Fußball

Wer ist die fairste Fußball-Elf in Hohenlimburg?

Wir haben die gelben und roten Karten analysiert. 

Wir haben die gelben und roten Karten analysiert. 

Foto: firo Sportphoto

Hohenlimburg.  Wir haben die Hohenlimburger Fußball-Saison analysiert: Wer war nach Karten das fairste Team? Was sagen die Verantwortlichen? Hier die Antworten.

Die Fußball-Saison 2017/2018 ist seit knapp zwei Wochen vorüber, die Amateurfußballer sowie die meisten Profis sind im wohlverdienten Urlaub. Nun ist es an der Zeit, die vergangene Spielzeit Revue passieren zu lassen. Dabei können wir uns mit dem Gedanken Fairness auseinander setzen. Nach jeder Partie, ob in Landes-, Bezirks- oder Kreisliga, werden alle relevanten Spieldaten beim DFB eingetragen. Unter anderem geben die Schiedsrichter auch Gelbe, Gelb-Rote oder Rote Karten pro Spiel an. Am Ende einer Spielzeit gibt es dann einen schönen Überblick über sämtliche Karten.

Diese Zeitung hat für die Ligen ab Kreisliga mit Hohenlimburger Beteiligung die Zahlen analysiert und eine gewichtete Fairnesstabelle erstellt. Gelbe Karten zählen einfach, Gelb-Rote zweifach und der rote Karton zählt dreifach.

SV Hohenlimburg 1910 I

Landesligist SV Hohenlimburg 1910 um Übungsleiter Michael Erzen kommt in der Fairness-Tabelle nicht optimal davon. In Hohenlimburg belegen sie den fünften Platz, in der Landesliga Rang 12 von 16. Der Löwenanteil fällt auf die 62 Gelben Karten, die sich die Erzen-Truppe abholte. Im Gegenzug hat kein Team weniger Platzverweise als die Zehner.

Übungsleiter Michael Erzen legt das Hauptaugenmerk auf die nicht vorhandenen Roten Kartons.

„Keine Roten Karten zu haben, ist für mich schon mal sehr positiv. Das hat viel mit Tätlichkeiten oder unnötigen Fouls zu tun. Bei den Gelben Karten ist der Schnitt jetzt gar nicht so schlecht bei 30 Spielen. Das gehört zum Fußball dazu, ich denke nicht, dass wir eine unfaire Mannschaft sind. Die Gelben Karten werden ihren Zweck erfüllt haben. Wir haben auch eine sehr junge Mannschaft und wir haben Ampelkarten bekommen, die einfach dumm waren. Manchmal foulen wir, anstatt den Gegner zu stellen. Das ist ein Lernprozess, aus Fehlern lernt man. Wir wollen Gelbe Karten vermeiden, aber wir sagen unseren Spielern nicht: Geht nicht in die Zweikämpfe. Wir wollen 100 Prozent Einsatz sehen, das gehört dazu.“

Achim Heinrichsmeier, sportlicher Leiter der Zehner, findet, dass nötige Härte zum Fußball dazugehört.

„Ich finde, das ist eigentlich ganz normal gelaufen - wir spielen ja Fußball. In der Sauerland-Gruppe geht es auch mal ordentlich zur Sache. Es wird dort sehr körperbetont gespielt. Wenn ich die Saison Revue passieren lasse, kann ich mich nicht an grobe Foulspiele erinnern. Thomas Ludwig hat einmal völlig übermotiviert eine Ampelkarte bekommen, aber es hat uns in keinem Spiel das Genick gebrochen. Wir spielen Fußball und kein Tippkick.“

SC Berchum/Garenfeld I

Der Sportclub hat die Fairness-Tabelle der Bezirksliga gewonnen. Das Team von Dieter Iske landete mit elf Punkten Vorsprung deutlich vor Ligakonkurrent ASSV Letmathe. Die Berchumer wären beinahe ohne Platzverweis ausgekommen, hätte nicht Torhüter Manuel Tragelehn im letzten Spiel beim DJK/ETuS Schwerte die Rote Karte wegen einer Notbremse gesehen.

SC-Chefcoach Dieter Iske spricht seinem Team ein Kompliment aus.

„Da bin ich total stolz drauf. Die sportliche Kombination mit Fair Play, da bin ich total hinterher. Mein Kompliment geht an die Truppe und das ganze Drumherum. Das macht einen sehr stolz. Wir sind jenseits von der Regelüberschreitung.

Thomas Wegener, sportlicher Leiter des Vereins, sieht in den wenigen Karten einen sportlichen Vorteil.

