Fussball

Schiedsrichter-Attacke: Hartes Urteil gegen TSK Hohenlimburg

Der TSK Hohenlimburg stand des Öfteren negativ in den Schlagzeilen. Im Jahr 2012 mussten bei einer Auseinandersetzung mit dem TuS Holthausen gleich vier Polizeiwagen anrücken.

Der TSK Hohenlimburg stand des Öfteren negativ in den Schlagzeilen. Im Jahr 2012 mussten bei einer Auseinandersetzung mit dem TuS Holthausen gleich vier Polizeiwagen anrücken.

Foto: Archiv Fabian Sommer / WP

Hagen-Hohenlimburg.  Hartes Urteil gegen den TSK Hohenlimburg: Nach der Schiedsrichter-Attacke sind die Fußballer lange gesperrt. Noch härter trifft es den Trainer.

Paukenschlag im Hagener Fußball: Das Kreissportgericht hat die Attacke gegen einen Schiedsrichter aufgearbeitet. Es gibt ungewöhnlich lange Sperren für den TSK Hohenlimburg.

Die Kreisliga-B-Kicker des TSK Hohenlimburg II sind vom Kreissportgericht für ein halbes Jahr für den Spielbetrieb gesperrt worden. Trainer Ferhat Kulakac hat eine zweijährige Sperre erhalten. Grund war der Übergriff gegen den Hagener Schiedsrichter Andreas Mohr im Auswärtsspiel beim Hiddinghauser FV vor zwei Wochen (die WP berichtete).

Kulakac und mehrere Spieler, insbesondere aber der Trainer, sollen Mohr in seiner kleinen Schiedsrichterkabine bedroht und Kulakac soll ihm gegenüber handgreiflich geworden sein. Hiddinghausens Trainer Andreas Brüning soll mit seinem Einschreiten Schlimmeres verhindert haben.

Peter Mann, Vorsitzender des Kreissportgerichts, erklärte das Urteil so: „Der Trainer Kulakac ist gegenüber dem Schiedsrichter tätlich geworden, und die Mannschaft hat sich wie ein Mob vor der Kabine aufgebaut. Da bekommt man Angst, und das ist eine massive Bedrohung gegenüber dem Schiedsrichter und ein massives Fehlverhalten des Vereins.“

Da nicht genau identifiziert werden konnte, um welche aktiven TSK-Akteure es sich handelte, sind alle Beteiligten auf dem Spielberichtsbogen für sechs Monate gesperrt worden. Das betrifft nun insgesamt 15 Aktive, auch wenn laut Aussagen in der Verhandlung weniger TSK-Spieler an der Aktion beteiligt waren. Das Sportgericht erteilte somit eine Kollektivstrafe. Die TSK-Reserve darf vom 13. Oktober bis zum 13. April nicht am Spielbetrieb teilnehmen, alle Partien werden gegen den TSK gewertet. Die Spieler, die auf dem Spielbericht standen, werden vom 18. Oktober bis 18. April gesperrt.

Schiedsrichter unter Schutz

Andreas Mohr hatte für die Kammersitzung einen Sonderbericht verfasst. Darin hieß es, dass er angegriffen und wüst beleidigt worden sei. Der Bericht hatte sich durch Spieleraussagen von Hiddinghausen bestätigt. Die Aussage von Ferhat Kulakac passte laut Fabian Arndt, Vereinsvertreter von Hiddinghausen, „nicht hundertprozentig zum Sonderbericht“. Auch hatte Arndt das Gefühl, dass der TSK das Ganze etwas herunterspielen wolle.

„Besonders wichtig fand ich, dass der besondere Schutz der Schiedsrichter immer in den Vordergrund gestellt worden ist. Die Aufsicht hatte mehrmals betont, dass solche Ereignisse dazu beitragen, dass immer weniger junge Menschen Schiedsrichter werden wollen“, sagt Fabian Arndt. „Mit dem Urteil möchte man auch dafür sorgen, dass junge angehende Schiedsrichter merken, dass sie unter besonderem Schutz stehen.“

Die Kreisschiedsrichteraufsicht war per Beschluss zur Kammersitzung hinzu geschaltet, um die Schiedsrichter zu stärken. Andreas Mohr selbst, der das Opfer der Attacke war, ist sich sicher, dass mit diesem Urteil ein Zeichen gesetzt worden ist: „Grundsätzlich ist das für die ganze Schiedsrichter-Gemeinschaft ein Ausrufezeichen. Momentan wird es auf den Sportplätzen immer aggressiver, und dem müssen die Kammern Rechnung tragen. Wenn eine solche geballte Bedrohung gegenüber einer einzelnen Person an den Tag gelegt wird, ist das Urteil absolut gerechtfertigt. Das ist auch ein Grund für alle, solch ein Vergehen in Zukunft anzuzeigen.“

Zeichen gegen Gewalt setzen

Auch Peter Mann wollte seitens des Kreissportgerichts mit diesem Urteil ein deutliches Zeichen setzen: „Es geht einfach nicht, es muss etwas dagegen getan werden. Die Schiedsrichter müssen geschützt werden. Es gibt immer weniger Schiedsrichter in Hagen, weil die Leute mittlerweile einfach Angst haben, manche Spiele zu pfeifen. Wir wollen mit dem Urteil ein Zeichen gegen Gewalt setzen.“

Peter Mann richtet am Ende auch nochmal einen besonderen Dank an Andreas Brüning: „Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Trainer von Hiddinghausen - mit seiner kräftigen Statur - nicht dazwischen gegangen wäre. Da müssen sich die Vereine hinterfragen, ob sie mit solchen Leuten weiter arbeiten wollen.“

Der TSK Hohenlimburg wollte das Urteil nicht näher kommentieren. Nur soviel: Der Verein wolle rechtlich gegen die „Kollektiv-Verurteilung“ vorgehen und habe schon einen Anwalt eingeschaltet, so die Aussage von Sadik Kaplan, Vorsitzender des Vereins: „Denn das Urteil betrifft auch Ersatzspieler der Bezirksliga-Mannschaft.“ Ferhat Kulakac wies den Vorwurf des Übergriffs schon in der letzten Woche im Gespräch mit unserer Zeitung von sich und sagt darüber hinaus: „Ich bin gegen Gewalt und jeder der mich kennt, der weiß das auch.“ Für eine weitere Aussage zum Urteil war Kulakac am Freitagmittag nicht zu erreichen.

Sportlich sieht es für den TSK Hohenlimburg II düster aus. Das Team steht mit mageren fünf Punkten einen Rang vor der Abstiegszone und kann erst am 19. April am 25. Spieltag wieder eingreifen. Da die Hohenlimburger am 28. Spieltag spielfrei haben, bleiben ihnen nur fünf Partien zur Schadensbegrenzung.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben