Fußball

Norbert Ullrich sieht Klientel-Bedienung auf allen Ebenen

Einst ein Gespann im Fußball-Kreis: Vorsitzender Peter Alexander (li.) und Geschäftsführer Norbert Ullrich. Foto: Michael Kleinrensing

Einst ein Gespann im Fußball-Kreis: Vorsitzender Peter Alexander (li.) und Geschäftsführer Norbert Ullrich. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Tatsache, dass der Fußball-Kreis Hagen/EN vier VIP-Karten für Zweitligist VfL Bochum hat, kommt an der Basis nicht gut an.

Die vier VIP-Karten für Zweitligist VfL Bochum, die der Fußball-Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr, wie gestern berichtet, besitzt, sind Auslaufmodelle. Das etwa 9000 Euro pro Jahr kostende Kontingent, finanziert aus der Kreiskasse und vom Verband als eine Art „Bonbon“ für gute und günstige ehrenamtliche Arbeit zwei Jahre lang genehmigt, sind laut Kreisvorsitzendem Peter Alexander bereits gekündigt worden. Was an der Basis gut ankommen dürfte. Besser jedenfalls als der bisher praktizierte Gebrauch, von dem viele heimische Kicker erst jetzt aus dieser Zeitung erfuhren.

„Ich bin vor rund 20 Jahren gemeinsam mit Peter Alexander angetreten, um derartige Bedienungsläden abzuschaffen, das haben wir uns damals von der ersten Sitzung an auf die Fahne geschrieben“, sagt der ehemalige Kreisgeschäftsführer Norbert Ullrich. „Umso enttäuschender finde ich es, wenn solche Strukturen heute offenbar wieder auftauchen.“ So richtig wundert sich der aktuelle Geschäftsführer des A-Liga-Spitzenreiters TSK Hohenlimburg darüber aber nicht: „Das fängt beim Deutschen Fußball-Bund mit seinen schwer durchschaubaren Strukturen an und setzt sich über die Landesverbände bis hinunter zu den Kreisen fort. Klientel-Bedienung auf allen Ebenen!“

Klaus Kaiser, 1. Vorsitzender des SSV Hagen, hat grundsätzlich nichts dagegen, wenn man „ehrenamtlich tätigen Personen, die sich besondere Verdienste erworben haben, dieses auch mal mit einem Bonbon versüßt. Wenn drei solcher Leute nach Bochum eingeladen würden und einer vom Kreisvorstand als Begleitperson mitfährt, wäre das aus meiner Sicht noch okay. Obwohl man die Frage stellen muss, ob es als Belohnung nicht Alternativen gibt.“

„Ehrenamt ist Ehrenamt“

Christian Matschiegefski, Jugendleiter der SpVg Hagen 11, gibt ein Bespiel dafür wie die Kreiskasse - unter anderem - gefüllt wird: „Fünf Euro Strafe, weil ein Minikicker-Trainer, in diesem Fall ein Spielervater, bei seinem ersten Spiel der Kids vergessen hat, den einen Auswechselspieler, der dabei, war einzutragen.“ Anstatt damit Bochum-Tickets zu finanzieren, „sollte der Kreis lieber DFBnet-Schulungen durchführen, um den Leuten nahezubringen, wie man die Berichte richtig ausfüllt“, regt Matschiegefski an.

„Bei uns würde niemand auf die Idee kommen, Geld aus der Vereinskasse zu nehmen, um damit VIP-Karten oder dergleichen für besonders engagierte Mitglieder zu erwerben“, sagt Mathias Schneidmüller, stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter des TSV Fichte Hagen. „Ehrenamt ist Ehrenamt, wenn ich mir einen Vorteil von nur einem Cent verschaffe, ist es kein Ehrenamt mehr.“

„Wenn ich eine Funktion innehabe, bin ich Vorbild und muss mich vorbildlich verhalten“, sagt Norbert Ullrich. Alles andere sei moralisch nicht in Ordnung. „Wenn der Eindruck entsteht als bedienten sich die Vorbilder selbst, ist das traurig.“

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