Fussball - Westfalenliga

DSC Wanne-Eickel: Schwanken zwischen rational und emotional

Training mit Abstand: eine Kleingruppe des DSC Wanne mit (v.li.) Erik Schäfer, Rohbar Derwish und im Vordergrund Luca Robert. Im Hintergrund Trainer Sebastian Westerhoff.

Training mit Abstand: eine Kleingruppe des DSC Wanne mit (v.li.) Erik Schäfer, Rohbar Derwish und im Vordergrund Luca Robert. Im Hintergrund Trainer Sebastian Westerhoff.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Wanne-Eickel.  Bock auf den Ball haben auch die Fußballer des DSC Wanne-Eickel wieder. Dass sie nicht aufsteigen sollen, spielt aber im Hinterkopf immer mit.

Die Fünfer-Runde, die da gerade auf dem neuen Kunstrasenplatz neben der Mondpalastarena mit dem Ball durch den Sechzehner kurvt, die kommt an diesem Freitagabend eine Zeit lang auch ohne ihren Trainer klar.

Sebastian Westerhoff ist zwar eine Weile weg zum Gespräch am Spielfeldrand und guckt immer mal wieder rüber zu seinen Spielern, grinst ab und an zufrieden.

Schließlich spendet der Trainer des DSC Wanne-Eickel den Fünfen für ihre Individual-Tänzchen mit Ball einen Applaus, in dem ein guter Schuss Fußballer-Humor steckt.

„Die Jungs haben Bock auf den Ball“

Andererseits zeigt die selbstständige Arbeit der Spieler: „Die Jungs haben Bock auf den Ball“, sagt Westerhoff. Kein Wunder: „So eine lange Fußball-freie Zeit haben wir wohl alle noch nicht erlebt.“

Der Einstieg unter den Auflagen in Corona-Zeiten ist ein sanfter. Mit dem Fußballspiel an sich, sagt Trainer Westerhoff, habe das momentan „nichts zu tun“. Aber als er für den vergangenen Mittwoch zum ersten Mal seit Mitte März ein freiwilliges Training angeboten hatte, da sagten direkt 19 Spieler zu.

Folgen durch den Saisonabbruch verdauen

Etwas Zeit hatten die Wanne-Eickeler, um die höchstwahrscheinlichen Folgen der Corona-Krise mit dem bevorstehenden Saisonabbruch für die erste Seniorenmannschaft zu verdauen.

Der DSC Wanne-Eickel, so die Empfehlung des Verbands-Fußballausschusses unter dem Vorsitz von Reinhold Spohn, dem Vorsitzenden des Fußballkreises Herne, soll demnach in der Westfalenliga bleiben.

Zwischen rational und emotional

Aufsteigen soll Herbstmeister und Tabellenführer SG Finnentrop-Bamenohl, aus der anderen Westfalenliga-Staffel soll wegen einer auch durch eine unterschiedliche Zahl an ausgetragenen Spielen nach viel Rechnerei aus Hinrunde, Quotient und zuletzt gültiger Tabelle aber zwei Aufsteiger geben: Victoria Clarholz als einer von zwei Quotientenbesten mit der besseren Tordifferenz und Herbstmeister SpVgg. Vreden.

Torsten Biermann, Fußballchef des DSC Wanne-Eickel, sagt nach der ersten Enttäuschung mit etwas Abstand, er schwanke „zwischen rational und emotional“.

Routine bei der Quotientenrechnung

Rational: „Wir waren weder zum Ende der Hinrunde noch zum Zeitpunkt der Unterbrechung Tabellenführer“, so Biermann. Emotional: „Wir haben einen besseren Quotienten als die Mannschaften aus der anderen Staffel“.

Beim Gang rüber an diesem Freitagabend aus der Mondpalastarena Richtung Nebenplatz nimmt Biermann sein Smartphone und gibt die Daten mit offensichtlicher Routine bei diesem speziellen Vorgang ein: Quotient für den DSC Wanne 2,3. Für die Konkurrenz aus der Westfalenliga 1: jeweils um die 1,7.

Sebastian Westerhoff: „In den ersten Tagen konnte von rational gar nicht die Rede sein“

So enttäuscht wie Biermann war auch Sebastian Westerhoff, als die Aufstiegsempfehlungen des Verbands-Fußballausschusses für den Saisonabbruch ausgesprochen wurden. Wie zwischen rational und emotional er die Sache mittlerweile sieht? „In den ersten Tagen konnte von rational gar nicht die Rede sein“, sagt der DSC-Trainer. Momentan sei das Thema im Hinterkopf immer noch präsent.

Denn auf die Bekanntgabe der endgültigen Entscheidung des außerordentlichen FLVW-Verbandstages am 9. Juni wollen sie beim DSC Wanne-Eickel jetzt erst mal noch warten, sagen Biermann und Westerhoff. Für den Trainer wie auch die Spieler sagt Sebastian Westerhoff, falls es so komme wie vorgeschlagen: „Wir wären dann die, die hinten rüberfallen. Für uns wäre dann eine bis dahin sehr gute Saison wie weggeworfen.“

Immerhin: der „Acker“ sieht super aus

Torsten Biermann führt seine Runde an diesem Abend nicht nur zum neuen Kunstrasen, sondern auch über den Naturrasenplatz in der Mondpalastarena, wo zwei DSC-Kleingruppen unter anderem mit dem vorzeitig aus Peru zurückgekehrten Josse Gerrick trainieren.

Ein Gutes immerhin, hat sich in diesen Tagen herausgestellt, hat die Corona-Pause für den Rasen im Stadion Wanne-Süd gehabt: „Der ,Acker’ sieht super aus“, sagt Torsten Biermann.

Abstand halten, desinfizierte Hütchen und Bälle

Die Wanne-Eickeler Fußballer üben sich währenddessen im Abstand halten, und neben den aktuellen Neuerungen wie dem Umgang mit desinfizierten Hütchen und Bällen sowie Kopf einziehen, wenn der Ball hoch auf einen zufliegt, hat das DSC-Training aber auch ein vertrautes Muster.

Auf Passübungen hat Sebastian Westerhoff schließlich auch vorher schon viel Wert gelegt. Aber es sei auch wichtig, so der Trainer, dass sich die Spieler überhaupt auf dem Platz wiedersehen.

Lange Vorbereitungszeit für die neue Saison

Nach der bisher längsten Fußball-freien Zeit könnten die Wanne-Eickeler nun vor der längsten Vorbereitung überhaupt stehen. Im September könnte es vielleicht wieder um Punkte gehen, schätzt Sebastian Westerhoff – „dann hätten wir aber eine dreimonatige Vorbereitungszeit.“

Zu überlegen, so Westerhoff, wäre es in dem Fall, eventuell zwischendurch eine Pause einzuplanen, eine Woche vielleicht. Bei allem Bock auf den Ball.

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