Integration

Sport bietet in Wetter eine neue Perspektive

Nadien Alkhouri Raad beim Tus Wengern. 

Nadien Alkhouri Raad beim Tus Wengern. 

Foto: Veronika Szary

Wengern.   Nadien Alkhouri Raad ist aus Syrien geflüchtet und findet dank des TuS Wengern neue berufliche Möglichkeiten. Für Frauen einen Sportkurs an.

Vertrauen aufbauen, Kontakte knüpfen und auch in der neuen Heimat Sport treiben – das ermöglicht Nadien Alkhouri Raad einer Gruppe syrischer Frauen und Mädchen in Wengern. Gemeinsam stehen die Frauen in der Turnhalle in Wengern, Musik erklingt und Nadien Alkhouri Raad zeigt die ersten Übungen. Die Frauen haben alle einen langen und schwierigen Weg hinter sich. „Ich bin dem TuS Wengern sehr dankbar. Der Verein ist eine große Hilfe für mich“, sagt die Übungsleiterin. Durch den Kontakt zu dem Verein hat sich im Leben der sportlichen Frau viel verändert.

Vor etwa drei Jahren ist Nadien Alkhouri Raad gemeinsam mit ihrem Mann Nabil Alchanaa, den damals vier und acht Jahre alten Söhnen und ihrem Bruder aus Aleppo geflüchtet, als die IS-Truppen die Stadt bedroht haben. Kurz nach ihrem Aufbruch wurde die Wohnung der Familie von Raketen zerstört. „Ich hatte Angst und alles war in Deutschland am Anfang fremd. Ich wusste nicht, was ich hier machen sollte“, sagt die 37-Jährige. Ihre Vermieterin hat ihr in dieser schweren Zeit geholfen und auch der Kontakt zur katholischen Kirche in Wetter hat dazu beigetragen, dass sie sich in ihrer neuen Heimat wohler fühlt. „Dadurch konnte ich die Sprache schneller lernen und habe nette Leute kennengelernt. Das hat mir sehr geholfen, mich in Wetter besser einzuleben“, sagt Nadien Alkhouri Raad. Doch wie es beruflich für sie weiter gehen sollte, wusste sie damals noch nicht. Sport war bereits in Syrien ein großer Bestandteil ihres Lebens.

Behutsam Vertrauen aufbauen

An Grundschulen und Kindergärten hat sie Sport unterrichtet und selbst als Athletin Medaillen gewonnen. Ob Gymnastik, Basketball, Handball, Kugelstoßen, Weitsprung oder Hürdenlauf – Nadien Alkhouri Raad hat bereits viele Sportarten ausprobiert. „Aber wie es in Wetter beruflich für mich weiter gehen kann, war lange nicht klar. In meinem Beruf konnte ich so nicht direkt in Deutschland weiterarbeiten“, sagt die Wetteranerin.

Bei einem Aktionstag des TuS Wengern ist sie dann über den Sportlotsen Rami Al-Khoury in Kontakt mit dem Verein gekommen. „Das war ein großes Glück für mich“, sagt Nadien Alkhouri Raad. Der Verein hat ihr geholfen, Kontakt zum Landessportbund und Kreissportbund Ennepe-Ruhr aufzunehmen und die Qualifikation für Übungsleiter zu starten. Momentan wird auch ihr Diplom aus Syrien übersetzt. „Sie hat sehr viel Talent und Potential. Wir unterstützen Nadien sehr gerne. Dass sie hier einen Kurs übernimmt, ist für uns eine sehr gute Gelegenheit, geflüchtete Frauen langsam und behutsam in den Verein zu integrieren, die sonst den Weg zu uns vielleicht gar nicht gefunden hätten“, sagt TuS-Vorsitzender Helge Heisters.

Weitere Kurse geplant

So wie Farida Muslem. In der Sporthalle bewegt sie sich gelöst zu der Musik und führt gekonnt die Gymnastik-Übungen aus, die Nadien Alkhouri Raad der Gruppe zeigt. „Nadien hilft uns sehr. In meiner Heimat in Syrien habe ich jeden Tag Sport gemacht, hier in Deutschland aber lange Zeit nicht. Ich freue mich, dass ich hier wieder damit anfangen kann“, sagt Farida Muslem.

Durch die Sportgruppe finden die Frauen auch neue Kontakte in Wetter und lernen durch Nadien Alkhouri Raad die deutsche Sprache besser kennen. „Nach und nach wollen wir auch weitere Kurse aufbauen, wie Mutter-Kind-Turnen oder ähnliches. Das kommt jetzt alles Schritt für Schritt“, sagt Helge Heisters.

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