Play-offs

Phoenix Hagen stemmt sich gegen Favorit und Virus

Joel Aminu (hier gegen David Goncalves

Joel Aminu (hier gegen David Goncalves

Foto: Jörg Laube

Vechta.   Ausgerechnet ein vom Magen-Darm-Virus arg geplagtes Team von Phoenix Hagen in Spiel drei hielt gegen Favorit Vechta am längsten dagegen.

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Die lange Serie wackelte, ausgerechnet gegen ein vom Magen-Darm-Virus arg geplagtes Team. 34 ProA-Heimspiele in Folge hatte Rasta Vechte gewonnen, nun lag der Spitzenreiter in Playoff-Duell drei der 2. Basketball-Bundesliga gegen Phoenix Hagen mit acht Punkten zurück. Dabei fehlte den Gästen der erkrankte Kapitän Dominik Spohr, auch die US-Amerikaner Alex Herrera und Derreck Brooks agierten arg geschwächt. Erst in der Schlussphase stellte Vechta die Verhältnisse gerade, setzte sich nach dem 76:75 vier Minuten vor der Sirene doch noch auf 93:75 (35:43) ab und zog in das Halbfinale gegen die PSK Karlsruhe Lions ein. „Wir haben eine historische erste Halbzeit gespielt, das macht uns alle stolz“, hob Phoenix-Trainer Kevin Magdowski ungeachtet des Saison-Aus für die Hagener hervor: „Was wir unter diesen Vorzeichen heute kämpferisch abgeliefert haben, war phänomenal.“

Die Chancen, doch noch ein zweites Heimspiel am Montag am Ischeland zu erzwingen, waren für Phoenix schon vor der Anreise nach Niedersachsen stark gesunken. Neben dem verletzten U18-Nationalspieler Marco Hollersbacher blieb Kapitän Spohr wegen Brechdurchfalls zuhause, aus diesem Grund drohte auch Herrera auszufallen. „Ein solches Pech mit Verletzungen und Krankheiten, wie wir es seit Januar haben, habe ich in 15 Jahren noch nicht erlebt“, bekannte Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel am Mittag. Wenigstens den US-Center bekam man mit Infusionen noch einsatzfähig. „In seinem womöglich letzten Spiel für Phoenix wollte er unbedingt antreten, auch wenn es nur halb ging“, hob Magdowski hervor, „aber es war natürlich nicht derselbe Alex wie sonst.“ 16 Minuten hielt Herrera auf dem Feld durch, trug neun Punkte bei, dann ereilte ihn nach seinem fünften Foul ohnehin das Aus.

Doch die erwartete Dominanz der Gastgeber blieb aus, weil bei Phoenix sonstige Bankspieler ganz stark auftrumpften. Allen voran der wie aufgedreht agierende Jannik Lodders, der bis zur Pause schon 14 Punkte und acht Rebounds gesammelt hatte, auch der für Spohr in die Startformation beorderte Joel Aminu und Javon Baumann, der früh für den geschwächten Herrera kam, überzeugten. Bis zum 10:17 aus Hagener Sicht durch Dirk Mädrich (7. Minute) lief für den Favoriten alles nach Plan, dann indes legte Phoenix viertel-übergreifend eine 14:0-Serie auf. Bei Baumanns 24:17 (12.) bat Spradley zur Auszeit, doch diesmal wirkte dies nicht sofort. Beim 31:21 durch Lodders, der sich erneut einen Rebound griff und „Coast to Coast“ zum Vechtaer Korb stürmte, war der Vorsprung sogar zweistellig. Danach kam Vechta dank Chris Carter bis auf 37:35 heran (18.), doch Aminu und Jonas Grof machten daraus bis zur Pause wieder eine Hagener Achtpunkte-Führung.

0:17-Serie in letzten vier Minuten

Und es blieb eng, obwohl Vechta nun die Intensität erhöhte. Zum 48:41 und 51:44 (23.) traf Aminu aus der Distanz, fast ausschließlich der starke Mädrich hielt die Gastgeber im Spiel. Beim 51:51 glich Vechta durch Carters Dreier erstmals wieder aus (25.), die erhoffte Wende gelang dem Favoriten aber noch nicht. Auch wenn bei den Gästen Herrera und David Godbold - diesmal ohne Punkt - früh ihr viertes Foul sahen. Wie überhaupt die Unparteiischen nun die Pfiffe ungleich verteilten, in der zweiten Halbzeit kassierte Phoenix zehn Fouls mehr als Rasta.

Dank Aminu und Baumann blieb man dennoch auch nach Herreras Foul-Aus (33.) dran. Nach dem 73:76 durch den im Schlussviertel starken Josh Young verkürzte Baumann 4:40 Minuten vor dem Ende noch einmal per Korbleger zum 75:76. Es sollte der letzte Phoenix-Korb der Saison 2017/18 sein, denn den Bonus-Freiwurf zum Ausgleich vergab der Center. Und mit einer 17:0-Serie gegen nach aufopferungsvollem Kampf nun entkräftete Hagener machte der Favorit das Erreichen des Halbfinales perfekt. „Auch bei acht Punkten Vorsprung wussten wir, es kommt noch ein Run von Vechta“. sagte Magdowski: „Wir haben es geschafft, diesen Lauf so lange wie möglich hinauszuzögern. Aber über 40 Minuten reicht es für uns gegen eine solche Spitzenmannschaft eben noch nicht.“ Ab Mitte September wird sein Team das wieder versuchen.

Statistik

Rasta Vechta: Carter (13, 4 Steals), Dunbar (8), Razis, Young (11, 3/5 Dreier, 8 Rebounds), Smith, Gonzalves (17, 8 Rebounds), Herkenhoff (3), van Slooten, Mädrich (24, 8 Rebounds), Hinrichs (11, 0/4 Dreier, 6 Assists, 10 Rebounds), Christen (6).

Phoenix Hagen: Günther, Aminu (22, 4/10 Dreier), Lodders (19, 3/4 Dreier, 10 Rebounds), Grof (9, 7 Assists), Godbold (0, 0/6 Dreier, 6 Rebounds, 5 Assists), Brooks (1), Baumann (15, 88% Feldwurfquote, 4 Ballverluste, 2 Blocks), Herrera (9, 4 Ballverluste).

Spielviertel: 17:20, 18:23, 27:16, 31:16.

Teamstatistik: 46:45% Wurfquote, 8/22:7/22 Dreier, 19/24:10/18 Freiwürfe, 43:38 Rebounds, 17:16 Assists, 7:4 Steals, 7:15 Ballverluste, 3:4 Blocks.

Zuschauer: 3140.

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