Interview

Phoenix Hagen will am Höing neue Trainingshalle bauen

Wo jetzt das Gras hoch wächst: Auf dem ehemaligen Post-Sportplatz, unterhalb des Kunstrasensportplatzes am Höing plant Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen eine Trainingshalle.

Wo jetzt das Gras hoch wächst: Auf dem ehemaligen Post-Sportplatz, unterhalb des Kunstrasensportplatzes am Höing plant Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen eine Trainingshalle.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Phoenix Hagen plant den Bau einer Trainingshalle am Höing und will in die Play-offs: Vor dem Start stellten sich die Verantwortlichen den Fragen.

Phoenix Hagen plant den Bau einer Trainingshalle am Höing und will zurück in die Play-offs: Vor der am Samstag mit dem Heimspiel gegen die Niners Chemnitz beginnenden ProA-Saison, in die der Basketball-Zweitligist mit leicht verringertem Etat geht, stellten sich Geschäftsführer Patrick Seidel, Aufsichtsrats- und Vereinsvorsitzender Wolfgang Röspel und Cheftrainer Chris Harris den Fragen der WP-Lokalsportredaktion.

Am Samstag startet Phoenix in die dritte ProA-Saison, wo steht der Verein knapp drei Jahre nach Insolvenz und Bundesliga-Aus?

Patrick Seidel:

Das wird manchmal vergessen, dass das erst drei Jahre her ist und wir gerade einmal zwei volle Saisons nach der Insolvenz gespielt haben. Von daher sind wir mit dem Status quo in Teilen zufrieden, in anderen könnten wir auch nach unseren eigenen Wünschen schneller vorangekommen sein. Wir haben den Phoenix e.V. im letzten Sommer gegründet und sind seit kurzem so weit, Mitglieder und Fördermitglieder werben zu können. Da sind wir ganz zufrieden. Als Gesamtverein war das erste Jahr sehr, sehr positiv. Wir waren glücklich, dass Phoenix Hagen überhaupt weiter existieren und spielen durfte in der 2. Liga. Das letzte Jahr war dann natürlich sportlich enttäuschend. Wir waren zwar in der Lage, jeden zu schlagen - und haben das, als es spannend wurde, leider nicht getan. Strukturell hat sich mit dem Umzug der Geschäftsstelle in die Stadtmitte sehr viel getan. Es war in meinen 15 Jahren im Basketball die arbeitsreichste Sommerpause, die ich je hatte. Man merkt jetzt schon, dass wir die Umsätze im Merchandising steigern können, wir haben ständig Betrieb hier und Laufkundschaft.

Wie ist der Stand, was verkaufte Dauerkarten und den aktuellen Etat angeht?

Seidel: Es war ganz gut, dass wir den Etat beim Lizenzantrag im April ganz konservativ auf Vorjahresniveau mit 1,45 Millionen Euro angegeben haben. Ein paar Monate später müssen wir jetzt schon zugeben, dass wir bei sechs, sieben Prozent geringerem Etatansatz sind als im Vorjahr. Es gibt zwei Gründe dafür: Zum einen haben wir rund 200 Dauerkarten weniger, wir sind von 1700 auf 1500 herunter, das wird sicher mit dem sportlichen Abschneiden zu tun haben. Da muss der Funke vom Feld demnächst wieder auf die Tribüne übergehen. Der Support war immer da, wir haben auch viele tolle Spiele geliefert, die waren leider öfter mal auswärts. Hätten wir eine umgekehrte Bilanz gehabt, wäre alles gut. Momentan läuft es auf knapp 1,38 Millionen Etat hinaus. Der andere Grund ist, dass Themen der Weltwirtschaft auch am Sportsponsoring nicht vorbeigehen. Es sind keine Sponsoren abgesprungen, aber hier und dort wurde reduziert. Insgesamt ist der Rückgang im Gesamtumsatz ja überschaubar. Wenn wir sechs, sieben Prozent mehr Etat hätten, würde das ja auch nicht gleich einen Sprung über drei Tabellenplätze bedeuten. 50.000 Euro machen qualitativ da noch nicht soviel aus. Wenn wir mehr Qualität auf dem Spielfeld haben wollten, bräuchten wir 150.000 oder 200.000 Euro mehr.

