Phoenix Hagen

Phoenix Hagen verabschiedet sich mit viel Moral aus Saison

Ganz starker Auftritt für Phoenix Hagen: Jannik Lodders

Ganz starker Auftritt für Phoenix Hagen: Jannik Lodders

Foto: Jörg Laube

Vechta.   Diesen Auftritt hätte vom arg geschwächten Team kaum jemand erwartet: Beim 75:93-Saisonaus in Vechta hielt Phoenix mit viel Moral ganz lange mit.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach Spiel 33 war Schluss für Phoenix Hagen in der Saison 2017/18. Und ausgerechnet die schwerste denkbare Aufgabe musste der Basketball-Zweitligist stark geschwächt absolvieren. Denn vor dem dritten Playoff-Spiel bei ProA-Spitzenreiter Rasta Vechta hatte der Magen-Darm-Virus bei den Hagener zugeschlagen. Neben dem ohnehin verletzten Marco Hollersbacher reiste Kapitän Dominik Spohr gar nicht erst mit an, auch die US-Amerikaner Alex Herrera und Derreck Brooks waren angesicht ihres Brechdurchfalls arg blass um die Nase. Am Ende verlor man mit 75:93 (43:35) beim hohen Favoriten, den man aber mit einer couragierten Leistung überraschend bis zum 75:76 vier Minuten vor der Sirene mächtig ärgern konnte. Vechta gewann so die Serie und trifft im Halbfinale nun auf die PSK Karlsruhe Lions.

„Ein solches Pech mit Verletzungen und Krankheiten, wie wir es seit Januar haben, habe ich in 15 Jahren noch nicht erlebt“, bekannte Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel noch am Mittag des Spieltags, als neben Spohr auch Herrera komplett auszufallen drohte: „Das ist natürlich bitter am Ende einer eigentlich erfolgreichen Saison.“ Wenigstens den US-Center bekam man bei Phoenix mit Infusionen noch halbwegs spielfähig, ihn beorderte Trainer Kevin Magdowski wie Brooks sogar in die Startfünf. Solche Sorgen kannten die Gastgeber nicht, Coach Doug Spradley vertraute zum 15. Mal in Serie auf die gleiche Auftaktformation.

Doch die erwartete Dominanz der Gastgeber blieb aus, weil bei Phoenix sonstige Bankspieler ganz stark auftrumpften. Allen voran der wie aufgedreht agierende Jannik Lodders, der bis zur Pause schon 14 Punkte und acht Rebounds gesammelt hatte, auch der für Spohr in die Startformation beorderte Joel Aminu und Javon Baumann, der früh für den geschwächten Herrera kam, überzeugten. Bis zum 10:17 aus Hagener Sicht durch Dirk Mädrich (7. Minute) lief für den Favoriten alles nach Plan, dann indes legte Phoenix viertel-übergreifend eine 14:0-Serie auf. Bei Baumanns 24:17 (12.) bat Spradley folgerichtig zur Auszeit. Doch diesmal wirkte dies nicht sofort. Beim 31:21 durch Lodders, der sich erneut einen Rebound griff und „Coast to Coast“ zum Vechtaer Korb stürmzte, war der Vorsprung sogar zweistellig. Danach kam Vechta dank Chris Carter bis auf 37:35 heran (18.), doch Aminu und Jonas Grof machten daraus bis zur Pause wieder eine Hagener Achtpunkte-Führung.

Und es blieb eng, obwohl Vechta nun die Intensität erhöhte. Zum 48:41 und 51:44 (23.) traf Aminu aus der Distanz, doch der starke Mädrich hielt die Gastgeber im Spiel. Beim 51:51 glich Vechta durch Chris Carters Dreier erstmals wieder aus (25.), jetzt nahm Magdowski die Auszeit. So hatte es auch in Spiel zwei gestanden, ehe am Ischeland der Spitzenreiter weggezogen war. Diesmal konnte sich zunächst kein Team absetzen, allerdings sahen bei den Gästen Herrera und David Godbold - diesmal ohne Punkt - früh ihr viertes Foul. Wie überhaupt die Unparteiischen nun die Pfiffe ungleich verteilten, in der zweiten Halbzeit kassierte Phoenix zehn Fouls mehr als Rasta.

Und die Gastgeber hatten nun gegen müder werdende Hagener neben dem durchgängig starken Mädrich die entscheidenden Joker: Etwa Josh Young, der nach dem 59:59 mit seinem ersten Korb - ein Dreier - Vechtas Führung vor dem Schlussviertel besorgte. Und auch dort immer wieder Nadelstiche setzte. Oder David Gonzalvez, der am Ende traf. Dank Aminu und Baumann blieb Phoenix dennoch auch nach Herreras Foul-Aus (33.) dran. Nach Youngs 73:76 verkürzte Baumann 4:40 Minuten vor dem Ende noch einmal per Korbleger zum 75:76. Es sollte der letzte Phoenix-Korb der Saison 2017/18 sein, denn den Bonus-Freiwurf zum Ausgleich vergab der Center. Und mit einer 17:0-Serie gegen nach tapferem Kampf nun entkräftete Hagener machte der Favorit den Playoff-Sweep, das Erreichen des Halbfinale in 3:0 Siegen, perfekt. Phoenix blieb der Trost, erhobenen Hauptes die Saison beendet zu haben. Die Hoffnung auf ein zweites Heimspiel am Montag musste man erst in den letzten Minuten aufgeben. Trainer Magdowski war jedenfalls stolz auf sein Team: „Was wir unter diesen Vorzeichen heute kämpferisch abgeliefert haben, war phänomenal.“

Rasta Vechta: Carter (13), Dunbar (8), Razis, Young (11), Smith, Gonzalves (17), Herkenhoff (3), van Slooten, Mädrich (24), Hinrichs (11), Christen (6).

Phoenix Hagen: Günther, Aminu (22), Lodders (19), Grof (9), Godbold, Brooks (1), Baumann (15), Herrera (9).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben