Serie „Frühlingserwachen“

Reiter des RFV Kalthausen packen bei Schnee und Sonne an

Die gute Laune lässt man sich im rund 400 Meter hoch gelegenen Kalthausen nicht verderben - selbst wenn es im Frühjahr noch schneit. Das Bild zeigtSigrid Gottschol, Katharina Poth, Marianne Poth, Stefanie Müller, Melanie Vollmers und Kathrin Engelhardt (von links).

Die gute Laune lässt man sich im rund 400 Meter hoch gelegenen Kalthausen nicht verderben - selbst wenn es im Frühjahr noch schneit. Das Bild zeigtSigrid Gottschol, Katharina Poth, Marianne Poth, Stefanie Müller, Melanie Vollmers und Kathrin Engelhardt (von links).

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Es sind noch vier Wochen - aber das Kalthauser Reitturnier wirft seine Schatten schon voraus. Auch am Karsamstag wird die Anlage aufpoliert.

Angepackt wird immer, ob im Schneetreiben oder bei mehr als 20 Grad, die am Oster-Wochenende erwartet werden. Beim Reit- und Fahrverein Kalthauser Höhe ist jetzt besonders viel zu tun. Und es wird viel getan, um die Anlage so zu präparieren, dass sie sich beim eigenen Turnier von ihrer besten Seite präsentiert. Weil der Saison-Höhepunkt im Terminkalender der Kalthauser Reiter in diesem Jahr so früh wie lange nicht mehr eingetragen ist, sind auch am heutigen Karsamstag viele Helfer fleißig. Was bei der aktuellen Wetterlage mehr Spaß macht als noch vor acht Tagen.

„Nach einem Kalthauser Winter ist das Frühjahr immer ein echtes Erlebnis“, sagt Marianne Poth, 1. Vorsitzende des vor 51 Jahren gegründeten Klubs. „Das spiegelt sich auch in der Gemütslage wider. Nicht nur bei den Menschen, auch bei den Pferden“, ergänzt die 1. Kassiererin Sigrid Gottschol, „wenn die Sonne scheint, sind alle gut unterwegs. Manche werden sogar etwas übermütig.“

Saisonvorbereitung

Zu tun gibt es in einer Reitanlage reichlich. Die auf der Höhe von Kalthausen ist 1,66 ha groß. Drei Außenplätze, eine Halle, Stallungen, Wege, der Hofbereich, das Reiterstübchen etc. stehen den knapp 170 Mitgliedern zur Verfügung. Alles muss instand gehalten werden. Im Vorfeld des eigenen Turniers, also im Frühjahr, sind die Kalthauser Reiter besonders eifrig. „Es ist immer ein super Anlass, alles zu machen, was gemacht werden muss“, sagt die Klubchefin.

Mähen, Harken, Einsammeln der heruntergefallenen Äste, Unkraut jäten, Blumen pflanzen, Wege, die vom Regen ausgewaschen sind, instandsetzen, Streichen, Aufräumen - die Liste der alljährlich anstehenden Arbeiten ist lang. In größeren Zeitabständen stehen zusätzliche Maßnahmen an, die manchmal nicht - wie sonst fast alles - in Eigenregie zu bewältigen sind. „Im vergangenen Jahr haben wir den oberen Platz saniert, das überlassen wir einem Platzbauer“, berichtet Marianne Poth. „Es war eine Firma da, die Sand aufgefüllt und das Ganze nivelliert hat, das muss man alle vier, fünf Jahre machen.“

In diesem Jahr steht die Reparatur eines Zaunes auf dem „Sondermaßnahmen“-Zettel. „Das kriegen wir schon selbst hin“, daran hat die 1. Vorsitzende keinen Zweifel.

„Wir haben eine Regelung, dass jeder außerhalb des Turniers - Turnierstunden sind Ehrenstunden - zehn Arbeitsstunden pro Jahr leisten muss“, verrät Sigrid Gottschol. Wobei eine gewisse Bandbreite des zeitlichen Engagements toleriert wird. „Manche machen acht Stunden, andere 20. Das wird zum größten Teil an vier oder fünf Samstagen vor dem Turnier absolviert.“

Bevor es losgeht, wird eine Liste erstellt. „Damit nicht zehn Leute an einem Tag dasselbe machen“, so die Vereinsschatzmeisterin. „Wir vom Vorstand fangen an, danach schreibt jeder hin was er meint, was gemacht werden muss - und was er macht. Jeder bringt sein Arbeitsgerät mit, jeder hat gewisse Neigungen, dies oder jenes zu tun.“

Bei der Größe des Areals fällt es kaum auf, wenn 20 bis 30 Personen im Einsatz sind. „Wenn dann zum Mittagessen gerufen wird“, berichtet Sigrid Gottschol, „kommt aus jeder Ecke eine Truppe.“

So wird es wohl auch heute sein.

Was passiert im Winter?

Viel! „Reiten ist keine Saisonsportart“, sagt die Kassiererin, „die Pferde kann man ja nicht abmelden. Und sie nur in der Box zu lassen, ist nicht erlaubt, das wäre ja auch unfair.“ So werden draußen Winterpaddocks installiert, in denen sich die Vierbeiner frei bewegen können. Das gilt für die drei Schulpferde genauso wie - nach Absprache mit den Besitzern - für die anderen 22 in Kalthausen beheimateten Rösser. Eine Mitarbeiterin bringt die Tiere aus den Stallungen in die Paddocks und führt sie zurück.

Dass in der dunklen Jahreszeit die Reithalle stärker frequentiert ist als im Sommer, versteht sich von selbst: „Um 17 Uhr, wenn viele erst zu uns hochkommen können, wird es ja schon dunkel“, so Sigrid Gottschol. Versorgt und gepflegt werden müssen die Vierbeiner das ganze Jahr. Im Winterschlaf liegt die Kalthauser Reitanlage nie. „Wir haben im Winter mehr Arbeit mit dem Sportkamerad Pferd als im Sommer“, klärt Sigrid Gottschol auf.

Termine im Sommer

Höhepunkt des Vereinslebens ist das eigene Turnier, das in diesem Jahr am 18. und 19. Mai stattfindet. „Mal sehen wie der frühe Termin angenommen wird“, darauf ist Marianne Poth gespannt. Es gab Zeiten mit zwei Turnieren pro Jahr, „aber da sind uns die Helfer doch in die Knie gegangen“, denkt Sigrid Gottschol zurück. „Jetzt wird das sportliche Geschehen an einem Wochenende gebündelt.“ Zumindest auf der Kalthauser Höhe. Die Mitglieder schwärmen im Sommerhalbjahr auch zu anderen Turnieren aus.

Was bietet der Verein?

Neben Reitstunden für Anfänger und Fortgeschrittene (Springen und Dressur) ist das zuletzt brachliegende Voltigieren wieder im Aufbau begriffen. „Das steht und fällt alles mit einem passenden Pferd“, berichtet Sigrid Gottschol. „Wir hatten mal eines aus den eigenen Reihen, in Privatbesitz, das uns geliehen wurde. Damals erlebte der Voltigiersport einen fast kometenhaften Aufstieg.“

Als das Pferd aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand, war der Höhenflug vorbei. Die Gruppe zerbrach, fast 40 Voltigierer verließen den Verein. „Ein fertig ausgebildetes Pferd zu kaufen, das können wir uns schlichtweg nicht erlauben“, sagt die Schatzmeisterin. Inzwischen gibt es wieder eine kleine Voltigiergruppe, die ganz unten beginnt. „Man wird sehen ob sie dabei bleiben“, ist Marianne Poth gespannt.

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