Rückblende

Vor 25 Jahren: Gatlin führt Hagen zum deutschen Pokal

Mit Arnd Neuhaus, Co-Trainer Berthold Bisselik, Stefan Svitek, Dieter Klein, Adam Fiedler, Steven Wriedt, Oliver Herkelmann, Keith Gatlin, Trainer Peter Krüsmann (stehend von links), Frank Lehmkuhl, Ralf Risse und Michael Bühren (knieend von links) gewann Brandt Hagen

Mit Arnd Neuhaus, Co-Trainer Berthold Bisselik, Stefan Svitek, Dieter Klein, Adam Fiedler, Steven Wriedt, Oliver Herkelmann, Keith Gatlin, Trainer Peter Krüsmann (stehend von links), Frank Lehmkuhl, Ralf Risse und Michael Bühren (knieend von links) gewann Brandt Hagen

Foto: dpa

Hagen.   Es war der letzte große nationale Triumph der Hagener Basketball-Profis: Heute vor 25 Jahren gewann Brandt Hagen in Bamberg der deutschen Pokal.

46 Jahre war Hagens Basketball erstklassig, spielte mindestens ein Team in der Bundesliga. Nationale Titel waren am Standort des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) aber - sieht man von Oldie- oder Jugendmannschaften ab - rar gesät. 1974 wurde der SSV Hagen um Jimmy Wilkins Deutscher Meister, ein Jahr später holte man den Pokal. Dann dauerte es fast zwei Jahrzehnte, ehe der dritte Coup gelang: Am 2. Januar 1994 - heute vor genau 25 Jahren - wurde auch Nachfolgeklub Brandt Hagen Pokalsieger, durch einen 86:72-Finalsieg gegen den SSV Ulm in der Bamberger Graf-Stauffenberg-Halle. Es blieb bis heute der letzte große Hagener Titel - und war der überraschendste.

An allen drei Erfolgen war nur ein Akteur beteiligt: Peter Krüsmann war Mitte der Siebziger als Spieler SSV-Stammkraft, 20 Jahre später führte er als Trainer das Brandt-Team an. Dass die Spurensuche nach den 94er-Helden beim heute 71-Jährigen beginnt, der sich ein Archiv des Hagener Basketballs eingerichtet hat, ist nur folgerichtig. Krüsmann hat in der Gartenhütte seines Hauses in Herdecke akribisch Informationen zu allen Hagener Bundesliga-Teams gesammelt, Bilder, Wimpel oder Urkunden komplettieren die museale Sammlung. Und zwei Filmbeiträge vom Pokal-Triumph vor 25 Jahren hat er auch archiviert, die Wintertage von Bamberg nehmen einen besonderen Platz in den Erinnerungen ein. „Es war ja höchst unwahrscheinlich, dass wir da gewinnen“, denkt Krüsmann zurück: „Leverkusen war der hohe Favorit. Aber die hatten keinen Keith Gatlin.“

Der US-amerikanische Spielmacher war der Schlüsselspieler des von Coach Krüsmann - in dessen gerade beginnender dritter Amtszeit als Hagener Trainer - weitgehend neu zusammengestellten Teams. Lediglich die Basis der in der Vorsaison fast aus der Bundesliga abgestiegenen Mannschaft war mit Kapitän Ralf Risse, Oliver Herkelmann, Arnd Neuhaus und Adam Fiedler im Sommer 1993 geblieben, der Slowake Stefan Svitek, Deutsch-Amerikaner Steven Wriedt, Dieter Klein, Michael Bühren und Frank Lehmkuhl kamen hinzu. Und eben Gatlin. „Keith war jemand, der jeden Spieler besser gemacht hat“, erinnert sich Krüsmann, der das Brandt-Team der Saison 1993/94 als „relativ selbstlos auf dem Spielfeld“ charakterisiert: „Dass die Jungs so gut harmonisiert haben, hängt damit zusammen, dass sie auch privat gut miteinander auskamen. Das war ja kein Profi-Team, sondern Amateure auf hohem Leistungsstand.“ Mit Gatlin, Svitek und Wriedt gab es nur drei Vollprofis in der Mannschaft.

