Das Leben ist (k)ein Ponyhof

Auf dem Reiterhof Römer wird die Arbeit zum Urlaubsvergnügen

Ob in der Halle, wie hier, oder beim Ausritt in die idyllische Natur - Reitunterricht in Hagen-Rüggebein macht Spaß, was man diesem Trio ansieht. Das gilt für Ferienkinder, Einsteller und Vereinsmitglieder gleichermaßen.

Ob in der Halle, wie hier, oder beim Ausritt in die idyllische Natur - Reitunterricht in Hagen-Rüggebein macht Spaß, was man diesem Trio ansieht. Das gilt für Ferienkinder, Einsteller und Vereinsmitglieder gleichermaßen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die Kombination aus Theorie und Ferienmöglichkeit lockt Generationen zum Reiterhof Römer auf Rüggebein. Dort leistet Anke Römer die Basisarbeit.

„Kürzlich rief mich eine Mutter an. Sie fragte: ,Gibt’s euch noch?‘ Sie sei schon Ferienkind bei uns gewesen, ihre Tochter auch und jetzt wolle ihre Enkelin kommen“, berichtet Anke Römer, „so viel können wir also nicht falsch machen.“

Gemacht wird viel auf Rüggebein, wo der Reiterhof Römer beheimatet ist. Idyllisch gelegen im Hagener Süden, unweit der Stadtgrenze zu Breckerfeld. Hier gibt es jede Menge Natur, 40 Pferde, davon die Hälfte Ponys, fachkundiges und freundliches Personal und gerade jetzt in den Sommerferien viele junge Gäste. „Wir nehmen bis zu 25 Ferienkinder auf“, berichtet Anke Römer, „und wir sind fast immer ausgebucht.“

Die meisten der Urlauber sind Mädchen im Alter zwischen 7 und 14 Jahren. Sie bleiben eine Woche – oder länger – und bekommen für diesen Zeitraum ihr „eigenes“ Pflegepferd. Mit dem sie eine Zeit verbringen, die für viele schöner nicht sein könnte. „Es ist schon ein Unterschied gegenüber einem Verein, in dem man stundenweise zum Reiten geht“, sagt Gernot Klein, der selbst Klubvorsitzender ist. Der Reiterverein Rüggebein, dem er vorsteht, besteht seit 1984, im gleichen Jahr wurden die ersten Ferienkinder auf den Reiterhof begrüßt.

Das Leben ist (k)ein Ponyhof

Das Gros der rund 115 Klubmitglieder sind Kinder und Jugendliche, die hier ihre reiterliche Grundausbildung erhalten. „Wir machen die Basisarbeit“, sagt Anke Römer, „ohne sie gäbe es keine großen Reiter.“ Das fängt bei drei- bis vierjährigen Kindern mit und ersten Voltigierübungen an und setzt sich fort mit Reitunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene. „Einmal im Jahr veranstalten wir für unsere Mitglieder auch ein Turnier“, berichtet Gernot Klein. Dabei steht nicht der sportliche Aspekt, sondern der Spaß im Vordergrund.

„Bei uns soll jeder nach seiner Fasson mit dem Pferd glücklich werden“, umreist Anke Römer, Pferdewirtin, Hippotherapeutin und Krankengymnastin in einer Person, den Leitgedanken, der auf Rüggebein mit Leben gefüllt wird. „Reiten ist immer Sport. Wer das nicht glaubt, der soll sich mal auf ein Pferd setzen. Es werden Muskeln spürbar, die man vorher nicht gekannt hat.“

Aus Ferienkindern werden Betreuer

Die Übergänge sind fließend. Auch junge Vereinsmitglieder zählen im Sommer zu den Ferienkindern auf dem einst von Anke Römers Eltern Casper und Monika ins Leben gerufenen Reiterhof. Aus den Urlaubsgästen werden mit fortschreitendem Alter nicht selten Ferienkinderbetreuer. „Sie müssen lange genug hier sein, bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und gut mit Kindern und Pferden umgehen können“, nennt Anke Römer die Voraussetzungen für den schon so oft erlebten Rollentausch.

