Winterpausen-Check

Zwischenbilanz bei Phoenix Hagen: Achterbahnfahrt auf Rang 3

In den ersten acht Spielen der Saison gingen die Phoenix-Spieler meist frustriert vom Parkett, bei den acht Siegen danach tanzten sie regelmäßig.

In den ersten acht Spielen der Saison gingen die Phoenix-Spieler meist frustriert vom Parkett, bei den acht Siegen danach tanzten sie regelmäßig.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Pause war kurz, am Samstag tritt Phoenix Hagen schon wieder an: Gelegenheit für eine Zwischenzeugnis des Basketball-Zweitligisten.

Am Ende des Jahres ist man dort, wo man hinwollte, vielleicht noch ein bisschen höher in der Tabelle. Doch der Weg von Phoenix Hagen aktuell auf ProA-Rang drei direkt hinter den Titelkandidaten Chemnitz Niners und Hamburg Towers verlief alles andere als geradlinig. Vielmehr vollzog sich die Entwicklung des Basketball-Zweitligisten in großen Wellen - bis auf Abstiegsrang 15 in den acht Spielen unter Kevin Magdowski, steil nach oben in den sämtlich gewonnenen acht Partien nach der Trennung vom bisherigen Cheftrainer. Die Pause ist nur kurz für das mittlerweile von Chris Harris betreute Team, nur über Weihnachten gab es ein paar Tage frei. Dennoch bietet sie die Gelegenheit zum „Winterpausen-Check“, zum Vergleich von Erwartungen vor der Saison und dem Ist-Zustand.

Acht Siege in Serie - das schaffte Phoenix nicht nur im November/Dezember, sondern auch unter Magdowski in der Vorbereitung. Da waren allerdings fast nur unterklassige Teams die Gegner, allenfalls Ligarivale Paderborn und der belgische Erstligist Mechelen durften als Kontrahenten auf Augenhöhe gelten. So fehlte im Magdowski-Team die Leistungskonstanz, obwohl acht Spieler der Zehner-Stammrotation geblieben waren und im Sommer intensiv gearbeitet hatten - und mit Guard Kris Davis und Forward Marlin Mason lediglich zwei US-Neuzugänge zu integrieren waren.

So gewann Phoenix zwar zum Auftakt in Hanau - mittlerweile Schlusslicht - mühsam, kassierte dann aber drei Schlappen gegen Favorit Chemnitz, bei Neuling Artland Dragons und - trotz hohen Vorsprungs - gegen Kirchheim. Das 112:77 am Ischeland im Derby gegen Schalke 04 sollte dann der Befreiungsschlag sein, in Trier, gegen Karlsruhe und in Tübingen zeigte man aber wieder alte Schwächen. Und gerade der Auftritt bei der 87:113-Schlappe in Tübingen geriet so verstörend, dass Geschäftsführer Patrick Seidel Magdowski noch vor der Partie gegen Heidelberg von seinen Aufgaben entband. „Es fehlte das Vertrauen, dass wir mit dem bestehenden Personal die Wende schaffen“, erklärte Seidel, der vor allem auf mangelnde Disziplin und Defensivschwächen verwies: „Es ist nicht gelungen, das zweifellos vorhandene Potential auszuschöpfen.“

Das gelang dagegen Co-Trainer Tobit Schneider, der als Interimscoach mit Alex Nolte die Team-Betreuung übernahm. Mit einer Vereinfachung der Spielweise, besserer Verteilung der Spielzeiten und mehr Fokus auf der Defensive wurde Phoenix zu einem Gewinner-Team mit dem notwendigen Glück, schlug zunächst die Playoff-Aspiranten Heidelberg, Rostock und Hamburg. Und nach der Verpflichtung des neuen Cheftrainers Chris Harris auch Nürnberg, Paderborn, Ehingen und zweimal Baunach. „Und wir sind noch nicht bei 100 Prozent“, befand Seidel nach Hinrunden-Abschluss.

Die Bilanz: Gut drauf

Drei Spiele, drei Siege - die Bilanz von Tobit Schneider als Interims-Cheftrainer ist makellos, er bewirkte die Trendwende, darauf konnte der neue Headcoach Chris Harris aufbauen. In die Startformation gerückt ist Jannik Lodders, der - nach Eingewöhnungsproblemen in der Vorsaison - zum sicheren Dreierschützen avanciert ist, länger spielt und mehr Punkte beiträgt. Gemeinsam mit dem nachverpflichteten Jeremy Dunbar, der viel Erfahrung und eine Dreierquote von 50% beiträgt, sorgt er dafür, dass Phoenix auf der Flügel-Position deutlich effektiver agiert als 2017/18. Center Alex Herrera startete zwar - wie das Team - schwach, hat seine schon bisher beeindruckende Punkt- und Reboundausbeute aber noch einmal gesteigert und trifft die Freiwürfe nun zuverlässiger. Und der schnelle Kris Davis ist gegenüber Vorgänger David Godbold das erhoffte Upgrade, auch wenn er phasenweise etwas abtaucht.

Immer dabei sind die Phoenix-Fans von den „Tornados“, auch bei den weitesten Auswärtsspielen. Gerade nachdem diese den Phoenix-Spielern nach den schwachen ersten Spielen ihre Gunst temporär entzogen hatten, stehen sie nun wieder voll hinter dem Team und beeindrucken mit Choreographien und Sonderaktionen - etwa zuletzt in Bamberg. Wohl kein Basketball-Zweitligist wird bei Spielen in der Fremde so unterstützt - viele Erstligisten auch nicht.

Die Bilanz: Voll im Soll

Dominik Spohr bleibt das verlässliche Herz des Teams, gehört mit Spielmacher Jonas Grof - der an seiner Turnover-Rate arbeiten muss - neben Herrera zu den drei tragenden Kräften. Javon Baumann und die jungen Jasper Günther und Marco Hollersbacher - beide durch Verletzungen gehandicapt - gehören fest in die Rotation, zählen in manchen Spielen zu den mitentscheidenden Akteuren, können dies aber noch nicht regelmäßig abrufen. Joel Aminu benötigte länger, um aus seiner Formkrise herauszukommen, war mit sich selbst nicht zufrieden. Den nach starker Debütsaison und früher Vertragsverlängerung geweckten Erwartungen konnte der 21-Jährige erst in den letzten Spielen - beim Sieg in Ehingen etwa war er starkster Akteur - gerecht werden, die Kurve zeigt nach oben.

Die Bilanz: Unter den Erwartungen

Dass Luxemburgs Eliteklasse nicht mit der ProA zu vergleichen ist, das musste Marlin Mason feststellen, der bei Phoenix wie ein Fremdkörper wirkte und das ProA-Niveau der Liga nicht erreichte. Nach seiner Rückkehr ins Großherzogtum gehörte er dort wieder zu den Topscorern. Auch Trainer Kevin Magdowski kehrte nach seiner Entlassung bei Phoenix nach Luxemburg zurück, wo er nun Erstligist Bertrange coacht. In Hagen erreichte er die Mannschaft, das wurde überdeutlich, zunehmend nicht mehr.

Vom aktuellen Team hat kein Akteur eine negative Bilanz. Steigerungsbedarf gibt es dennoch, etwa bei der Freiwurfquote von Jannik Lodders und Kris Davis, 60 Prozent von der Linie sind für gute Schützen eigentlich nicht diskutabel.

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