Handball

VfL Eintracht verzweifelt an Zeitstrafen und 7. Feldspieler

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Pechvogel des Abends: Eintracht-Kreisläufer Tilman Pröhl fängt sich drei Zeitstrafen ein. Und das in nur acht Minuten Spielzeit.

Pechvogel des Abends: Eintracht-Kreisläufer Tilman Pröhl fängt sich drei Zeitstrafen ein. Und das in nur acht Minuten Spielzeit.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Zweitligist VfL Eintracht Hagen unterliegt Coburg deutlich. Pröhl kassiert drei Zeitstrafen. Neff über 7. Feldspieler: „Diese Regel ist ein Witz“

Der siebte Feldspieler ist im Handball als taktische Variante gedacht, ein Kniff, der das Spiel attraktiver machen soll. Wie effektiv das Sieben-gegen-sechs sein kann, konnte man am Freitagabend in der Hagener Krollmann Arena sehen. Dort machte sich der HSC 2000 Coburg mehrmals die Zeitstrafen-bedingte Unterzahl des VfL Eintracht Hagen zunutze. Es war der „Gamechanger“, wie es die Trainer beider Teams auf der Pressekonferenz nannten, also der Grund, warum Coburg sich mit 33:28 (15:13) am Ischeland durchsetzte.

Beide Trainer keine Fans vom 7. Feldspieler

Man konnte am Freitagabend aber noch etwas anderes über die noch recht junge Regel erfahren: nämlich dass so mancher Handballtrainer sie nicht mag, oder im Fall von Hagens Stefan Neff sogar abscheulich findet: „Diese Regel ist ein Witz. In keiner anderen Ballsportart ist solch ein Überzahlspiel möglich.“ Neffs Trainerkollege Brian Ankersen widersprach ihm da keineswegs, doch der Profisport erfordert Pragmatismus, und deswegen „machen wir vom 7-gegen-6 natürlich Gebrauch, auch wenn ich kein Fan davon bin.“

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Der Eintracht, die den zweiten Sieg im fünften Spiel zum Ziel ausgerufen hatte, machten aber auch Personalprobleme zu schaffen: Valentin Schmidt, Alexander Becker, Mats Grzesinski und Daniel Mestrum konnten diesmal nicht zu Werke gehen. Dennoch ackerte die Hagener Abwehr zu Beginn unermüdlich, sodass es kaum ein Coburger Eindringling an den Herren in Grün und Gelb vorbei schaffte. Und wenn doch, dann war Maurice Paske zur Stelle, zum Beispiel in der zehnten Spielminute, als er sich aufs Parkett schmiss und einen Ball von der Linie kratzte. Aber auf der anderen Seite? Da hakte und stotterte es. Der Eintracht fehlten die Ideen und zwischenzeitlich auch mal ein Feldspieler, weil Tilman Pröhl sich zwei Zwei-Minuten-Strafen einfing. Coburg führte nach 13 gespielten Minuten mit 5:3.

Gute Hagener Spielphase

Doch nun begann sich die Statik im Hagener Angriff zu lockern: Theo Bürgin überwand Coburgs Torwart-Brocken Jan Kulhanek zum 5:5, kurz danach erhöhte Pouya Norouzi auf 6:5 (18.). Nun spielten beide Teams schnell und kombinierten ansehnlich, und als Philipp Vorlicek aus 14 Metern ins völlig freie Coburger Tor traf, hatte die Stimmung auf den Rängen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der Hagener Jubel hätte noch mehr ausufern können, doch eine Reihe von überhasteten Aktionen brachte den HSC wieder in Front.

Die schwache Hagener Phase fand mit dem Pausenpfiff kein Ende, im Gegenteil. In den ersten sieben Minuten der zweiten Hälfte knickte die Eintracht völlig ein. Über die rechte Außenbahn zirkelte Coburg ein Tor nach dem nächsten ins Netz – und dann mussten die Grün-Gelben noch einen herben Verlust verkraften: Pröhl handelte sich seine dritte Zeitstrafe ein und bekam die Rote Karte gezeigt – eine harte Entscheidung, da er beim Wurf gestoßen wurde und seinen Körper in der Szene nicht ganz unter Kontrolle hatte. Mit sieben Feldspielern erhöhte Coburgs überragender Rechtsaußen Florian Billek folgerichtig auf 20:14 (35.).

Eintracht gibt sich nicht auf

Coburg spielte weiter kompakt und fast fehlerlos, während die Grün-Gelben dem permanenten Druck über die rechte Seite nicht standhielten. Immerhin den Vorwurf des Resignierens mussten sich die Hagener nicht gefallen lassen: In der 58. Minute verkürzte Damian Toromanovic auf 28:31. Doch in Bedrängnis brachte das Coburg nicht.

Stefan Neff sah angesichts der widrigen Umstände keinen Grund, seine Mannschaft schlecht zu reden: „Natürlich stimmt das Ergebnis nicht, aber wir hatten Lichtblicke so wie einen Valentin Spohn, der ein starkes Spiel gemacht hat, ebenso wie Jan-Lars Gaubatz. Wir finden gute Ansätze und arbeiten an uns. Das gibt uns Mut für das nächste Spiel in Potsdam.“

+++ Statistik +++

Eintracht: Paske, Mahncke; Spohn (7), Norouzi (6), Toromanovic (3), Busch (3), Gaubatz (3), Buergin (2), Stefan (2), Stüber (1), Renninger, Klein, Voß-Fels, Pröhl.

Zeitstrafen: 5:3.

Zuschauer: 898.

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