Fußball

Als Radiomann Fischer sprachlos wurde

Auch wenn die Mauer um Marvin Fischer (links) gut steht: Dieser Freistoß zappelt gleich im Süder Netz.

Auch wenn die Mauer um Marvin Fischer (links) gut steht: Dieser Freistoß zappelt gleich im Süder Netz.

Foto: Foto: Heiko Buschmann

Bekannt ist er als 1LIVE-Moderator, seinem Hobby Fußball geht Marvin Fischer beim BV Herne-Süd nach. Unlängst war sogar der Laberkopp sprachlos.

Zehn Stück! So viele Gegentore hat der Mittelfeldkicker Marvin Fischer vom B-Ligisten BV Herne-Süd noch nie gefangen. Wie gut, dass er kein Torwart mehr ist, sonst hätte er sich über das 2:10 am vorletzten Spieltag der gerade beendeten Saison gegen die Sportfreunde Wanne II wohl noch mehr aufgeregt.

Ja, der sonst nicht gerade auf den Mund gefallene 32-Jährige war nach der Klatsche fast sprachlos. Das kommt wirklich nicht oft vor, denn schließlich muss Marvin Fischer in seinem Beruf viel quatschen: Er ist Radiomoderator bei den Jugendsendern 1LIVE (WDR) und YOU FM (HR).

Seit 20 Jahren spielt Marvin Fischer Fußball. Vorher hat er sich im Basketball, Schwimmen und Taekwondo ausprobiert, doch dann lotste ihn ein Freund zum BV Herne-Süd. „Er war Torwart und ich habe auch als Keeper angefangen“, erinnert er sich. Als es in einem Spiel mal gegen den großen Nachbarn Westfalia Herne ging und er im Feld aushelfen musste, war es vorbei mit seiner Zeit zwischen den Pfosten. „Wir haben 1:1 gespielt und ich habe das Tor für uns gemacht“, blickt Marvin Fischer nicht ohne Stolz zurück.

Stürmer in der Kreisauswahl

Er wechselt zur Westfalia, spielt fortan als Stürmer und schafft es sogar in die Herner Kreisauswahl. Nach zwei Jahren am altehrwürdigen Schloss Strünkede aber ist für ihn beim früheren Zweitligisten schon Schluss, seine Eltern ziehen ins benachbarte Recklinghausen und Marvin Fischer schließt sich dem FC Leusberg an. „Ui, der kommt von Westfalia Herne, hieß es da. Ich galt als Königstransfer und habe natürlich sofort die 10 gekriegt“, erzählt Marvin Fischer grinsend.

In der A-Jugend sucht er sich noch einmal einen neuen Verein, diesmal geht es zum FC 96 Recklinghausen, der im großen Stadion Hohenhorst zu Hause ist. Nach dem Wechsel in die Seniorenmannschaft zieht er sich aber seinen ersten Kreuzbandriss zu und muss ein Jahr Pause vom aktiven Fußball einlegen. Marvin Fischer nimmt an der Ruhr-Uni Bochum ein Studium der Sozialwissenschaften auf – mit dem Ziel, als Quereinsteiger im Journalismus zu landen. „Ich habe schon mit 15 meine ersten Texte für ein Online-Magazin geschrieben und Künstler wie Sunrise Avenue, Samy De Luxe und Curse interviewt“, verrät er und führt aus: „Ich war ziemlich selbstbewusst und habe mir keinen Kopf darüber gemacht, ob ich da irgendwelche Stars da vor mir habe.“ Der Einstieg in seinen heutigen Beruf als Radiomoderator gelingt ihm übers Campus-Radio der RUB. Später absolviert er ein Praktikum bei seinem Heimatsender Radio Herne und dann nach seinem Abschluss im Fach Sowi ein Volontariat beim Gelsenkirchener Lokalfunk Radio Emscher Lippe.

Vom Studio auf den Platz

Dem Fußball bleibt er in der Zeit treu, nach seiner verletzungsbedingten Auszeit schließt er sich dem ESV Herne an, wo er auch die U-15-Mädchen trainiert. Seit dem Sommer 2017 ist er nun beim BV Herne-Süd, da er aber seit 2013 auch beim Hessischen Rundfunk arbeitet, kickt er zusätzlich in Frankfurt. „Da ich für zwei Sender moderiere, 1LIVE in Köln und YOU FM in Frankfurt, habe ich mir ein Zweitspielrecht besorgt und kicke auch für Concordia Eschersheim in der Reserveliga“, erläutert Marvin Fischer und fügt lachend an: „Da habe ich sogar mal sechs Tore in einem Spiel geschossen. Wie das passieren konnte, weiß ich bis heute nicht.“

Sein Heimatverein aber ist der BV Herne-Süd. Auch wenn er häufig pendeln muss und auch eine Wohnung in der Bankenmetropole hat, fühlt er sich im Ruhrpott zu Hause. Zwei Wochen im Monat ist er in Frankfurt, dann geht’s über Köln zurück ins Revier. „1LIVE mit Marvin Fischer“ läuft alle 14 Tage samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 6 bis 9 Uhr. „Ich heize am Samstagvormittag von Frankfurt nach Köln, mache dort die beiden Sendungen und fahre am Sonntag um 9 Uhr nach Hause. Dann lege ich mich meistens noch ein Stündchen hin, ehe es zum Platz geht“, beschreibt Marvin Fischer seine etwas ungewöhnliche Spielvorbereitung.

Dass sein Name halbwegs bekannt ist, weil seine Sendungen hunderttausende Leute hören, spielt auf dem Fußball-Platz kaum eine Rolle. „Ich arbeite ja beim Radio, daher bin ich kein Gesicht, sondern eine Stimme“, meint Marvin Fischer. „Es ist aber so, dass sich meine Mitspieler ein bisschen darüber lustig machen, dass ich mit Scheiße labern Geld verdiene.“ Ja, ja, reden kann er – auch auf dem Platz. „Ich bin ein Laberkopp“, gibt Marvin Fischer feixend zu. „Bei Diskussionen mit dem Schiedsrichter oder den Gegenspielern bin ich immer dabei.“ Mit seinen 32 Jahren ist er natürlich im besten Fußballer-Alter, und trotz der jüngsten 2:10-Klatsche will er seine Schuhe noch nicht an den Nagel hängen. „Zwei Jahre mache ich noch und dann will ich eine Altherren-Legende werden“, kündigt Marvin Fischer an.

Vorher könnte er allerdings noch eine Kreisliga-B-Legende werden...

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