Wolfgang Röspel: Der Wirtschaftsplan ist seriös aufgestellt, da kann man nur von einem Erfolg sprechen. Was mir fehlt, ist ein bisschen die Wertschätzung von Phoenix Hagen in der Stadt. Hagen ist nicht nur die Stadt der Fernuniversität, sondern auch die Stadt des Basketballs. Das was Phoenix in den letzten drei Jahren geleistet hat, ist Vertrauen zurückzugewinnen von den Sponsoren, das ist uns sicher bisher gut gelungen. Wir haben eine hervorragende Jugendarbeit, wir bringen immer wieder Nationalspieler hervor. Der Phoenix Jugend e.V setzt einen Schwerpunkt gerade im Schul- und Kita-Bereich, Phoenix präsentiert sich nicht nur als Sport- sondern auch als Sozialfaktor der Stadt durch Integrationsmaßnahmen gerade an den Grundschulen, das wird noch gesteigert. Aber höhere Ziele wird man nur dann verwirklichen können, wenn lokale und regionale Sponsoren das gemeinsam mit der Stadt mitgestalten und dafür sorgen, dass wir das sportlich Niveau auch halten können. Ziel ist sicher, die Play-offs zu erreichen, das geht nur über gemeinsame Anstrengungen mit der Wirtschaft und Stadt.

Der Umzug der Geschäftsstelle war ein Thema, gibt es weitere Verbesserungen der Infrastruktur?

Röspel: Was wir konkret planen, ist der Bau einer Trainingshalle unter der Regie von Phoenix, die Bauvoranfrage läuft für ein Grundstück. Es ist wichtig für die Profis, dass sie eine Heimstätte haben fürs Training und dort auf Parkettboden trainieren können. Sie soll auch Spielstätte sein für die Jugendmannschaften, zudem als Leistungszentrum für den Deutschen Basketball-Bund fungieren, Auswahlspiele könnten am Standort Hagen ausgetragen werden. Vorgesehenes Grundstück dafür ist der alte Post-Sportplatz am Höing, da kann eine Trainingshalle auch als Lärmschutz zwischen der Wohnbebauung und den umliegenden Sportplätzen dienen. 1,8 Millionen müsste man etwa investieren, wir haben uns entsprechende Hallen in Vechta, Heidelberg und Quakenbrück angesehen.

Seidel: Das Vorhaben ist elementar, wenn man sieht, dass die direkten Konkurrenten von uns in der ProA wie Trier oder Rostock diesen Entwicklungsschritt gerade vollziehen. Wenn wir in fünf Jahren nicht abgehängt sein wollen, dann müssen wir da nachziehen.

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Inwiefern spiegelt sich der leichte Rückgang im Etat im neuen Team wieder? Hat sich Phoenix auch aus finanziellen Gründen schwer getan bei der Spielersuche, vornehmlich Rookies geholt?

Seidel: Zunächst einmal soll das eine Feststellung sein - und kein Rumjammern, dass wir zuwenig Geld haben. Wir sind kein Verein, der eines der Top-drei-Budgets der Liga hat, das ist klar. Dann denkt man im nächsten Schritt, was ist die Identität und DNA von Phoenix Hagen. Da haben wir für uns festgelegt, wir wollen die Stärken, die der Hagener Basketball bietet, ausnutzen und viele, viele Hagener Jungs um uns versammeln. Mein Lieblings-Beispiel ist der erste Trainingstag, wo wir im Kreis saßen mit 24 Leuten von Kader und Staff und zehn haben gesagt, ich bin in Hagen geboren, das gibt es in ganz Deutschland nicht. Das ist ein einmaliges Qualitätsmerkmal, wo ich beim Verpassen der Play-offs schon das Gefühl hatte, dass das ein bisschen vergessen wird. Wir sehen aber auch, dass man daraus eine Stärke entwickeln kann.

Und natürlich tut man sich da schwer bei der Spielersuche. Natürlich hat man in den ersten drei, vier Wochen mit einem Rookie, der zum ersten mal sein Land verlässt, bestimmte Themen. Aber das klappt von Woche zu Woche besser. Und ganz konkret etwa bei Adam Pechacek war es so, dass wir den Spieler auch drei Monate vorher auf dem Radar hatten. Da war er auf dem Markt, aber nicht auf unserem Markt. Auch bei Kyle Leufroy und Michael Gilmore, wo der ein oder andere in der Halle bei Trainingsspielen die Jungs nach acht Tagen am liebsten nach Hause geschickt hätte, sieht man ja eine ganz klare Entwicklung. Da sind wir ganz zufrieden.

Zum Sportlichen, Herr Harris: Im November haben Sie ein komplettes Team übernommen, jetzt konnten Sie die Mannschaft maßgeblich mit zusammenstellen. Inwiefern ist das jetzt Ihr eigenes Team?

Chris Harris:

Zunächst ist es kein Harris-Team, sondern ein Hagener Team. Ich finde es ein geiles Konzept, dass wir – als einziger Verein in erster und zweiter Bundesliga - eine Plattform anbieten für viele, die hier groß geworden sind und in der Jugend gespielt haben und unsere Stadt repräsentieren. Wir hätten die Mannschaft anders zusammenstellen können ohne diese Vorgabe, hätten vielleicht einen etwas anderen Stil oder andere Spielertypen dabei gehabt. Uns war es wichtiger, mit Hagenern Erfolg zu haben. Der Spielstil wird leicht anders sein als im Vorjahr, wird schneller sein. Ich hoffe, wir können auch noch konventionellen Basketball spielen, aber mit mehr Druck und Schnelligkeit. Die Neuen sollen das ergänzen, was wir an Hagener Spielermaterial haben, das ist der Gedanke dahinter.

In Hagen ist die Erwartung oft, da ist ein Amerikaner, der muss viel scoren, das ist aber nicht meine Erwartung. Da haben wir Dominik Spohr, der grundsätzlich seit Jahren zweistellige Punkte liefert, da mussten wir ihn mit Gilmore nicht durch jemand ergänzen, der viel scort, von ihm brauchen wir Athletik, Energie, Defensive. Bei Kyle Leufroy hoffen wir ebenfalls, dass er uns gut ergänzen kann, wir hatten Bedarf für einen guten Schützen auf der Position, der effizient scoren kann und physischer auf der Guard-Position agieren kann als Niklas Geske, Joel Aminu oder Jasper Günther.

Wie hat man auf die in der Vorsaison deutlich gewordenen Schwächen mit der Zusammenstellung des neuen Teams reagiert?

Harris: Gegenüber der letzten Saison wollten wir drei Dinge ändern: Eines war die Quote von der Freiwurflinie, da haben wir teilweise unter 50 Prozent getroffen. Eines war die Athletik auf der Powerforward-Position, das haben wir mit Gilmore geändert. Und eines war die Mentalität der Spieler, die in entscheidenden Situationen Verantwortung übernehmen. Da haben wir uns so entschieden, das auf mehrere Schultern zu verteilen, nicht auf eine einzelne Position. Wir haben mit Niklas, Adam, Dominik, Jonas Grof, auch mit Jannik Lodders oder jetzt Kyle, der in der Vorbereitung ein Spiel mit einem Buzzerbeater entschieden hat, genug erfahrene Spieler, die hoffentlich die entscheidenden Würfe nehmen und treffen können.

Saisonziel sind die Play-offs, die man im letzten Jahr verpasst hat. In einer offensichtlich stärker gewordenen ProA keine leichte Aufgabe?

Harris: Die Liga ist etwas stärker geworden und ist wahnsinnig ausgeglichen, häufig werden Teams aus dem unteren Tabellenbereich Spitzenmannschaften schlagen. Das wird eine schwierige Aufgabe werden, aber ich glaube, dass wir das Zeug dazu haben. Die Jungs waren unheimlich fleißig im Sommer, hatten von Mai bis Juli kaum eine Pause und haben individuell an sich gearbeitet. Wir sind nicht nur fitter sondern auch tiefer besetzt. Wir werden am Samstag noch nicht unseren besten Basketball abliefern können, das ist eine Entwicklung. Aber ich glaube auch nicht, dass die Chemnitzer schon ihr bestes Spiel machen. Wir hoffen, dass wir genug Siege sammeln, um in die Play-offs zu kommen – und zu der Zeit dann unseren besten Basketball zeigen können.