Nur kurze Silvesterfeier

Am 1. Januar im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen - gerade mit Trainer Dirk Bauermann mitten in sieben Meistertiteln in Folge - waren diese Hagener in Bamberg krasser Außenseiter. Nach nur kurzer Silvesterfeier im Gasthof Höhn im oberfränkischen Memmelsdorf (Kapitän Risse: „Kurz angestoßen, ein frohes neues Jahr gewünscht, das war’s“) war Brandt zur Freude der weitgehend auf Hagener Seite stehenden 2000 Besucher das deutlich fokussiertere Team. Und hatte eben Keith Gatlin, der mit 27 Punkten, sechs Assists und sechs Rebounds herausragte. Auch als Leverkusen durch Tom Garrick kurz vor Ende zum 68:68 ausglich, behielt der US-Spielmacher die Ruhe. Und traf zwei Sekunden vor der Schlusssirene aus der Halbdistanz zum gefeierten 70:68-Siegkorb.

Tags darauf benötigten die Hagener keine erneute Gatlin-Gala, ihr Anführer neutralisierte sich mit Jarvis Walker von Endspielgegner SSV Ulm. Für ihn sprangen andere ein. „Arnd Neuhaus hat da sein bestes Spiel für Brandt Hagen gemacht, seine Wurfmaschine eingestellt“, erinnert sich Peter Krüsmann an den Breckerfelder, der mit 22 Punkten herausragte. Auch Oliver Herkelmann gewann das Center-Duell mit Ulms Gary von Waaden. Krüsmann: „Das war mit spielentscheidend, Olli hat ein Riesenspiel gemacht.“

86:72 im Finale gegen Ulm

Der Verein Brandt Hagen wurde vor 25 Jahren Deutscher Pokalsieger.

Der Verein Brandt Hagen wurde vor 25 Jahren Deutscher Pokalsieger.
Der Verein Brandt Hagen wurde vor 25 Jahren Deutscher Pokalsieger.

Und da die Bamberger Zuschauer, deren eigenes Team zuvor im Halbfinale an den Ulmern gescheitert war, lautstark die Hagener anfeuerten, hatte Brandt in der Graf-Stauffenberg-Halle ein Heimspiel. Nach dem 39:43-Pausenrückstand drehten die Hagener so die Partie und siegten am Ende mit 86:72 deutlich, Kapitän Risse konnte vom damaligen DBB-Präsidenten Manfred Ströher den Pokal in Empfang nehmen. Gefeiert von 2000 Zuschauern, obwohl nur fünf Brandt-Fans in der Halle waren - etliche andere mussten auf dem Weg ins Frankenland auf frisch verschneiten Straßen wieder umkehren. „Die Bamberger haben uns enthusiastisch unterstützt, das hatte Hagener Dimensionen“, denkt Krüsmann zurück.

Pokalfeier stieg in Hagen

Und weil das Spiel in Bamberg schon am frühen Nachmittag stattfand, stieg die große Pokalfeier - nach der Rückfahrt aus Franken - am Abend in der Hagener Heimat. „Wir sind nachts in der Gaststätte Humpert eingefallen“, denkt Krüsmann zurück, „da waren schon alle Hagener Basketball-Größen. Und es wurde die ein oder andere Tasse Bier getrunken.“ Auch „X“ Risse erinnert sich an eine „geile Feier“: „Der Pokal war immer reichlich gefüllt.“ Dass Coach Krüsmann der Vater des Erfolgs war, darin waren sich vor einem Vierteljahrhundert alle einig. Michael Rosenthal, damals Lehrwart, später Vorsitzender des Basketball-Kreises Hagen, verglich: „Was Franz Beckenbauer für den Fußball in München ist, ist Peter Krüsmann für den Basketball in Hagen.“

Nur die am 2. Januar 1994 geäußerte Hoffnung des Herdeckers, auch als Trainer einmal Deutscher Meister zu werden, sollte sich nicht erfüllen: Gut vier Monate später scheiterte Brandt in der Endspielserie glatt mit 0:3 an Favorit Leverkusen. Und näher heran kamen Hagener an den Titel in den 25 Jahren danach nicht mehr . . .

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