliga sogar ab, sicherten sich erst in der Qualifikation – schon unter dem neuen Trainergespann Zarkovic/Zdravevski – einen JBBL-Platz für 2019/2010. Die letzte Saison endete mit der schwächsten Bilanz, seitdem Phoenix im Jahr 2006 mit der Gründung der Nachwuchs-Bundesliga in die Jugendarbeit eingestiegen ist. Und die Juniors mit Per Günther, Ziyed Chennoufi und Dominik Spohr gleich deutscher Vizemeister wurden, auch danach schaffte man mehrfach den Sprung unter die nationalen Top4 und produzierte etliche Erstliga-Profis. Zuletzt aber versiegte der hochklassige Talent-Nachschub zunehmend. Das, davon ist Stanley Witt überzeugt, müsse nicht so bleiben. „Natürlich sind wir verwöhnt gewesen mit Talenten wie Fabian Bleck, Niklas Geske oder Sören Fritze“, sagt er, „aber auch heute haben wir da Super-Jungs und potenzielle Profis.“

Bei den Grundschulen ansetzen

Um der Nachwuchs-Arbeit neuen Schwung zu geben, will der Nachfolger von Kai Schulze als Phoenix-Nachwuchskoordinator ganz früh mit einem neuen Grundschul-Konzept ansetzen. „Ab der zweiten Woche nach den Ferien wollen wir jede Grundschule besuchen, dort Schnupperkurse anbieten und so die Kinder für Basketball anfixen“, sagt er. Neben ihm selbst, ProA-Co-Trainer Alex Nolte und dem für Schulprojekte zuständigen Michael Wasielewski sollen dazu auch die Spieler des Zweitliga-Teams in die Klassen gehen. Eine Grundschul-Liga, drei Turniere im Jahr, ergänzt das Konzept. „In Rostock wird das seit zehn Jahren gemacht, das sind immer Super-Events“, sagt Witt. Davon sollen dann auch die Phoenix-Partnervereine in der Stadt profitieren: „Wir wollen einfach die Breite vergrößern, vermitteln dann alle talentierten Kinder in die Vereine in ihrem Stadtteil.“

U14 spielt international

Nur in Kooperation mit den Hagener Klubs, aber auch denen aus Iserlohn, Schwelm oder Dortmund, funktioniert die zweite Idee, die Witt aus seiner Arbeit in Rostock mitbringt. „Wir wollen die größten Talente der Region früher unter einer Flagge zusammenbringen“, erklärt er, warum eine Teilnahme an der „European Youth Basketball League“ (EYBL) Sinn macht. Dazu würde Phoenix ein U14-Team zusammenstellen, dass sich in internationalen Turnieren in Riga oder Warschau mit der internationalen Konkurrenz misst. Für drei stets von Donnerstag bis Sonntag dauernde EYBL-Turniere hat Witt gemeldet, die Kosten von 4000 Euro an die Liga für Teilnahme und Unterkunft übernimmt Phoenix, nur die Anreise müssen die Eltern zahlen.

Aufwärts gehen soll es auch in den älteren Klassen – bei Juniors und Youngsters. Witt übernimmt die Juniors, die verstärkt durch die vom deutschen Meister Bayern München gekommenen Daniel Zdravevski und Jonas Gieseck die regulären Play-offs in der NBBL anstreben. Was durch einen neuen Modus in der Nachwuchs-Bundesliga, in der Phoenix nach dem Verpassen der letztjährigen Play-offs nur in die Hauptrunde B eingruppiert wird, schwieriger geworden ist. Noch ambitionierter gehen die neuen Youngsters-Trainer die Saison an. „Unser Ziel ist das Finalfour“, sagt Vid Zarkovic, der gemeinsam mit dem früheren Phoenix-Cheftrainer Tome Zdravevski mehrere jüngere Teams bei der BG Hagen zu westdeutschen Meisterschaften geführt hat und nun das Hagener JBBL-Team übernimmt. Mit gleich mehreren Hagener Talenten, die in den letzten Jahren nach Münster, Leverkusen oder zu den Metropol Baskets abgewandert waren und nun zurückkehren.

Als Mentor für die Nachwuchs-Arbeit konnte Phoenix den langjährigen Bundesliga-Trainer Peter Krüsmann gewinnen. „Hagen ist das ideale Pflaster, um ein solches Konzept zu wiederholen“, sagt der 72-Jährige und verweist darauf, dass es schon in den Neunzigern 32 Schul-AGs gegeben habe - aber auch auf die beiden Insolvenzen von Brandt (2003) und Phoenix (2016): „In dem Moment, in dem der Verein kollabiert, ist es auch mit dem Jugendkonzept vorbei.“ Dieses will Witt nun wieder vorantreiben. Und der 23-Jährige ist sicher: „In Rostock war alles von der U10 bis zur U18 in einem Verein konzentriert. Wenn wir in Hagen die gesamte Jugendarbeit aller Klubs unter einem Hut hätten, würden wir auch Silber erhalten.“

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