Basketball

Per Günther – zum Abschied einer Hagener Basketball-Legende

| Lesedauer: 4 Minuten
Genießt mit seinen beiden Söhnen die emotionale Szenerie: Der Ulmer Aufbauspieler Per Günther nach seinem letzten Spiel als Profibasketballer.

Genießt mit seinen beiden Söhnen die emotionale Szenerie: Der Ulmer Aufbauspieler Per Günther nach seinem letzten Spiel als Profibasketballer.

Foto: IMAGO Images/nordphoto GmbH / Hafner

Ulm/Hagen.  Nach 500 BBL-Spielen: Die Karriere des Hagener Basketballers Per Günther ist vorbei. Über einen Ausnahmesportler & eine markante Persönlichkeit.

Per Günther hielt seine beiden Söhne fest in den Armen und genoss die Szenerie, die sich vor seinen Augen abspielte. Konfettiregen, Sprechchöre, Blitzlichtgewitter und eine orangefarbene, vibrierende Menschenmasse, die nur ihm zujubelte. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, nicht zu weinen, aber angesichts dieser emotionalen Bilder musste Günther Tränen vergießen. „Ich dachte, dass ich gut durchkomme, doch es hat mich ein- bis zweimal erwischt“, räumte der Publikumsliebling des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm ein.

Niederlage wird für Ratiopharm Ulm zur Nebensache

Nun ist es also soweit. Per Günther, der Hagener Ausnahmebasketballer der letzten beiden Jahrzehnte, hat seine Karriere beendet. Im vergangenen Sommer tat er kund, die Sneaker endgültig in den Schrank stellen zu wollen. Und so wurde die Saison 2021/22 zu Günthers Abschiedstournee. Die 79:97-Niederlage vom Donnerstagabend gegen die Riesen Ludwigsburg war das letzte Spiel des 34-jährigen Aufbauspielers. Eine sportliche Enttäuschung für die „Spatzen“, die an diesem historischen Abend zur Nebensache wurde.

Auch lesenswert: Dominik Spohr über seine neue Rolle und den Geschäftsführer.

Teamkapitän Per Günther erzielte in seinem 500. BBL-Spiel zehn Punkte, und das vor 5000 lauten Zuschauern. In seiner Heimatstadt Hagen wurde Per Günther vom Talent zum Profi, in Ulm zur Legende und Ikone der gesamten Bundesliga. „Ich hatte wunderschöne Jahre hier in Ulm. Ich hoffe, dass ich alles, was ich hier erlebt habe konservieren kann und dann darauf Zugriff habe, indem ich alle zwei, drei Jahre mal wieder hier zurückkomme“, sagte ein ergriffener Günther.

Dynamisches Duo mit Dominik Spohr

So manchem Hagener mag es so vorkommen, als sei es erst gestern gewesen: Per Günther schaffte mit dem ersten NBBL-Team von Phoenix im Jahr 2007 die deutsche U19-Vizemeisterschaft. Der quirlige Point Guard war der Motor der Hagener Mannschaft, sein Vater Dietmar der Erfolgscoach, seine Kumpels und „Co-Stars“ Ziyed Chennoufi und Dominik Spohr die Profiteure seiner erstaunlichen Spielintelligenz.

Für das Zweitliga-Profiteam von Phoenix wirbelte Günther ebenfalls, doch sein Ziel war längst klar definiert: die Bundesliga. In Ulm reifte der 1,84 Meter große Basketballer vom Rookie zum Führungsspieler, errang zweimal die BBL-Vizemeisterschaft und dirigierte sein Team in internationalen Wettbewerben. Und ihm gelang sogar der Sprung in die Top-Ten-Liste der besten Bundesliga-Scorer aller Zeiten.

Was Per Günther aber wohl noch mehr auszeichnete als all die Dreier, Freiwürfe und Assists: Seine authentische, smarte und manchmal auch freche Art. Per Günther war nie um einen Spruch verlegen, sei es alberner Natur, zum Beispiel: Am 2. Juli 2016, als die DFB-Kicker bei der EM Italien im Elfmeterschießen schlugen und er zeitgleich seine Lebensgefährtin Leonie heiratete. „Der emotionalste Moment der Hochzeit: Manuel Neuer hält das Ding“, twitterte er zum Foto mit Jubelpose im Smoking: „Sie wird es mir wohl ewig vorhalten.“

Anerkennung für ehrliche Worte

Per Günther schreckte als einer von wenigen deutschen Profibasketballern aber auch nicht davor zurück, die BBL-Geschäftsführung für kontroverse Entscheidungen zu kritisieren. Damit verschaffte der Hagener sich Anerkennung – weit über die Basketballszene hinaus.

Auch lesenswert: BBA Hagen: Neuer Co-Trainer und erste Spielerverpflichtung.

Nach dem Ende seines letzten Spiels drehte Per Günther noch die obligatorische Ehrenrunde. Er schüttelte Hände, kritzelte Autogramme auf Trikots und bedankte sich bei den Fans. Er will zurückkommen, verkündete Per Günther, wie nur er es kann: „Ich kann es kaum erwarten, meinen Kindern alles zu zeigen. Und dass die sich darüber lustig machen, dass der Papa Pipi in den Augen hat und ein paar Verrückte sein Trikot tragen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport in Hagen, Breckerfeld, Wetter und Herdecke

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben