Interview

Phoenix Hagens Spohr: „Krise ist schon fast untertrieben“

Phoenix-Kapitän Dominik Spohr stellt sich im Interview der öffentlichen Kritik, die an ihm laut wird.

Phoenix-Kapitän Dominik Spohr stellt sich im Interview der öffentlichen Kritik, die an ihm laut wird.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  In der Phoenix-Krise steht auch Dominik Spohr im Fokus der Kritik. Zu Recht, findet der Kapitän im Interview über Angst, Zusammenhalt und Coach.

Der Druck auf die Zweitliga-Basketballer von Phoenix Hagen wird immer größer. Von den ersten elf Spielen der Saison verlor das Team neun Partien und steht auf dem letzten Platz der Tabelle. Obwohl das gesamte Team deutlich unter seinen Möglichkeiten bleibt, prasselt vor allem auf die deutschen Leistungsträger im Team öffentliche Kritik ein. Vor allem auf Kapitän Dominik Spohr, der sich in einem Formtief befindet und dem Teile der Hagener Basketball-Fans vorwerfen, ein Grund für die Krise zu sein. Im WP-Interview vor dem Heimspiel gegen die Kirchheim Knights am Samstag um 19 Uhr (Krollmann Arena) sagt der Kapitän: „Ich will einige Dinge gerade rücken.“

Herr Spohr, haben Sie Angst?

Dominik Spohr Das Team und ich haben aktuell sehr viele Gefühle. Ärger, Verzweiflung, Mut, Zusammenhalt. Und ja, Angst ist auch eines davon.

Angst, abzusteigen und den Bock nicht mehr umstoßen zu können?

Nein, so weit geht das nicht. Weil ich an uns und unsere Qualität glaube und wir wieder Erfolgserlebnisse haben werden. Aber die vielen knappen Spiele, die wir teilweise nur durch einen oder zwei Würfe verloren haben, haben eine psychische Narbe hinterlassen. Bis vor kurzem hatten wir noch Druck, endlich mal wieder ein Heimspiel zu gewinnen. Mittlerweile haben wir auch auswärts Druck. Wir sind Letzter. Das Wort Krise ist dafür eigentlich schon fast untertrieben.

„Auch meine Existenz hängt am Erfolg von Phoenix Hagen“

Gerade Sie werden in der Öffentlichkeit harsch kritisiert.

Und das auch völlig zu Recht. Ich werde meinem eigenen Anspruch nicht gerecht.

Da wabern viele Dinge durch die Hagener Basketball-Szene. Sie würden das meiste Geld in der Mannschaft verdienen und vor diesem Hintergrund enttäuschen. Wie sehr fasst Sie das an?

Ich bin Teil des Hagener Basketballs. Ich bin ein Hagener und der Kapitän der wichtigsten Mannschaft der Stadt. Und ich kriege all diese Dinge natürlich mit. Es steht jedem zu, mich zu kritisieren für die Leistung, die ich gerade nicht bringe. Diese Sache mit dem Geld finde ich vor diesem Hintergrund nicht gerecht. Erstens habe ich mir diesen Vertrag erarbeitet. Zweitens hängt auch meine Existenz an dem Erfolg von Phoenix Hagen. Glauben Sie mir, niemand leidet mehr unter der Situation als wir Spieler. Auch dafür spielen wir. Und drittens, aber das ist eine andere Sache, wird der Verdienst von Basketball-Profis in der zweiten Liga, glaube ich, zu hoch eingeschätzt.

Aber die Kritik an ihrer Leistung können Sie nicht wegwischen.

Und das tue ich auch nicht. Meine Lockerheit ist flöten gegangen. Ich treffe meine Dreier nicht mehr. Es ist zu einer schwierigen mentalen Sache geworden. Ich trainiere sehr hart daran, habe auch mechanisch etwas am Wurf verändert. Ich bin körperlich in einer sehr guten Verfassung. Aber letztlich geht es darum, wieder einen Ball durch einen Ring zu schmeißen. Das geht nur, wenn wir locker sind.

Die Kritik geht noch viel weiter. Neben mangelndem Einsatzwillen und schlechter Defense-Arbeit soll die Mannschaft falsch zusammengestellt worden sein.

Diese Ansicht kann ich gar nicht teilen. Die Truppe ist sehr überlegt zusammengesetzt worden. Als man mir vor der Saison das Team präsentiert hat – die einzelnen Verstärkungen, die Umsetzung von Jonas Grof auf die Flügelposition, dazu der starke Niklas Geske im Aufbau, die Amerikaner und Typen wie Jasper Günter, der großes Potenzial hat, einen Spieler wie Adam Pechacek – , da habe ich sofort gesagt, dass das eine starke Mannschaft ist. Und das sehe ich auch heute noch so. Ich weiß, es klingt lächerlich, das angesichts der Krise zu sagen, aber wir haben alles, was wir brauchen, um erfolgreich zu spielen. Jetzt haben wir mit Jon Octeus noch jemanden, der richtig Offensiv-Power mitbringt. Ich hoffe, er kann das Niveau halten.

„Chris Harris gehört zu den besten Trainern in meiner Karriere“

Hat das Team denn auch den richtigen Trainer? Oder sagen wir: Noch den richtigen Trainer?

Die Mechanismen des Profisports sind leider so, dass direkt Köpfe gefordert werden, wenn es nicht läuft. Aber ich persönlich kann sagen, dass Chris Harris zu den besten Trainern in meiner Karriere gehört. Im Licht des Misserfolgs so gut über den Trainer zu sprechen, mag unglaubwürdig klingen, aber er schafft es, dass jeder das Beste aus sich herausholt. Er ist inspirierend, legt Wert auf Disziplin und gibt unglaublich gutes Training. Wenn es nach mir geht, dann muss es mit Chris Harris weitergehen.

Die Stimmung droht angesichts der Krise zu kippen. Kommen Sie mittlerweile mit einem mulmigen Gefühl in die Ischelandhalle?

Nein. Ich weiß, dass in dieser Halle viele Menschen sitzen, die Basketball-Verstand haben und sich Gedanken machen. Ich kann nicht um Nachsicht beim Publikum bitten. Aber ich will auch, dass jeder da draußen weiß, dass wir uns zerreißen, um wieder zu gewinnen. Die Gruppe ist intakt. Manche von uns trainieren, wenn sie krank oder verletzt sind. Es betrifft uns persönlich, was gerade abgeht. Wir wollen das ändern.

„Ich will mittel- bis langfristig mit Hagen zurück in die Bundesliga“

Ist im Phoenix-Umfeld die Erwartungshaltung zu hoch? Und haben auch Sie selbst die Ansprüche nicht zu hoch gesteckt, als Sie bei Ihrer Rückkehr nach Hagen vom Aufstieg sprachen?

Es ist meine Mission. Ich will mittel- bis langfristig mit Hagen zurück in die Bundesliga. Was gerade geschieht, ist ein Rückschritt, aber ich halte daran fest. Vielleicht bedeutet eine Saison wie diese auch, dass ich es nicht mehr als aktiver Spieler erleben werde, dass wir wieder erstklassig sind. Aber der Traum und die Arbeit dafür leben. Aktuell sind wir weder ein Aufstiegs- noch ein Playoff-Team. Aber das Liga-Umfeld hat sich in den vergangenen Jahren auch stark verbessert und es wird nicht leichter, nach oben zu kommen. Wir müssen jetzt erstmal den ersten Schritt machen.

Und Kirchheim am Samstag besiegen?

Wir müssen gewinnen. Und ich traue es uns zu. Ich sage auch nicht, dass wir die weghauen. Wir müssen es wieder schaffen, unsere Führungen durchzubringen. Gewinnen muss für uns wieder eine Angewohnheit werden, bei der wir bestimmte Dinge richtig machen. Und am Samstag vor unseren eigenen Leuten können wir das schaffen. Wir brauchen die Halle und ein Publikum, das an uns glaubt. Ich weiß, wir sind nicht in der Position, das zu verlangen. Aber nur so wird es gelingen.

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