Basketball

Phoenix Hagen: Gilmore spielt in geliehenen Schuhen nur kurz

Am Rand: Michael Gilmore applaudiert eher pflichtgemäß, während Jannik Lodders, Jonas Grof. Jasper Günther und Javon Baumann (v.li.) jubeln.

Am Rand: Michael Gilmore applaudiert eher pflichtgemäß, während Jannik Lodders, Jonas Grof. Jasper Günther und Javon Baumann (v.li.) jubeln.

Foto: Jörg Laube

Hagen.  Das kommt auch eher selten vor: Phoenix-Profi Michael Gilmore vergaß seine Schuhe, spielte in Paderborn in geliehenen. Allerdings nur 55 Sekunden

Eine rein deutsche Startfünf hat in der 2. Basketball-Bundesliga ProA Seltenheitswert. Doch Phoenix Hagen hatte genau das, startete in das am Ende mit 97:85 gewonnene Westfalenderby bei den Uni Baskets Paderborn ohne einen Importspieler. Bei einem Akteur hatte das auch disziplinarische Gründe: US-Forward Michael Gilmore hatte für die kurze Reise nach Ostwestfalen nach WP-Informationen seine Basketballschuhe der Größe 52 vergessen, musste in der Maspernhalle in kurzfristig bei Thomas Reuter - Ex-Hagener im Paderborner Trikot - organisiertem und ausgeliehenem Schuhwerk antreten. Die erste Hälfte verbrachte der Neuzugang so komplett auf der Bank, auch danach setzte ihn Phoenix-Coach Chris Harris nur ganze 55 Sekunden ein.

Von „teaminternen“ Gründen für die Nichtberücksichtigung von Gilmore vor der Pause sprach Harris nach der Partie. Und ergänzte, dass im Training der Woche mehrere Dinge vorgefallen seien, mit denen er nicht zufrieden sei. Nach dem Wechsel gab er Gilmore eine Einsatzchance, die dieser aber „offenbar nicht“ genutzt habe, denn Harris nahm den US-Amerikaner nach zwei schnellen Fouls nach knapp einer Minute wieder vom Feld. Dort blieb er bis zur Schlusssirene. Zum aktuellen Auslöser von Gilmores Kurzeinsatz wollte sich auch Patrick Seidel nicht äußern: „Das sind teaminterne Dinge, die wir auch da belassen wollen.“ Doch der Phoenix-Geschäftsführer hob auch hervor: „Es war ein disziplinarischer Zwischenfall, den wir nicht ungeahndet lassen konnten. Im Profisport gehört eine gewisse Vorbereitung ja dazu.“

Am Engagement des 24-Jährigen, der als Back-up für Kapitän Dominik Spohr verpflichtet wurde, zweifelt man bei Phoenix aber nicht. Gilmores erste Auftritte in der Saisonvorbereitung hatten Kritik der Phoenix-Fans hervorgerufen, dann ließ der Power Forward aber starke Partien - etwa als Topscorer in der Vorbereitung gegen Paderborn oder zuletzt in Karlsruhe - folgen.

Seidel sieht keinen Vergleich zu Mason

Den Vergleich mit Landsmann Marlin Mason, der im Vorjahr ebenfalls als Spohr-Vertreter geholt worden war und nach vier ProA-Partien wegen mangelnder Eignung gehen musste, findet Seidel deshalb nicht angebracht. Zumal Mason mit viel Profierfahrung kam, während Gilmore noch mit den Anpassungsproblemen eines Rookies kämpfe. „Ich sehe Gilmore völlig anders als im letzten Jahr Mason“, betont der Geschäftsführer: „Wir werden ihn in der Backup-Rolle noch brauchen, er kann uns noch Spiele entscheiden, dazu braucht er unsere Unterstützung.“

Mit Selbstbewusstsein gegen Dragons

Vor dem bereits am Mittwoch folgenden Heimspiel gegen die Artland Dragons (19.30 Uhr, Krollmann Arena) sieht Seidel das Thema Gilmore als „Nebengeräusch“, den Fokus legt er mehr auf das erste Erfolgserlebnis der Saison. „In Paderborn hat man zunächst gemerkt, dass es uns noch an Selbstbewusstsein fehlt“, sagt er, „da haben wir in der zweiten Halbzeit doch einen großen Sprung gemacht.“ Gerade mit intensiver Defensive habe man da nach ballverlustreicher erster Hälfte die Wende geschafft. „Jetzt geht es darum, das zu bestätigen“, setzt der Geschäftsführer endlich auf den ersten Heimsieg - im neunten Anlauf - im Kalenderjahr 2019. Dabei ist er überzeugt: „Für uns wird es in dieser Saison keinen Sieg mit 80 Prozent Leistung geben, wir werden immer alles brauchen.“ Auch Michael Gilmore.

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