Fußball

Vom Ruhrgebiet in den Norden: Hahn ist Spielanalyst beim HSV

Alexander Hahn ist Spielanalyst beim Hamburger SV. Früher hat er im Ruhrgebiet beim TuS Heven, der TSG Sprockhövel und dem DSC Wanne-Eickel Fußball gespielt.

Alexander Hahn ist Spielanalyst beim Hamburger SV. Früher hat er im Ruhrgebiet beim TuS Heven, der TSG Sprockhövel und dem DSC Wanne-Eickel Fußball gespielt.

Foto: WITTERS / HSV

Wanne-Eickel/Sprockhövel/Witten.  Alexander Hahn hat in Witten, Sprockhövel und Wanne-Eickel Fußball gespielt. Heute analysiert er Videomaterial für die Profis des Hamburger SV.

Für viele ist es ein Traum, im Profifußball arbeiten zu dürfen. Ganz nah dran an den Spielern, denen Tausende von der Tribüne aus zujubeln. Für Alexander Hahn hat sich dieser Traum erfüllt. Der Ex-Spieler des TuS Heven, der TSG Sprockhövel und des DSC Wanne-Eickel arbeitet beim Zweitligisten Hamburger SV als Spielanalyst.

Der gebürtige Duisburger kam durch sein Sportstudium an der Ruhr-Universität Bochum zu den Vereinen im Ruhrgebiet. Vorher war er bis zur A-Jugend bei Bayer 05 Uerdingen aktiv, danach in der Bezirksliga in Kalkum-Wittlaer. Mit dem TuS Heven stieg Hahn 2012 dann direkt in die Oberliga auf, wechselte dann aber zu Konkurrent TSG Sprockhövel. 2014 ging es im Sommer dann in die Westfalenliga zum DSC-Wanne Eickel. Er wechselte mit seinen Studienkollegen, Sebastian Greitemann, Stephen Lorenzen und Sebastian Sommer.

Von Herne geht es direkt nach Hamburg

In Wanne-Eickel spielte Hahn dann nur noch die Hinrunde, ehe es in den Norden Deutschlands zu den Rothosen ging. Über das Studium absolvierte er ein Praktikum beim HSV in der Spielanalyse der Profis. „Ich habe mich direkt beworben, als es das Angebot gab, und wurde genommen“, erinnert sich der 31-Jährige. Nach dem Praktikum konnte er bleiben und unterschrieb einen Jahresvertrag. Als 2017 im Nachwuchsbereich die Stelle des Koordinators der Spielanalyse frei wurde, übernahm Hahn die Verantwortung.

In Hamburg kickte er noch eine Zeit lang beim SC Sternschanze, ehe er 2019 seine aktive Zeit beendete und sich ganz auf die Arbeit beim ehemaligen Erstligisten konzentrierte. „Ich war seltener beim Training oder den Wettkämpfen dabei“, erzählt Hahn. Und im vergangenen Sommer holte ihn der damalige HSV-Trainer Christian Titz dann als Co-Trainer Spielanalyse zu den Profis, wo er gemeinsam mit Sören Meier ein Team bildet.

Schwerpunkt von Alexander Hahn liegt auf Analyse der eigenen Mannschaft

Sein Kollege hat sich vorher alleine um die Spielanalyse der Profis gekümmert, nun fokussiert er sich auf die Gegneranalyse. „Er ist schon viel länger beim HSV als ich, elf Jahre. Von ihm konnte und kann ich nach wie vor viel lernen“, sagt Hahn, der sich schwerpunktmäßig mit der Spielanalyse der eigenen Mannschaft befasst. Dabei begleiten ihn Fragen wie „Was lief gut, was können wir verbessern?“, „Gab es im Spiel eine Kehrtwende?“ oder „Was ist gegen den kommenden Gegner wichtig?“ bei der Arbeit.

Während der Spiele ist der Arbeitsplatz von Hahn auf der Tribüne. „Dort analysiere und schneide ich schon Material und bringe dem Trainer in der Halbzeit erste Sequenzen. Von oben habe ich einen anderen Blick als das Trainerteam auf der Bank. Der Trainer zeigt das Material dann entweder der gesamten Mannschaft oder einzelnen Spielern“, erklärt der HSV-Spielanalyst, der unterstützend zum Trainerstab agiert. Das Büro von ihm und seinem Kollegen, was sie mit Torwarttrainer Kai Rabe teilen, befindet sich direkt neben dem von Trainer Dieter Hecking.

Absprachen mit dem Trainer und Gespräche mit Spielern

Wenn ein Spiel gelaufen ist, befasst sich Hahn mit dem kompletten Spiel. „Wichtig ist, dass wir dabei in der Regel auf uns schauen“, sagt er. Mit dem Trainer bespricht er, welches Material den Spielern bei Besprechungen gezeigt werden soll und was davon ins Training einfließt. Außerdem werden einzelne Spieler ausgesucht, denen individuell Sequenzen gezeigt werden. „Die Spieler reagieren positiv darauf, sind wissbegierig und wollen an ihren Potenzialen arbeiten“, sind die Erfahrungen des Ex-Oberligaspielers.

Der direkte Austausch mit den Spielern gefällt Hahn, wenngleich er nicht mit jedem häufig in Kontakt tritt. „Ein Spieler wie Aaron Hunt etwa ist sehr erfahren und braucht nicht mehr ganz so viel Input“, nennt er als Beispiel. Jeder Spieler aus dem Kader bekommt ohnehin die Clips zu seinen Aktionen im Spiel zugeschickt. Außerdem arbeitet Hahn an Datenbanken, erstellt Konzeptionen, um einen Plan erstellen zu können, wie die Mannschaft in das nächste Spiel geht.

Die Corona-Pause hat der Ex-Oberligafußballer sinnvoll genutzt

Während der Corona-Pause hat er dazu Positionsprofile erstellt, um Schwerpunkte für das Training auf den bestimmten Positionen setzen zu können. „Ein Profil ist riesengroß, wird ständig gefüllt und je nach Situation aktualisiert, ein Schwerpunkt gesetzt, aber auch je nach Spielidee variiert“, erklärt Hahn. Das Profil richtet sich so einerseits nach der Taktik, andererseits nach den Anforderungen auf einer bestimmten Position in Bezug auf das Abwehr- und Angriffsverhalten.

Derzeit befindet sich der HSV als aktuell Drittplatzierter im Aufstiegsrennen, zurück ins Fußball-Oberhaus. Für Hahn eine spannende Situation. Er liebt den Fußball und seinen Job: „Es gibt nichts Geileres, als ein Spiel zu sehen. Der Austausch mit dem Trainer macht richtig Spaß – und natürlich freue ich mich noch mehr, wenn unser Plan aufgeht. Es ist ein großes Privileg, im Profifußball arbeiten zu dürfen. Schon alleine das Gefühl, wenn ich auf das Vereinsgelände fahre, ist riesig. Ich kann mich nur jeden Tag dafür bedanken, die Chance zu bekommen, mich zu beweisen.“

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