Fußball

Wenn Westfalia Herne spielt: Niemals abschalten!

Das Risiko hat sich gelohnt: Drei Herner warteten nach einer Ecke vorne, Philipp Rößler (re.) machte am Ende das 1:0 gegen Wanne 11 und durfte sich von Nicolai Pakowski feiern lassen.

Das Risiko hat sich gelohnt: Drei Herner warteten nach einer Ecke vorne, Philipp Rößler (re.) machte am Ende das 1:0 gegen Wanne 11 und durfte sich von Nicolai Pakowski feiern lassen.

Foto: Rainer Raffalski

Herne / Wanne-Eickel.  Hohes Tempo, hohes Risiko – wenn Westfalia spielt, ist immer viel los. Das geht mal gut, mal nicht – beides war Mittwoch gegen Wanne 11 zu sehen.

Die Fußball-Saison ist noch nicht alt und der SC Westfalia Herne hat fast schon wieder genug Geschichten für eine ganze Saison geschrieben. Vier Platzverweise beim Kirmes-Cup, zwei Klatschen gegen Wanne-Eickel, zwischendurch aber auch richtig starke Auftritte. Pokalaus bei B-Ligist Constantin. Ein Torwarttor in der Nachspielzeit beim 3:3 in Schermbeck. Von daher war es fast erschreckend souverän, wie der SC Westfalia am Mittwochabend im Westfalenpokal Landesligist Wanne 11 beherrschte – aber da kam noch was. Die 3:0-Führung hätten die Herner in den Schlussminuten fast noch abgebeben, „am Ende war es glücklich“, meinte 1:0-Schütze Philipp Rößler nachher. Der ganze Wahnsinn der Westfalia zeigte sich in den 15 Sekunden rund um Rößlers Führungstor.

Bei einer Ecke für Wanne 11 rückten drei Spieler, darunter Rößler, bis an die Mittellinie vor – ohne Rücksicht auf das, was die Wanner machten. „Das ist einerseits ein Versuch, die Verteidiger des Gegner hintenzuhalten“, erklärte Rößler nachher. „Es ist natürlich auch ein Risiko, das wir eingehen, aber wir gehen es gerne ein. Wir haben keine Angst, und manchmal klappt es eben auch.“

Vor Rößlers Tor: Statt 0:1 hätte es auch 1:0 stehen können

Das aggressive Herausrücken der Herner führte dazu, dass Wannes Boudhan ganz frei zum Abschluss kam, normalerweise das 1:0 hätte machen müssen. Aber er schoss den Torwart an und nach einem langen Schlag auf Rößler stand der frei vor dem Wanner Tor – 0:1. Wenn Westfalia spielt, darf man nie weggucken – in jeder Sekunde kann immer alles passieren – es ist davon auszugehen, dass diese Saison noch einige Herner Spiele wild und kurios werden.

Christian Knappmann hätte es natürlich gerne etwas ruhiger gehabt. „80 Minuten lang war das überragend, aber danach einfach viel zu fahrig“, kommentierte Hernes Trainer nachher, der vielleicht etwas zu früh mit seinen Auswechslungen Entspannung signalisierte.

Taktische Fouls sind bei Westfalia keine Seltenheit

Knackpunkt war auch die Gelb-Rote Karte für Maurice Haar. „Das war typisch für Murre“, motzte Knappmann nachher – zwei taktische Fouls, zweimal Gelb, macht Gelb-Rot. Beim ersten Mal verhinderte er einen schnellen Abschlag des Wanner Keepers, als noch alle Herner nach einer Ecke vorne waren. Wenig später ging er an der Mittellinie zu aggressiv in ein Kopfballduell, musste dann taktisch foulen.

Auch das ist Westfalias Fußball – bei Ecken rücken alle Herner auf bis auf einen, selbst wenn der Gegner drei Konterspieler an der Mittellinie stehen lässt. Herne hat keine Angst, zeigt das – bedeutet aber auch Stress für die Abwehr. Im Kirmes-Cup sah Duyar bei einer ähnlichen Aktion gegen den Torwart Gelb wie bei Haar am Mittwoch, auch er sah später Gelb-Rot. Das Thema wird Westfalia bei dieser risikoreichen Spielweise wohl begleiten.

