Kabinengeflüster

Tome Zdravevski: Von Discobesuchen und verflixten Turnkisten

| Lesedauer: 6 Minuten
Stammgast beim Freiluftturnier: Tome Zdravevski ist als Urgestein der BG Hagen jedes Mal dabei, wenn das Basketball-Spektakel auf Emst steigt.

Stammgast beim Freiluftturnier: Tome Zdravevski ist als Urgestein der BG Hagen jedes Mal dabei, wenn das Basketball-Spektakel auf Emst steigt.

Foto: Axel Gaiser

Hagen.  Tome Zdravevski, das Urgestein der BG Hagen, spricht im Kabinengeflüster über witzige und hitzige Momente seiner erfüllten Basketball-Karriere.

Seit fast 30 Jahren ist Tome Zdravevski bei der BG Hagen bzw. neuerdings BBA Hagen fester Vereinsbestandteil – zunächst als Spieler, später als Trainer. Es gibt in der Volmestadt kaum einen anderen Menschen, der Basketballerinnen und Basketballer so erfolgreich geprägt hat wie der 55-jährige, gebürtige Mazedonier. Als Coach kann Zdravevski zwar ganz schön hart zu seinen Spielern sein, aber seinen lockeren und trockenen Humor verliert er nie.

In einer neuen Folge der Serie „Kabinengeflüster“, die unsere Redaktion mit den Hagener Basketballern Sören Fritze und Yannick Opitz initiiert hat, erzählt der aktuelle Trainer der BBA-Reserve witzige Anekdoten aus seiner langen und erfüllten Karriere.

In der Disco zu Hause

Mitte der Neunzigerjahre war eine polnische Basketball-Legende Trainer der BG Hagen: Mietek Mlynarski, der 150 Länderspiele für die Weiß-Roten bestritt. Auch wenn der Zwei-Meter-Hüne seine aktive Spielerzeit bereits hinter sich hatte, ging Coach Mietek gerne noch feucht-fröhlich feiern. Weil er mal einen über den Durst getrunken hatte und sich dennoch hinters Steuer setzte, wurde Mlynarski der Führerschein entzogen. Der Trainer ließ sich fortan von seinen Spielern nach Hause bringen.

Auch von BG-Flügelspieler Tome Zdravevski. Als die BG Hagen ein Spiel gewann und danach noch im altehrwürdigen Feuervogel etwas trinken ging, musste der Mazedonier seinen Coach chauffieren. „Ich habe ihn um 1 Uhr gefragt, ob wir nach Hause sollen. Dann um 2 Uhr, dann um 3 Uhr“, grinst Zdravevski. Mlynarski ließ sich schließlich überreden und navigierte den Weg. „Wir sind dann in der Dortmunder City angekommen und haben vor einer Disco gehalten. Mietek sagte: Das ist mein Haus, da gehen wir hin.“

Die beiden gingen in die Disco und feierten weiter. Bis es hell wurde. „Ich habe Mietek noch gesagt: Ich muss morgen die U18 coachen, ich kann nicht so lange machen. Er meinte: Tome, ist doch scheißegal, wir feiern jetzt!“

It’s Tome-Time

„Tome-Time in der Otto-Densch-Halle“, titelte unsere Zeitung vor ziemlich genau 21 Jahren, als sich der damalige Zweitligist BG Hagen gegen Aufsteiger OSC Wolmirstedt schwer tat und in der 24. Spielminute mit 58:59 hinten lag. „Jetzt mache ich es halt alleine“, sagte Zdravevski damals, markierte elf Zähler in Folge und machte in Eilpe einen wichtigen Heimsieg klar.

Die BG spielte damals anscheinend so gut, dass zwei Kontrolleure vom Deutschen Sportbund nach der Partie Dopingkontrollen durchführten. Allerdings nicht bei Zdravevski, sondern bei Till Oeltermann und Emir Ribic. „Allerhöchstens leichte Alkoholspuren, mehr werden die bei uns bestimmt nicht finden“, frotzelte damals BG-Kassierer Klaus Eicken.

