Fußball Oberliga

Westfalia Herne insolvent: „Sind kein zweites Wattenscheid“

Sie sind sportlich verantwortlich für den SC Westfalia Herne: Trainer Christian Knappmann und der sportliche Leiter Tim Eibold.

Sie sind sportlich verantwortlich für den SC Westfalia Herne: Trainer Christian Knappmann und der sportliche Leiter Tim Eibold.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Nach wiederkehrenden Geldproblemen geht Westfalia Herne den gleichen Weg wie Wattenscheid 09. Jetzt will der SCW den Ruf als Pleiteclub ablegen.

Aus welchem Jahr stammt diese WAZ-Überschrift: „Sechsstellige Schulden: Westfalia Herne droht die Insolvenz“? Oder: „Westfalia am Abgrund: Letztes Spiel gegen Erkenschwick?“ In beiden Fällen nicht 2019, die Überschriften sind fünf und zehn Jahre alt. Den Ruf als chronisch klammer Traditionsclub hatte Westfalia weg. Mit der Anmeldung des Insolvenzverfahrens soll das nun ein Ende haben. „Wir sind kein zweites Wattenscheid“, sagt der sportliche Leiter Tim Eibold.

Im Herbst hatte Fußball-Regionalligist SG Wattenscheid 09 Insolvenz angemeldet und wenig später den Spielbetrieb der Seniorenmannschaft eingestellt.

Wenn jetzt Westfalia den gleichen Schritt geht, dann soll das aber eben nicht das (vorläufige) sportliche Ende bedeuten, sondern die Grundlage für neuen sportlichen Erfolg.

Bei Westfalia betonen alle: Die Insolvenz ist eine Chance

„Die wichtigste Botschaft ist: Wir haben jetzt endlich die Möglichkeit, zu wirtschaften und uns zu entwickeln“, so der sportliche Leiter im Gespräch mit der WAZ. Die Insolvenz sei der „logische Schritt“ gewesen, da die Schulden nicht mehr zu bewältigen gewesen seien.

Die Insolvenz sei eine „Chance“, das betonen alle immer wieder bei Westfalia, ob Eibold, ob der 1. Vorsitzende Uwe Heinecke, oder Trainer Christian Knappmann.

Vor allem soll es die Chance sein, das Image als Pleite-Club mittel- oder langfristig loszuwerden.

Schon 2009 und 2014 stand Westfalia kurz vor dem finanziellen Ruin

Trainer Knappmann sagt: „So lange ich Westfalia Herne kenne, war Herne immer für Schulden bekannt, und dafür, mittellos zu sein. Und ich bin 20 Jahre im Profifußball.“ Tim Eibold ist gebürtiger Herner, auch er weiß nur zu gut, was über Westfalias Finanzen erzählt wird. „Tradition vor dem Ruin“, überschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Jahr 2009 einen Artikel über die Westfalia.

Damals stand der SCW kurz vor dem Rückzug aus der NRW-Liga. Im Oktober 2009 drückten den Verein sechsstellige Schulden, 25.000 Euro minus machte man pro Monat. Westfalia gab die „Retter-Aktie“ aus, wendete die Insolvenz ab, blieb in der NRW-Liga.

Im Frühjahr 2014, damals war Westfalia Oberligist, lief es ähnlich: Uwe Heinecke zog sich nach Unstimmigkeiten im Verein als 2. Vorsitzender und auch als Sponsor zurück. Das Heimspiel gegen Erkenschwick hätte das letzte sein können – nach dem Spiel verkündete der Club dann aber, dass die Saison finanziell gesichert sei (und Heinecke kehrte im Sommer zurück).

Westfalia träumt von der Regionalliga – „irgendwann“

Und 2019? „Das Geld kommt ja nicht“, sagte Kapitän Maurice Temme im November über die ausstehenden Zahlungen des Vereins. Er und seine Mitspieler haben jetzt die Aussicht, dass bald Insolvenzgeld fließt, das würde immerhin drei Monatsgehälter sichern.

Wenn es nach Tim Eibold geht, war es das letzte Mal, dass Westfalia Herne seine Rechnungen nicht begleichen konnte. „Ich hatte nie großartig Sorge, dass wir uns aus dem Spielbetrieb zurückziehen müssen oder ausgeschlossen werden“, sagt er, „auch wenn ich mir natürlich schon Gedanken gemacht habe.“ –

Aufgrund der großen Zahlungsrückstände beim Verband war ein Ausschluss dabei nicht weit entfernt. Jetzt will Eibold nach vorne blicken: „Wir haben eine Verantwortung der Stadt, den Bürgern und den Fans im Stadion gegenüber, dass vernünftig gewirtschaftet wird.“

Die Voraussetzungen dafür würden durch das Insolvenzverfahren geschaffen. Gemeinsam mit Knappmann und Heinecke, der seit Ende August wieder gewählter Vorstand ist, will Eibold den Verein professionalisieren – „und irgendwann wollen wir mit Herne auch mal in der Regionalliga spielen.“ Vorerst aber gilt es, mit einem ganz günstigen Kader den Abstieg aus der Oberliga abzuwenden.

Als Westfalia Herne 2014 vor dem Rückzug stand:

21. April 2014: Westfalia Herne verliert Punkte und Sponsor

22. April 2014: Heinecke über seinen Rückzug: „Vorgaben nicht umgesetzt“

23. April 2014: Westfalia am Abgrund – letztes Spiel gegen Erkenschwick?

27. April 2014: Westfalia Herne fürs Erste finanziell gesichert

Schon zu NRW-Liga-Zeiten hatte Westfalia Probleme:

22. Oktober 2009: Sechsstellige Schulden: Westfalia Herne droht die Insolvenz

22. Oktober 2009: Westfalia Herne macht rund 25.000 Euro minus pro Monat

26. Oktober 2009: Alles in der Schwebe beim SC Westfalia

29. Oktober 2009: Westfalia Herne gibt die Retter-Aktie aus

30. Oktober 2009: Westfalias Kampf hat erst begonnen

31. Oktober 2009: Der drohende Untergang von Westfalia Herne

13. November 2009: Jeder Euro zählt beim SC Westfalia

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