Vereinsjubiläum

VfB Börnig will mehr bieten als nur Fußball

Die Aufstiegsmannschaft von 1978/79 machte den VfB Börnig neben dem SV Sodingen zeitweise zur zweiten Kraft im Herner Fußball.  

Die Aufstiegsmannschaft von 1978/79 machte den VfB Börnig neben dem SV Sodingen zeitweise zur zweiten Kraft im Herner Fußball.  

Foto: VfB Börnig Jubiläumsheft

Der „Familienverein“ VfB Börnig feiert sein 100-jähriges Bestehen. Eine entscheidende Weichenstellung war der Bau des Kunstrasenplatzes.

Mütter und Väter mit Kinderwagen. Herumtollende Kinder im Messi- oder Ronaldo-Trikot. Erwachsene hinter dem Grillrost, im Bierwagen oder an der Kuchentheke. Unterhaltung, Musik, Spaß und gute Laune – Familienleben auf dem Sportplatz an der Börniger Schadeburgstraße. Eine Momentaufnahme, aber sie zeigt, dass der Satz des 1. Vorsitzenden Hans-Jürgen Reitzig keine hohle Phrase ist: „Wir sind ein Familienverein!“ Und das seit 100 Jahren, denn dieses seltene Jubiläum feiert in diesen Tagen der VfB Börnig 1919.

Es war exakt der 18. Mai 1919, etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Ende des 1. Weltkrieges, als „mutige und beherzte Männer“, so heißt es im Protokollbuch, den „Verein für Bewegungsspiele Herne-Börnig 1919“ gründeten. Schnell wuchs der Club, kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges folgte der Eintrag ins Vereinsregister. Während der grausamen Nazizeit schlossen sich der VfB und der Rasensport-Verein (RSV) Holhausen zur „Spielvereinigung Börnig-Holthausen“ zusammen. Erst im Juni 1946, mit Genehmigung der damaligen Militärregierung, fasste eine Mitgliederversammlung den Beschluss, wieder zum alten Vereinsnamen VfB Herne-Börnig 1919 zurückzukehren. Spielstätte war schon damals, nach Anfängen in Holthausen und dann an der heutigen Sodinger Straße, die Sportanlage an der Schadeburgstraße.

Clubhaus wird 1959 eröffnet

Die ersten sportlichen Erfolge stellten sich ein, auch dank fleißiger Helfer im Hintergrund wie dem Schuh- und Ballwart. 1959 wurde das heutige Clubhaus eröffnet, 1969 mit dem damaligen Herner Oberbürgermeister Robert Brauner das 50-jährige Bestehen gefeiert. In den 1970er Jahren blühte der VfB sportlich auf. Mit dem unvergessenen Helmut Malek als 1. Vorsitzenden und dem legendären Trainer Willi Grüger an der Seitenlinie stieg die 1. Mannschaft in die Fußball-Landesliga auf und entwickelte sich gemeinsam mit dem Rivalen SV Sodingen hinter der Westfalia zur zweiten Fußballkraft in Herne. Bis zu 2000 Zuschauer verfolgten die Derbys zwischen dem VfB und dem SVS – es waren wahre Fußballfeste, ebenso die unvergessenen „Dritten Halbzeiten“ im Vereinslokal „Zur alten Mühle“. 1990/91 begann der sportliche Abstieg, heute kickt die 1. Herren-Mannschaft in der Fußball-Kreisliga A.

Reitzig: Verein steht blendend da

Die sportlichen Auf- und Abstiege sind aber nur ein Kapitel in der 100-jährigen Geschichte des Traditionsvereins. Andere, wichtigere schreiben die Menschen, die heute dafür sorgen, dass der Verein „blendend“ dasteht, wie Hans-Jürgen Reitzig betont. Der 66-Jährige, seit 13 Jahren Vorsitzender des VfB, führt einen „gesunden Verein“, der zurzeit 480 Mitgliedern ein Zuhause bietet. Er und sein derzeitiger Geschäftsführer Bernd Götte (64) haben erkannt, dass ein Verein „mehr bieten muss als nur Fußball“. Der Jugendaustausch mit Hernes britischer Partnerstadt Wakefield, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern mit 800 Gästen an der Schadeburg, Beach-, Oktober- und Halloween-Partys – dies alles bindet die Mitglieder an den „Familienverein“.

Diese „Familie“ war es auch, die 2015 die vielleicht entscheidende Weiche auf dem Weg in eine sichere Zukunft stellte. Die Mitgliederversammlung beschloss den Bau eines Kunstrasenplatzes und erhöhte zur Finanzierung die Beiträge von sieben auf zehn Euro. Ca. 400.000 Euro investierte der Verein in die Anlage samt dem grünen Teppich, die Hälfte davon trug die Stadt. Die andere zahlt der Verein jährlich mit 22.000 Euro zurück – bis in Jahr 2025.

Mitgliederzahl dank Kunstrasen verdoppelt

Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat, denn: „Zum einen konnten wir unsere Mitgliederzahl verdoppeln, zum anderen wuchs in der Bauphase der Zusammenhalt im Verein, denn jeder, vom Minikicker bis zu den Alten Herren, von den Eltern bis zum Vorstand, packte mit an“, so Reitzig, für den ein Kunstrasenplatz in der heutigen Zeit alternativlos ist: „Auf Asche stirbt ein Verein!“

Und da für den VfB Stillstand gleich Rückschritt ist, schenkte sich der Verein ein Kleinspielfeld zum Geburtstag. Demnächst soll das Clubhaus in einen Kabinentrakt plus Duschräume geändert und danach ein neues Clubheim parallel zur Schadeburgstraße gebaut werden. Denn, und das könnte als Motto über „100 Jahre VfB Herne-Börnig“ stehen: „Spieler kommen, Spieler gehen. Aber der Platz und die Kabinen bleiben, auch in den nächsten 100 Jahren.“

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