Interview

Spohr: „Wenn der Ball nicht läuft, haben wir ein Problem“

Bis ins dritte Viertel bringt Phoenix-Trainer Chris Harris (re.) Dominik Spohr immer wieder ins Spiel.Danach bleibt der grippegeschwächte Phoenix-Kapitän auf der Bank. Links Schiedsrichter Nebosja Kovacevic

Bis ins dritte Viertel bringt Phoenix-Trainer Chris Harris (re.) Dominik Spohr immer wieder ins Spiel.Danach bleibt der grippegeschwächte Phoenix-Kapitän auf der Bank. Links Schiedsrichter Nebosja Kovacevic

Foto: Jörg Laube

Hagen.   Nach der vierten Heimpleite in Serie ist Phoenix Hagen auf Ursachensuche. Kapitän Dominik Spohr versucht im Interview, Antworten zu finden.

Auswärts hui, daheim pfui: Die Achterbahnfahrt von Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen durch die Saison hält an, nach den überraschenden Siegen bei den Top-Teams Chemnitz und Hamburg folgte beim 64:67 gegen die Artland Dragons die vierte Pleite am Ischeland in Serie. Bei der Ursachenforschung tun sich die Phoenix-Verantwortlichen schwer, Coach Chris Harris etwa sieht keinen „Heimkomplex“, bemängelt aber die fehlende Konstanz seines Teams. Am Tag danach haben wir mit einem stark erkälteten Teamkapitän Dominik Spohr über die Situation gesprochen.

Hallo Dominik, Sie waren gestern durch einen grippalen Infekt geschwächt, konnten nur 13 Minuten spielen. Wie geht es Ihnen jetzt?

Dominik Spohr: Ich bin noch übelst angeschlagen, das Spiel gestern war für den Heilungsprozess auch nicht gerade förderlich. In der letzten Woche habe ich nur einmal trainiert, aber auch nicht richtig, sondern ich habe nur ein paar Würfe genommen und bin dann wieder duschen gegangen.

Für das Spiel habe ich alles getan und Schmerztabletten genommen, vom Arzt hatte ich das Okay. Ich habe abgewogen, ob ich in meinem Zustand der Mannschaft helfen kann, davon war ich überzeugt. Dann ist es letztlich die Entscheidung des Trainers, wen er wie lange spielen lässt und wann er wechselt.

Trotz des Rückenwinds der Siege von Chemnitz und Hamburg ging es daheim gegen dien Tabellenelften Artland Dragons wieder schief. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Das ist und bleibt das große Mysterium, über das wir uns kollektiv den Kopf zerbrechen. Wir haben schon unsere Warmup-Routine in der Pause geändert, damit wir nicht schläfrig und steif aus der Kabine kommen. Auch auswärts haben wir ja schon schwache Phasen im dritten Viertel gehabt, haben das aber wieder in den Griff bekommen. Das schaffen wir im Heimspiel nicht. Warum das so ist, die Antwort auf die Frage kenne ich leider nicht. Mir fällt noch nicht mal eine faule Ausrede ein.

Man hat den Eindruck, dass das Teamspiel nach der Pause komplett eingestellt wird. . .

Ja, wenn der Ball nicht läuft, sondern bei einem Spieler in der Hand klebt, haben wir ein Problem. 67 Gegenpunkte, wie jetzt gegen die Dragons, müssten ja reichen, um ein Spiel zu gewinnen, gerade bei unserem offensiven Talent. Das können wir aber nur im Kollektiv umsetzen.

Fehlt da ein Spieler mit starken individuellen Fähigkeiten, der in der Crunchtime die Verantwortung übernimmt?

Der einzige, der es von sich aus in die Hand nehmen könnte, wäre Kris Davis mit seiner Schnelligkeit, aber auch er ist eher ein Mannschaftsspieler. Ein Alex Herrera ist stark unter dem Korb, muss da aber auch den Ball bekommen, zudem haben sich die Gegner auf ihn eingestellt und gehen mit zwei oder drei Spielern auf ihn. Aber wir wollen ja auch kein Team sein, das zwei US-Zocker im Team hat, die dir das ein oder andere Spiel gewinnen. Wir wollen als Mannschaft Erfolg haben.

Sind die verlorenen Heimspiele und die Einbrüche nach der Pause auch auf die höheren Erwartungen der Fans dort zurückzuführen?

Das darf doch keinen Einfluss auf unser Spiel haben! Es ist paradox: Basketball hat ja viel mit Momentum zu tun, nach fünf, sechs Niederlagen in Folge hat man schon mal ein zittriges Händchen. Aber wir hatten nach den Siegen in Chemnitz und Hamburg ja eigentlich das Momentum auf unserer Seite. Und haben gegen die Dragons ja auch ganz okay angefangen, auch wenn die erste Hälfte sicher nicht fehlerfrei war. Aber wir haben mit zwölf Punkten geführt. Was dann passiert ist, dafür gibt es keine valide Erklärung. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die Ischelandhalle zu einer Festung zu machen, momentan ist sie ja eher ein Laufhaus.

Ist jetzt der Einzug in die Play-offs gefährdet? Auf den Plätzen neun bis zwölf lauern Teams mit einem oder zwei Siegen weniger, gegen die Phoenix den Direktvergleich verloren hat.

Das wird noch ein hartes Stück Arbeit, wir machen es uns selbst schwer. So etwas wie gestern wirft uns zurück, selbst nach den nicht eingeplanten Siegen in Chemnitz und Hamburg. Sie waren ja ohnehin nur die Kompensation für die Punkte, die wir gegen Hanau und Tübingen zuhause liegengelassen haben. Jetzt kommt der Doppelspieltag in Paderborn und gegen Trier, jetzt zählt es.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben