Sport in Wetter weltoffen

TuS Wengern bietet Geflüchteten neue Heimat

Nadien Alkhouri Raad beim Tus Wengern. 

Nadien Alkhouri Raad beim Tus Wengern. 

Foto: Veronika Szary

Wengern.   Nadien Alhouri Raad bietet Sportkurs für syrische Frauen und Mädchen an. Weitere Angebote sind geplant

Vertrauen aufbauen, Kontakte knüpfen und auch in der neuen Heimat Sport treiben - das ermöglicht Nadien Alkhouri Raad einer Gruppe syrischer Frauen und Mädchen seit einigen Wochen in Wengern. Gemeinsam stehen die Frauen in der Turnhalle an der Wengeraner Osterfeld-Grundschule, Musik erklingt, und Nadien Alkhouri Raad zeigt den Teilnehmerinnen die ersten Übungen.

Die Frauen haben eins gemeinsam: Sie haben alle einen langen, schweren Weg hinter sich. Alle sind vor den IS-Truppen geflüchtet, die ihr Leben und das ihrer Familien in ihrer Heimat Syrien gefährdeten. Alkhouri Raad selbst hat mit ihrem Mann und den zwei Söhnen vor etwa drei Jahren ihre Heimatstadt Aleppo verlassen. Wenige Tage nach ihrem Aufbruch wurde die Wohnung der Familie von Raketen zerstört. „Ich hatte große Angst“, erzählt die 37-jährige rückblickend über die Zeit ihrer Flucht.

Sozialer Kontakt durch die Kirche

In Deutschland angekommen, wusste die Mutter von zwei Söhnen zunächst nicht, was ihre Aufgabe sein könnte: „Alles war am Anfang in Deutschland fremd. Ich wusste nicht, was ich hier machen sollte“, berichtet die sportbegeisterte Syrerin.

In der Zeit ihrer Ankunft fand Alkhouri Raad vor allem Halt und sozialen Kontakt bei ihrer Vermieterin sowie der katholischen Kirche in Wetter. Der Kontakt zu ihren Mitmenschen hat dazu beigetragen, dass sie sich in ihrer neuen Heimat wohler fühlt: „Dadurch habe ich die Sprache schneller gelernt und habe nette Leute kennengelernt. Das hat mir sehr geholfen, mich in Wetter besser einzuleben“, berichtet sie.

Doch wie es beruflich für sie weiter gehen sollte, das wusste sie damals noch nicht.An Grundschulen und Kindergärten hat die 37-Jährige vor ihrer Flucht aus Syrien Sport unterrichtet und selbst als Athletin Medaillen gewonnen. Ob Gymnastik, Basketball, Handball, Kugelstoßen, Weitsprung oder Hürdenlauf – Nadien Alkhouri Raad hat schon viele Sportarten ausgeübt. Doch wie es nun beruflich für sie weiter gehen sollte, stand immer noch nicht fest, denn: „In meinem Beruf konnte ich so direkt nicht in Deutschland weiter arbeiten.“

TuS Wengern machte ihr Hoffnung

Hoffnung machte ihr dann eine Aktion des TuS Wengern: Bei einem Aktionstag des größten Sportvereins der Stadt ist sie mit Rami Al-Khoury in Kontakt gekommen. „Das war ein großes Glück“, sagt sie später über die Begegnung mit dem Sportlotsen. Al-Khoury stellte den Kontakt zu den Verantwortlichen des Vereins her. Der TuS erkannte das Potential der zweifachen Mutter sofort und handelte schnell: Über Kontakte zum Landessportbund und Kreissportbund ermöglichte der TuS der 37-Jährigen die Qualifikation für Übungsleiter zu starten.

„Sie hat sehr viel Talent und Potential. Wir unterstützen Nadien sehr gerne. Dass sie hier ihren eigenen Kurs übernimmt, ist für uns eine gute Gelegenheit, geflüchtete Frauen langsam und behutsam in den Verein zu integrieren, die den Weg zu uns sonst vielleicht nicht gefunden hätten“. erklärt TuS-Vorsitzender Helge Heisters.

Dass der TuS den richtigen Weg zur Integration von Geflüchteten eingeschlagen hat, beweist vor allem der hohe Zuspruch für den Kurs von Nadien Alkhouri Raad: „Es kommen immer mehr Frauen und Mädchen zu den Kursen von Nadien. Langfristig wollen wir natürlich vor allem auch den Kindern die verschiedenen Sportarten und Abteilungen unseres Vereins näherbringen“, so Heisters.

Meilenstein für Integration

Doch alles zu seiner Zeit: „Nach und nach wollen wir auch weitere Kurse aufbauen, wie Mutter-Kind-Turnen oder ähnliches. Das kommt jetzt alles Schritt für Schritt“, so der Vorsitzende.

Mit dem Sportkurs von Nadien Alkhouri Raad ist jedoch eines klar: Der TuS Wengern hat mit dem Sportkurs der Syrerin einen Meilenstein für integrative Arbeit durch Sport in Wetter gelegt.

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