Extremsport

„The Track“ für Andrea Löw ein überwältigendes Erlebnis

Andrea Löw bei „The Track“, dem längsten Etappenlauf der Welt, vor dem Mount Connors, der schon mal mit dem Ayers Rock verwechselt wird. Bis zu einem der Wahrzeichen Australiens sind es von hier aus noch viele Kilometer. Die gebürtige Hagenerin erreichte das Ziel trotz Schmerzen. Foto:CanalAventure©G.Pielke&D.Lemanski

Andrea Löw bei „The Track“, dem längsten Etappenlauf der Welt, vor dem Mount Connors, der schon mal mit dem Ayers Rock verwechselt wird. Bis zu einem der Wahrzeichen Australiens sind es von hier aus noch viele Kilometer. Die gebürtige Hagenerin erreichte das Ziel trotz Schmerzen. Foto:CanalAventure©G.Pielke&D.Lemanski

Alice Springs/Hagen.  Nach 522 Kilometern im australischen Outback finisht die gebürtige Hagenerin Andrea Löw in der Nähe des Ayers Rock.

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„Wie weit sind eigentlich 522 Kilometer?“ Diese Frage hatte sich Andrea Löw vor ihrem bisher längsten Etappenrennen gestellt und die Distanz gedanklich in 52 Zehnkilometer-Läufe aufgeteilt. „Zehn Kilometer kann ich, aber 52 Mal - das ist auch für mich ganz schön weit“, zu diesem Ergebnis war die gebürtige Hagenerin gekommen. Es war weit - erst recht bei den Bedingungen, die im australischen Outback herrschen. Aber die 45-jährige Historikerin hat die größte Herausforderung ihres sportlichen Lebens gemeistert. „Ich bin unglaublich froh und stolz, dass ich es geschafft habe“, sagt die frühere Basketballerin des TSV Hagen 1860.

„The Track“ hieß das Abenteuer, das die Extremsportlerin erstmals auf den Fünften Kontinent gelockt hatte. Ein Neun-Etappen-Lauf von Ellery Creek in der Nähe von Alice Springs zum Ayers Rock, in der Landessprache „Uluru“ genannt. Allein das letzte Teilstück war 137 Kilometer lang. „Das war das Härteste, was ich je gemacht habe“, so die Australien-Debütantin, die als 32-Jährige mit dem Laufen begann, um Hüftproblemen entgegenzuwirken. Heute zählt Löw, inzwischen auch als Buchautorin („Running Happy“) bekannt, zu den renommiertesten Extremsportlerinnen Deutschlands.

Aber das längste Etappenrennen der Welt stellte auch für sie eine ganz besondere Herausforderung dar: „Es war überwältigend. Ich habe geweint, vor Freude und vor Erschöpfung“, erinnert sich die Volmestädterin, die heute in München lebt. „Alles tat weh, aber manchmal war auch alles einfach wunderbar und pures Glück. Es gab Krisen, aber ich habe sie überwunden.“

Beispielsweise auf der Schlussetappe, die sich über 25 Stunden hinzog. Eine entzündete Schienbeinvene, die sich schon am Vortag angekündigt hatte, machte Andrea Löw mehr und mehr zu schaffen. Aber sie biss auf die Zähne, genau wie ihr ebenfalls lädierter Mitstreiter Gunnar Schwan, mit dem die Hagenerin einen Großteil des Rennens absolvierte. Schwan nannte es einen „Leidens-Kampf“, der zu bestehen war. Großer Antrieb: „Die Ziellinie war nicht mehr weit.“ Andrea Löw überquerte sie schließlich als dritte Frau und beste Deutsche. Insgesamt standen nur 18 von 38 Startern die gesamte Distanz durch. „Gut, dass die Beschwerden erst kurz vor Schluss auftraten. Viel weiter hätte ich es damit auch nicht geschafft“, so die Finisherin nach neun Tagen unter der australischen Sonne. „Es war heiß, die Strecke bestand oft aus Sandpisten oder ausgetrockneten felsigen Flussbetten. Verpflegung, Schlafsack und bis auf das Zelt alles andere haben wir im Rucksack auf dem Rücken getragen.“

Im Oktober Buchpräsentation in Hagen

Im Ziel gewann das Glücksgefühl, es geschafft zu haben, schnell die Oberhand über alle Strapazen. Erstmals auf dem Fünften Kontinent, hängte Andrea Löw etwas Urlaub im westaustralischen Perth an. Inzwischen ist die stellvertretende Leiterin des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte wieder in der bayerischen Metropole, aber bereits heute geht es erneut auf Tour. Diesmal nach Jerusalem - aus beruflichen Gründen. Wenn ein dortiger Workshop beendet ist, will sich die Hagenerin noch Tel Aviv ansehen und dort am Strand vielleicht die ersten Laufkilometer seit „The Track“ absolvieren.

Ein Termin in der Heimatstadt ist auch schon gebucht - aber erst am 9. Oktober. Dann wird Andrea Löw bei Thalia ihr Laufbuch Happy Running präsentieren. Damit schließt sich für die ehemalige TSV-Korbjägerin auch ein Kreis. Was als Extremläuferin nicht absehbar ist.

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