So sieht Westfalias Weg in Richtung Finale aus

Auch in Runde zwei des Westfalenpokals – dort geht es zu Oberligist TuS Ennepetal. Danach wird der Weg leichter, die Runden sind bereits ausgelost. Im Achtelfinale könnte höchstens Westfalenligist GW Nottuln warten. Im Viertelfinale dann der FC Gütersloh – oder auch der SV Sodingen, der als nächstes gegen Hagen 11 ranmuss. Mögliche Gegner wie Aplerbeck, Kaan-Marienborn oder Sprockhövel dagegen haben sich schon verabschiedet.

Das hat auch der SV Wanne 11, zwar nach einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung, aber doch mit großer Moral. Trainer Franko Pepe ärgerte sich nachher: „Mindestens zwei der Tore müssen wir verhindern können. Wir haben uns teilweise selbst geschlagen.“

Elfer Drews: „So muss es am Sonntag hier von Anfang an brennen“

Stürmer Flo Drews, der den Anschluss zum 2:3 machte, sprach nachher „vom schlechtesten Derby hier“ – zuletzt hatten die Elfer auf eigenem Platz der Westfalia ja oft über 90 Minuten wehgetan und nicht nur in den letzten zehn.

„Keine Zweikämpfe“, bemängelte Drews, meinte aber: „Wir nehmen auf jeden Fall mit, dass wir niemals aufgeben. Zwei Tore gegen einen Oberligisten musst du auch erstmal machen und es hätten auch drei sein können“, so der Angreifer, der dann schon aufs Ligaspiel Sonntag gegen den Hombrucher SV blickte: „Wir müssen weiter an uns arbeiten und so wie in den letzten zehn Minuten, so muss es am Sonntag hier von Anfang an brennen.“

DSC-Spieler werden in Bövinghausen wie Pokalsieger gefeiert

Die Fans des DSC Wanne-Eickel hatten ihr Urteil schon gefällt und feierten nach dem 5:2-Erfolg des Westfalenligisten beim TuS Bövinghausen den kommenden Pokalsieger. Nach dem Erstrundenerfolg seiner Mannschaft dachte DSC-Trainer Sebastian Westerhoff natürlich längst nicht so weit, sondern war erst einmal froh über den verdienten Erfolg – und zufrieden mit dem Spiel seines Teams.

Welchen Fußball der bisherige Offensivspieler als Trainer bevorzugt sehen möchte, war in Bövinghausen klar zu erkennen: offensiv und schnell, gerne auch mit Doppelpässen. Plus Durchsetzungsvermögen wie es Nick Ruppert und Thomas Hildwein in ihrem Zusammenspiel beim Treffer zum zwischenzeitlichen 4:1 in der 73. Spielminute gezeigt hatten.

DSC-Spieler werden in Bövinghausen wie Pokalsieger gefeiert

Nick Ruppert gab im Sechzehner auf der linken Angriffsseite den Ball nicht verloren, hakte und setzte nach und passte quer in die Mitte zu Thomas Hildwein – der scheiterte erst an Bövinghausens Torhüter Constantin Scholl, ließ sich aber nicht mehr aufhalten und drückte den Ball über die Linie.

Die Wanner sind an diesem Wochenende spielfrei, bleiben aber im Spiel-Rhythmus englischer Wochen. An diesem Samstag tragen die Wanner noch ein Freundschaftsspiel aus (Anstoß 13 Uhr), beim Westfalenliga-1-Team von Viktoria Clarholz, um am Dienstag darauf (20. August/Am alten Hof) um 19.15 Uhr zum Kreispokalspiel beim B-Kreisligisten SpVgg Röhlinghausen anzutreten. Am Wochenende darauf, Sonntag, 25. August, empfängt der DSC Wanne dann den SV Sodingen zum Westfalenliga-Derby.

Topbesetzte Bövinghauser müssen sich noch finden

Die Bövinghauser Gastgeber hingegen haben nach der 1:2-Auftaktniederlage in der Landesliga gegen den FC Frohlinde auch das zweite Pflichtspiel dieser Saison verloren. Das neuformierte Team sei auch wegen angeschlagener und verletzter Spieler noch in der „Findungsphase“ sagte TuS-Spieler Dino Dzaferoski – auch er war verletzt für das Westfalenpokalspiel ausgefallen.

Eine Fotogalerie zum Westfalenpokalspiel finden Sie online auf waz.de/sport-her