Schach

SV Turm Hohenlimburg vereint Generationen

Schach ist generationsübergreifend, die „Großen“ geben dem Nachwuchs gerne Tipps. Foto:Fabian Sommer

Schach ist generationsübergreifend, die „Großen“ geben dem Nachwuchs gerne Tipps. Foto:Fabian Sommer

Hohenlimburg.   Erwachsene Schachfreunde geben dem lernwilligen Nachwuchs gerne Tipps. Zum Einsteigen ist es nie zu spät.

Viele Sportarten sind klischeebehaftet, so auch das „königliche Spiel“ Schach. Hochintelligente Menschen, die stundenlang auf die Figuren vor ihnen auf dem Schachbrett starren und dabei mindestens zehn Züge im voraus planen. Ist Schach wirklich so langatmig? Braucht man einen besonderen Intellekt? Kann man noch im Alter einsteigen? Ein Besuch beim SV Turm Hohenlimburg gibt Antworten auf diese Fragen.

Im Vereinsheim des TuS Halden-Herbeck herrscht reges Treiben. Eine Gruppe Jugendlicher geht mit Trainer Jürgen Raue am Beamer einige Spielzüge durch, an mehreren anderen Tischen werden Läufer und Springer hin- und hergeschoben. Die Jüngsten kriegen hier und da Tipps von den Erwachsenen, die anschließend selber dran sind. Seit ein paar Wochen haben die „Türme“ in Halden ihre neue Heimat gefunden, sind als Schachabteilung dem TuS beigetreten, bleiben aber eigenständig. Mit der Lage zwischen Hagen und Hohenlimburg möchte der Verein beide Bereiche abdecken, besonders für die Jugend.

Schach wird oftmals als komplexer Denksport abgestempelt, das sei aber nicht richtig. „Jeder sollte sich mit uns unvoreingenommen ans Brett setzen. In kürzester Zeit wird ihm beigebracht, wie die Figuren zu setzen sind. Irgendwann wird es interessant, so dass man tiefer reinkommt. Die ersten Schritte sind wirklich einfach – herkommen, reinfinden und stärker werden“, erklärt Peter Herröder, Vorsitzender der Türme. „Der Spaß bleibt auch nicht auf der Strecke, wenn man ein höheres Niveau erreicht“, sagt Kai Alberts, Spieler der „Ersten“ und Jugendtrainer.

Schachspieler seien teils besondere Typen. „Ich spiele jetzt seit 48 Jahren Schach im Verein und habe viele besondere Leute kennengelernt“, berichtet Herröder. „Es gibt auch einige skurrile Typen, die gibt es im Leben überall. Wir haben aber auch Mitglieder, die spielen nebenher Fußball oder sonst irgendwelche Mannschaftssportarten.“

Blitzschachturnier beim Dorffest

Eines der bekannten Klischees ist, dass Schachspieler sich gerne ins stille Kämmerlein zurückziehen und hinter verschlossenen Fensterriegeln spielen. „Das gibt es bei uns überhaupt nicht. Wir veranstalten zum Beispiel jedes Jahr auf dem Hohenlimburger Dorffest mitten im ganzen Trubel ein Blitzturnier. Schachspielen ist gesellig“, sagt Peter Herröder. Insbesondere das „Blitzschach“ ist ein wichtiger Punkt. Dabei kriegen die beiden Spieler für die gesamte Partie nur eine Zugzeit von fünf Minuten, nach jedem Zug wird die Uhr gestoppt. Es wird nicht ellenlang gespielt und auf das Brett gestarrt wie man es vielleicht aus dem Fernsehen kennt. „Es ist nicht nur das langsame Spielen. In einer Blitzpartie bewegt sich alles. Entweder hat man den Spieler mattgesetzt, er hat einen falschen Zug gemacht oder die Zeit ist bei einem eher um, dann hat man verloren. Also schnell denken, schnell ziehen!“

Psychologie spielt eine Rolle

Wenn unsereins mit 30 oder 40 Jahren mit Skispringen anfangen wollen würde, wäre der Einstieg sicherlich sehr holprig. Wie ist das beim Schach? Gibt es dort ein Alter, in dem man den Einstieg schon verpasst hat? „Nein, das würde ich auf keinen Fall sagen“, erwidert Peter Herröder. „Jeder, der seine fünf Sinne zusammen hat und sie auch gebrauchen kann, sollte sich hinsetzen und mitmachen.“ Wenn man Spaß haben möchte, gibt es keine Altersgrenze. „Wenn man mit 60 einsteigt, sind die Chancen auf einen Weltmeistertitel natürlich nicht mehr so groß“, lacht Kai Alberts.

Der Vorteil an Schach ist, dass man es zu jeder Tageszeit mit Internetzugang gegen echte Gegner trainieren kann, entweder über verschiedene Apps auf dem Handy oder am Computer. Man kann jederzeit pausieren und zu einem anderen Zeitpunkt seinen Zug machen, gegen Gegner aus aller Welt. „Aber wenn man seinem Gegner bei einem Turnier oder Mannschaftsspiel gegenüber sitzt, ist das eine andere Herausforderung“, gesteht Peter Herröder, „da spielt Psychologie eine Rolle, da flattern auch mal die Nerven. Das kann man nicht mit dem PC ersetzen.“

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