Fußball Westfalenpokal

Westfalia Herne mit 3:2 weiter: Elfer-Magie kommt zu spät

Herne / Wanne-Eickel.  Westfalia Herne zieht in die zweite Runde ein. Lange war es zwischen Herne und Wanne 11 ein meilenweiter Unterschied – am Ende fehlen Millimeter.

Demir Coskun war schon fünf Meter weit auf dem Feld, aufgesprungen von der Bank, als ihm und seinen Teamkollegen der Torjubel im Hals stecken blieb. Nicht drin. Der Ball war nicht drin. Sondern daneben. Kein Tor für Wanne 11, nicht das 3:3 in der 93. Minute im Westfalenpokalspiel gegen Westfalia Herne. Es wäre die Krönung eines Spiels gewesen, das niemals hätte so spannend sein dürfen, das Westfalia nach 3:0-Führung aus der Hand gab.

Nach Kim Hynas Kopfball knapp neben das Tor hatten die Wanner mit dem Schlusspfiff sogar noch mal die Riesenchance aufs 3:3, als Omar Keito überhastet selbst abschloss, statt einfach auf den ganz freien Flo Drews querzulegen. „Wenn wir das dritte Ding noch machen, dann gewinnen wir im Elfmeterschießen, da bin ich ganz sicher“, meinte Elfer-Trainer Franko Pepe.

Zehn Sekunden nach Wannes Riesenchance steht es 0:1

Und das nach einem Spiel, in dem sein Team lange meilenweit weg von Westfalia Herne war – und in dem am Ende doch nur ein paar Millimeter zur Sensation fehlten. Und das hing vor allem an zwei Szenen.

Erste Schlüsselszene, 22. Minute. Erste Ecke für Wanne 11, nach sehr zaghaftem Beginn sind die Elfer erstmals vorne. Gidaszewski verlängert, Abdel-Latif Boudhan steht am langen Pfosten ganz frei, schießt aber aus fünf Metern den herausstürzenden Herne-Torwart Lucas Lingk an. Befreiungsschlag, 60 Meter weiter kommt der Ball runter, Tim Jantowski verschätzt sich, Philipp Rößler läuft einfach durch, 1:0 Herne. Wanne hatte das Tor auf dem Fuß, lag aber plötzlich hinten – und zwar sehr verdient.

80 richtig starke Minuten des SC Westfalia

Herne machte ein wirklich starkes Spiel, stellte die Elfer weit vorne zu, erstickte deren Kurzpassspiel, zwang Torwart Kassen immer wieder zu langen Schlägen, die dann sichere Beute von Maurice Haar und Erhan Duyar wurden. Wanne wirkte ängstlich, unentsc

lossen, immer einen Schritt zu spät – ganz anders als die Elfer, die Westfalia sonst so große Pokalschlachten geliefert hatten. „Das war das schlechteste Derby hier“, fand Stürmer Flo Drews nachher.

Fast wäre schon zur Pause alles erledigt gewesen, aber Abdallah schoss in der 45. Minute einen Elfmeter an die Latte, Boudhan hatte Abdallah gefoult, nachdem die Wanner den Ball im eigenen Sechzehner verloren hatten. Haar hatte zuvor nach einer Ecke die Latte getroffen – hier hätte alles klar sein können.

Mit dem 0:2 ist das Spiel eigentlich entschieden

Franko Pepe wechselte doppelt, aber sein Team schwächte sich erstmals selbst: Boudhan schlug bei einer Ecke gegen Haar aus, der ging zu Boden, Rot.

Ogrzall vergab die große Chance zum 0:2, Abdallah machte es dann in der 65. Minute, als er nicht wirklich attackiert wurde und aus 18 Metern Keeper Kassen fein ausguckte. Das Ding war durch.

Oder?

Nach Gelb-Rot für Haar kippt das Spiel

Zweite Schlüsselszene, 72. Minute. Maurice Haar, schon gelbverwarnt, geht an der Mittellinie zu ungestüm in ein Kopfballduell, muss den Konter dann per Trikotzieher stoppen – Gelb-Rot. Kurz drauf machte Abdallah zwar sogar das 0:3, nachdem die Elfer den Ball nicht wegbekamen, aber ohne den langen Haar ging es in der SCW-Defensive plötzlich drunter und drüber.

Keito schoss den Ball zum 3:1 in den linken Knick, in der 85. Minute behielt Kim Hyna die Übersicht, setzte Drews ein, der auf 2:3 verkürzte.

„Wir waren 80 Minuten souverän, haben keine Stimmung aufkommen lassen und dann ist genau das passiert, was wir verhindern wollten“, beschrieb Hernes Rößler nachher, „bei Wanne kam diese Fighter-Mentalität und wir waren total unsortiert und hatten am Ende sogar Glück.“

Hyna und Keito verpassen den Ausgleich in der Nachspielzeit

Angeführt von Hyna, Drews und Gidaszewski marschierten die Wanner immer wieder nach vorne, bei langen Bällen fehlte Haar den Hernern hinten in der Mitte. Bei Hynas Kopfball jubelten die Wanner schon, als Keito kurz drauf nicht querlegte, schlug Franko Pepe die Hände vors Gesicht – dann war Schluss. Die Wanner Pokalmagie, sie kam diesmal zu spät.

SV Wanne 11 - SC Westfalia Herne 2:3

Tore: 0:1 Rößler (22.), 0:2 Abdallah (65.), 0:3 Abdallah (80.), 1:3 Keito (81.), 2:3 Drews (85.).

SV 11: Kassen - Gidaszewski, Jantowski (46. Atmaci), Boudhan, Reimann - Ilias, Oeztürk, Bastürk (72. S. Maiwald), K. Hyna - Coskun (56. Drews), Adamek (46. Keito).

SCW: Lingk - Pulver, Haar, Duyar (62. Biebersdorf), Rößler - Ogrzall, Pakowski (71. Grzelka), Temme - Stawski, Uzun (46. Lampka), Abdallah.


Gelb-Rot:
Haar (Herne/76.; wdh. taktisches Foul).
Rot:
Boudhan (Wanne/55.;Tätlichkeit).

SR: T. Zahnhausen (Herne).