In diesem Jahr gab es noch keinen Sieg am Ischeland, wie soll dieser „Heimkomplex“ überwunden werden?

Harris: Bei uns spricht niemand von einem Heimkomplex. Ja, letzte Saison war es der Fall, dass wir kein Spiel gewonnen haben, aber wir haben eine neue Mannschaft mit einer neuen Mentalität. Alles, was wir seit November getan haben, ist viel Energie und Geld in die Entwicklung der Mannschaft zu investieren mit Athletik-Trainer, Mental-Coach, viel Einzeltraining. Ob das direkt in diesem Jahr Früchte trägt, werden wir sehen. Vielleicht passt das schon, dass wir ein paar Heimspiele mehr gewinnen, dass wir beim entscheidenden Wurf zehn Prozent weniger nervös sind.

Wer sind für Sie die Aufstiegskandidaten, wer die Konkurrenten im Playoff-Kampf?

Harris: Ich glaube schon, dass Chemnitz und Jena das am Ende unter sich ausmachen werden, die beiden Ostklubs haben eine gute finanzielle Basis, tiefe Kader, gute Deutsche und die Möglichkeit nachzulegen, wenn es notwendig wird. Vielleicht leicht dahinter sehe ich Teams wie Rostock und Heidelberg, Tübingen, Trier oder Bremerhaven, da kann man fast keinen nicht nennen. Das wird eine wahnsinnig ausgeglichene Liga werden, du kannst gegen jeden verlieren und gegen jeden gewinnen. Da musst du konstante Leistungen bringen.

Könnte man ein stärkeres Team für den gleichen Etat zusammenstellen, wenn man statt der vielen heimischen Spieler mehr Importspieler verpflichten würde?

Seidel: Der Hagener Weg ist ja keine Neuerfindung dieser Saison, das machen wir, seitdem wir aus der Insolvenz raus sind, wir sind auf dem dritten Jahr dieses Weges. Früher haben wir BBL gespielt und hatten keinerlei Infrastruktur und Unterbau, man hat das Haus angefangen mit dem Dach zu bauen. Den Weg sehe ich anders herum, wir brauchen erstmal das Fundament um darauf aufzubauen. Und ich bleibe dabei: Wenn man momentan nicht die wirtschaftliche Power hat und die Infrastruktur mit der Trainingshalle, um direkt auf Teufel komm raus anzugreifen, dann muss man sehen: Wo ist die Nische?

Das Nichterreichen der Play-offs im Vorjahr steht zu sehr im Vordergrund. Es wird zu wenig gesehen, dass wir auch mit dem Hagener Spielerkern schon ganz tolle Momente hatten, etwa als wir in acht Tagen auswärts Chemnitz und Hamburg geschlagen. Am Ende geht es darum, dass wir mit dem annähernd gleichen Etat wie im letzten Jahr mehr erreichen wollen. Da glaub ich, dass wir mit einem Profispieler mehr, einer neuen Trainer-Konstellation im Jugendbereich und dem U14-Projekt in der European Basketball Youth League auf dem richtigem Weg sind. Mit etwas mehr Personalwechseln als mir in einer Sommerpause recht sind, haben wir das Fundament für eine nachhaltige Zukunft gesetzt.

Die Personalwechsel betreffen vor allem den Jugendbereich, warum war der Schnitt dort nötig?

Seidel: Es ist gut, wenn man mal einen neuen Impuls setzt. Wir wollten Chris Harris mit Alex Nolte einen Co-Trainer in Vollzeit an die Seite stellen, so entstand bei der JBBl eine Vakanz. Mit dem Nebeneffekt, dass wir auf unseren Kooperationspartner BG zugehen konnten, der die stärkste Jugend im Bereich U14/U16 mit dem starken Trainerteam hat. Im Bereich NBBL haben wir eine Entscheidung für Stanley Witt getroffen, nicht gegen Kai Schulze, der zwei Jahre sehr loyal gearbeitet hat. Wir hatten die Chance, mit Witt einen der fünf talentiertesten Nachwuchstrainer in Deutschland zu verpflichten, das ist ein Invest in die Zukunft.

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