Viele Betreuer haben auf dem Reiterhof Trainer- oder Trainerassistenzscheine erworben. Die 16-Jährige Zoe ist ein gutes Beispiel für die personelle Nachhaltigkeit auf dem Reiterhof. „Ich bin schon seit rund zehn Jahren hier“, berichtet die Hagenerin, „angefangen habe ich mit Longenunterricht.“ Nach einer Reitbeteiligung erwarb die junge Volme-städterin ihr erstes Pony, inzwischen hat sie zwei Pferde als Einstellerin auf Rüggebein stehen. Nicht nur in den Sommer-, sondern auch in den Herbst- und Osterferien war sie begeistertes Ferienkind auf dem Reiterhof, inzwischen geht die 16-Jährige ins dritte Jahr als Betreuerin.

„Nach dem Frühstück werden die Kinder gefragt, ob sie lieber in der Halle oder - wenn es die Witterung zulässt - ausreiten möchten. Dementsprechend werden die Gruppen eingeteilt“, schildert Zoe den ihr inzwischen vertrauten Ablauf. „Nach dem Mittagessen ist Mittagspause, auch für die Pferde, die dann fressen können.“ Am Nachmittag stehen Ponyspiele auf dem Programm. „Beispielsweise Bälle in einen Eimer werfen oder Dosenwerfen, alles vom Pferd aus.“ Nach dem Abendessen geht es in die Reithalle, wo – jetzt ohne Vierbeiner - Spiele wie Völker- oder Brennball den bewegungsintensiven Tag abschießen.

An heißen Tagen, die in den letzten Jahren nicht selten waren, verschiebt sich der zeitliche Ablauf auf Rüggebein schon mal. „Dann sind die Kinder tagsüber am Pool, den wir hier oben haben“, verrät Anke Römer, „geritten wird dann morgens und abends. Wir stehen früher auf und machen abends länger.“ Was den Wohlfühlfaktor der jungen Aktivurlauber eher steigert als beeinträchtigt.

Gut für die Persönlichkeitsentwicklung

Das Einzugsgebiet des Reiterhof Römer reicht bis ins Ruhrgebiet. „Ich bin vor vier Jahren über eine Freundin, die diesen Hof kannte, zum ersten Mal hierhin gekommen“, berichtet Tatjana aus Essen. Inzwischen ist auch die 17-Jährige Betreuerin, in diesem Sommer drei Wochen lang. „Die Atmosphäre ist einfach schön, über die Stallgemeinschaft entstehen viele Freundschaften“, berichtet die Montanstädterin, die im Juli auch ihr Schulpraktikum auf Rüggebein absolviert hat. „Jeder hilft jedem und der Umgang mit den Pferden ist super.“

Dass alle 40 Vierbeiner gemeinsam auf einer Wiese stehen, vor und nach den Schulferien in den so genannten „Ponyferien“ Zeit zur Erholung bekommen, ist ein Qualitätsmerkmal. Ebenso wie das rund 30 Hektar große Areal, das Vereinsmitgliedern, Einstellern und Ferienkindern neben dem Reitplatz und zwei Reithallen für Ausritte zur Verfügung steht. Nachtwanderungen, eine Halloween-Party zum Abschluss der Freiluftsaison, Weihnachtsreiten mit Turnierelementen und Ostereiersuchen zählen zu den Höhepunkten im Jahreskalender.

„Die Mischung aus Reitunterricht und Ferienmöglichkeit ist schon ziemlich einmalig“, betont Gernot Klein, dessen Tochter hier selbst Feriengast-Erfahrung gesammelt hat. „Für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ist das sehr förderlich. Man merkt, wie sie mit der Übernahme von Verantwortung wachsen. Und die vielen positiven Rückmeldungen, die wir bekommen, sind auch eine Bestätigung dafür, dass das Konzept stimmt.“

„Wenn du wieder zuhause bist, merkst du, dass du etwas vergessen hast“, heißt es auf der Reiterhof-Homepage (reiterhof-roemer.de), „ein Stück von dir. Aber das ist gut so, denn jetzt hast du einen Grund, zu uns und zu den Pferden zurückzukommen.“ Dies hat Anke Römer geschrieben lange bevor sie der Anruf des einstigen Ferienkindes erreichte, das im Juli für ihre Enkelin einen Platz gebucht hat.

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