Immer mindestens 20

Tome Zdravevski war ein begnadeter Basketballspieler – es gab eigentlich nichts, was er auf dem Feld nicht konnte. Sein Wurf fiel sicher ins Netz, seine Bewegungen ließen ihn irgendwie immer am Gegner vorbeikommen. Für die BG Hagen hat der versierte Flügelspieler in der Regionalliga mal 44 Punkte gegen Dortmund erzielt, in der Oberliga waren es mal 42 in einer Hälfte. Zdravevski hat eine Mentalität, die Michael Jordan für vorbildlich befinden würde: „Im Eins-gegen-eins konnte mich niemand schlagen. Ich habe mir immer als Ziel gesetzt, mindestens 20 Punkte zu machen“, sagt er bitterernst. „Wenn ich nicht 20 gemacht habe, war ich dann überhaupt in der Halle? 20 Punkte sind ja nicht viel, das sind nur fünf pro Viertel.“ Wo er recht hat...

Hat der gebürtige Mazedonier deshalb vielleicht mal in der Verteidigung nachgelassen? Das kam schon mal vor. Sein ehemaliger Trainer Dietmar Günther machte Zdravevski mal eine Ansage, obwohl er gegen Bayer Leverkusen II zur Halbzeit 18 Punkte auf dem Konto hatte – aber Tomes Gegner machte ebenfalls um die 15 Zähler. „Dietmar hat mich gefragt: Was ist das für eine scheiß Defense?“, muss Zdravevski schmunzeln. „Ich hab’ gesagt: Dietmar, der Gegner muss auch mal Punkte machen.“

Die verflixte Turnkiste: Teil 1

Tome Zdravevski war als Spieler ziemlich unaufgeregt, als Trainer hingegen steht er unter Strom. Der Coach schimpft gerne laut mit seiner Mannschaft, manchmal auch mit den Schiedsrichtern. In einem Zweitregionalliga-Spiel seiner BG Hagen II gegen den TuS Breckerfeld im Jahr 2016, fluchte und zischte Zdravevski in Richtung eines Unparteiischen, weil dieser gegen BG-Center Martin Weinhold ein Foul beim Rebound pfiff. Der Trainer kriegte sich nicht mehr ein, trat mit voller Wucht gegen einen Turnkasten.

„Das tat sauweh. Wie sich hinterher rausstellte, war mein dicker Zeh angebrochen“, erinnert sich Zdravevski an den schmerzvollen Moment. Er wurde des Feldes verwiesen und humpelte auf die Tribüne. Und von dort aus sah der Coach mit an, wie Christian Schrage das Spiel seines Lebens machte und mit drei Dreiern aus der Ecke – davon plumpsten zwei mit Brett hinein – einen Comeback-Sieg im Derby klarmachte.

Die verflixte Turnkiste: Teil 2

Eine Turnkiste wurde Zdravevski auch in seiner ersten Saison als Phoenix-Hagen-Trainer zum Verhängnis (2004/05). Im Auswärtsspiel in Essen will er ein klares Foul beim Korbleger an seinem Aufbauspieler Loukas Lazoukits gesehen haben. Aber der Schiedsrichter teilte ihm mit: „So einen Kontakt pfeife ich nicht in den ersten Spielminuten.“

Für Zdravevski unverständlich. Warum pfeift man am Anfang des Spiels anders als am Ende? Die Diskussion wurde hitzig, der Trainer schnappte sich den Turnkasten und tat so, als würde er diesen auf den Schiedsrichter pfeffern. Es kam, was kommen musste: Zdravevski wurde disqualifiziert. „Ich habe mich hinterher entschuldigt und der Schiri war nicht sauer“, erzählt er. „So sehr bin ich seitdem nicht mehr ausgerastet.“

+++ Info +++

In der Serie „Kabinengeflüster“ sprechen aktuelle und ehemalige Größen des Hagener Basketballs über prägnante, kuriose und witzige Momente ihrer Laufbahnen.

Die Serie hat unsere Zeitung in Zusammenarbeit mit den Basketballern Yannick Opitz und Sören Fritze, die bei Erstregionalligist BBA Hagen aktiv sind, ins Leben gerufen. Beide spielen seit 2018 wieder für die BG bzw. die Basketball Akademie Hagen.

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