„Das ist kein Zufall, denn letztes Jahr haben wir das auch gewonnen. In gewisser Weise ist das auch ein Schlüssel zum Erfolg. Wir hatten enge, umkämpfte Spiele, wie etwa in Kalthof oder in Deilinghofen, die an uns gegangen sind, da der Gegner sich Platzverweise eingefangen hat. Da sehe ich schon eine Verbindung. Wir haben Vorgaben, eventuell unnötige Freistöße zu vermeiden. Ansonsten wüsste ich nicht, dass die Trainer das speziell vorgeben. In der Bezirksliga entstehen viele Karten durch reine Undiszipliniertheiten und da sind wir auf einem guten Niveau.“

TSK Hohenlimburg I

Das ist die wohl größte Überraschung: Jahrelang galt der TSK Hohenlimburg als undiszipliniertes Team. Man erinnere sich nur mal an den damaligen Spielabbruch beim TuS Holthausen, bei dem vier Polizeiwagen anrücken mussten, um eine Massenschlägerei zu unterbinden. In der abgelaufenen Spielzeit gewann der TSK die Fairness-Tabelle der Kreisliga A1 - mit Abstand. Das Team von Spielertrainer Jakob Weber kassierte lediglich 30 Gelbe Karten, jedoch keinen Platzverweie. Als einziges Team! Auch in Hohenlimburg sind sie damit klar an der Spitze. Seitdem Norbert Ullrich Geschäftsführer ist und die Spielertrainer Jakob Weber sowie Niels von Pidoll die Mannschaft übernommen haben, weht offenbar ein anderer Wind.

Norbert Ullrich, Geschäftsführer des TSK Hohenlimburg, setzte sich Fair Play als absolutes Ziel.

Ich habe einen gewissen Stolz, denn das war eines der Dinge, die ich vorhatte: den Ruf des Vereins auf ein neues Level bringen. Durch den Verein musste ein Ruck gehen, nicht nur sportlich, sondern auch im Fair Play. Durch viele Gespräche und „Androhungen“ ist uns das gelungen. Das war auch eine meiner Bedingungen für meinen Vorstandsposten. Da kann ich mit gewissem Stolz sagen: Ich bin auf Gehör gestoßen. Die Lage ist besser, als der Ruf nach außen ist. Die Zeiten der Ausschreitungen mit Polizeinotrufen sind vorbei.“

SC Berchum/Garenfeld II

Das Team von Cheftrainer Matthäus Peterko liegt in Hohenlimburg auf Platz drei, knapp hinter dem eigenen Bezirksliga-Team. In der Kreisliga belegt das Team mit 44 Punkten den zweiten Rang hinter dem TSK Hohenlimburg. Die Peterko-Truppe sammelte 39 Gelbe Karten und jeweils eine Ampelkarte, sowie eine Rote. Im Vergleich haben sie auch die zweitwenigsten Platzverweise nach dem TSK.

Kapitän David Becker führt den zweiten Platz auf den Team-Charakter zurück.

„Markus Bierwirth, der ehemalige Jugendtrainer vom Großteil des Kaders, hat mir dies mehr oder weniger mal vorhergesagt. Es spiegelt den einwandfreien Charakter der Spieler wieder. Die Jungs werden auch niemals unfair agieren, aber wenn wir in der nächsten Saison zwei bis drei clevere Gelbe Karten mehr bekommen und dafür sportlich besser da stehen, wären wir über die Statistik vermutlich stolzer.“

SV Hohenlimburg 1910 III

Die Zehner-Reserve schneidet in unserer Tabelle am schlechtesten ab. In der Kreisliga belegen sie Rang 13 von 15. Sie holten sich insgesamt 64 Gelbe Karten und fünf Ampelkarten ab. Im Gegenzug sah die Mannschaft von Spielertrainer Michael Kucharzuk und Klaus Hassenpflug aber keinen direkten Platzverweis. Das macht in der Summe 74 Punkte und „stolze“ 2,64 Punkte pro Partie.

Michael Kucharzuk möchte in der nächsten Saison ein Ziel vorgeben, um die Zahl der Karten zu reduzieren.

„Das ist natürlich kein Wert, auf den man stolz sein kann. Ich würde uns nicht als unfaire Mannschaft oder gar aggressiv darstellen. Ich denke, als Aufsteiger muss man sich auch erst ans Tempo gewöhnen und viele Karten resultieren dann eher aus Fouls. Daran werden wir definitiv arbeiten. Bisher hatten wir nicht das Gefühl, unfair zu sein. In der Hinsicht werden wir aber zur nächsten Saison sicher auch ein Ziel vorgeben, um diese Statistik zu verbessern.“

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