Fußball Oberliga

Westfalia Herne: So geht es nach der Insolvenz weiter

Uwe Heinecke, 1. Vorsitzender des SC Westfalia Herne, bei der Mitgliederversammlung des SCW Ende August.

Uwe Heinecke, 1. Vorsitzender des SC Westfalia Herne, bei der Mitgliederversammlung des SCW Ende August.

Foto: Stephan Falk / WAZ

Herne.  Der Traditionsverein Westfalia Herne ist zahlungsunfähig und stellt Insolvenzantrag. Für den Verein soll das eine Chance auf einen Neustart sein.

Monatelang warten die Spieler des SC Westfalia Herne auf ihre Gehälter, seit Wochen reden die Verantwortlichen über Sanierungspläne. Sie sprachen mit Rechtsanwälten und auch mit den Spielern – einige haben ihre Verträge aufgelöst, andere ihre Zusage für den Rest der Saison gegeben. Jetzt ist klar, wie es weitergeht: Der Club hat beim Amtsgericht Bochum einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Anwälte und Verantwortlichen des Vereins erklären, wieso – und wie es weitergeht, auf und neben dem Platz.

Auf dem Schreibtisch von Uwe Heinecke in der Geschäftsstelle im Stadion am Schloss Strünkede stapeln sich Briefumschläge, Rechnungen, Ordner. Zur WAZ sagt der Vorsitzende: „Seit der Vorstandswahl am 30. August haben wir alles versucht. Aber es geht nicht mehr.“ Der sportliche Leiter Tim Eibold sagt: „Es geht nicht um einzelne Personen. Es geht um Westfalia Herne, die Fans und die Stadt.“ Westfalia Herne werde „kein zweites Wattenscheid“.

Vor allem Zahlungen an die AOK, die Knappschaft, die Fußball-Verbände (WDFV und FLVW) sowie natürlich das eigene Personal konnte Westfalia zuletzt nicht leisten. Im Mai 2019 sprach Uwe Heinecke auf einer Mitgliederversammlung noch von 180.000 Euro Verbindlichkeiten, auf der Mitgliederversammlung am 30. August nannte er die Zahl von 74.692 Euro.

Das sagt der Ex-Vorsitzende Sascha Loch zum Thema „Altlasten“

Vor zwei Wochen habe man sich an eine auf Insolvenzen spezialisierte Kanzlei gewandt, „Mönig und Partner“ – diese war auch bei den Insolvenzen von Alemannia Aachen und RW Ahlen beteiligt. In einer Mitteilung von Verein und Kanzlei heißt es, dass der Verein „seit längerer Zeit“ belastet sei, diese „Altlasten“ seien „wesentliche Gründe“ für den Insolvenzantrag.

Weiter heißt es: „Aufgrund dessen halten sich auch verschiedene Sponsoren zurück, die nicht die Vergangenheit des Vereins finanzieren, sondern in die Zukunft des Vereins investieren möchten.“

Zum Thema „Altlasten“ sagt Sascha Loch, Vereinsvorsitzender von 2011 bis 2018 und im Vorstand zeitweise auch für die Finanzen zuständig: „Man muss differenzieren, welche Forderungen vom Verband wirklich noch aus NRW-Liga-Zeiten stammen und welche aktuell sind. Wir haben ab 2011 immer wieder einen Berg an Verbandsabgaben abgezahlt, zuerst musste aber natürlich immer der laufende Geschäftsbetrieb bedient werden.“

Durch Einbrüche, Sturmschäden sowie die Umbauarbeiten am Stadion seien immer wieder besondere Ausgaben nötig gewesen – der Verein habe in dieser Zeit „immer“ Verbindlichkeiten gehabt, so Loch.

Insolvenzexperte sagt: Antrag ist für Westfalia Herne eine Chance.

Der Antrag sei aus rechtlichen Gründen notwendig gewesen, sagt Insolvenzexperte Rechtsanwalt Eric Coordes, der die Zahlen des Vereins geprüft und den Antrag mit ausgearbeitet hat. „Mit dem Antrag bekommt Westfalia Herne die Chance, sich über ein Insolvenzverfahren zu sanieren.“

Coordes will Insolvenzgeld für die Beschäftigten des Vereins beantragen – das würde die Gehälter für drei Monate sichern.

Zwei Heimspiele noch bis zur Winterpause

Und sportlich? In den vergangenen Wochen und zuletzt mit dem 2:1-Erfolg gegen die Hammer SV legte die Mannschaft des SCW den Grundstein für den Klassenerhalt in der Oberliga. An der sportlichen Zukunft und vor allem dem Kader für die Rückrunde bauen die Verantwortlichen um Tim Eibold und Trainer Christian Knappmann seit Wochen. „Die Mannschaft hat eine entscheidende Rolle gespielt und war immer involviert“, sagt Knappmann, der mit einem Spar-Kader in der Rückrunde den Klassenerhalt schaffen will, obwohl ein Punktabzug droht.

Der Spielbetrieb ist von der Zahlungsunfähigkeit des SC Westfalia nicht betroffen. Die Frage, ob er in den vergangenen Wochen und Monaten daran gezweifelt habe, die Saison zu Ende zu spielen, beantwortet Heinecke eindeutig: „Nein.“

Der Verein spricht von Sponsorenzusagen, die den eingeschlagenen Weg über ein Insolvenzverfahren unterstützen – vor der Winterpause stehen für den SCW noch zwei Heimspiele gegen die SF Siegen und den SV Schermbeck an.

Es werden die Spieltage 1 und 2 nach der Insolvenz des SC Westfalia. Es soll der Beginn einer neuen Ära sein, wenn es nach Uwe Heinecke geht. Der Vorsitzende sieht das Insolvenzverfahren als Chance: „Wir fangen jetzt ganz neu an.“

Wir berichten weiter.

Finanzielle Probleme: Unsere aktuelle Berichterstattung zum SCW

7. November 2019: Finanzen: Westfalia Herne auf einem beschwerlichen Weg

8. November 2019: Westfalia Hernes Spieler warten: „Das Geld kommt ja nicht“

18. November 2019: Wichtige Tage stehen an für den SC Westfalia Herne

22. November: SC Westfalia Herne sucht „ruhiges Fahrwasser“

29. November: Weitere Abschiede und Blick nach vorn bei Westfalia Herne

Anfang 2019 stellt sich der SC Westfalia Herne neu auf

10. November 2018: Sascha Loch tritt als Vorsitzender zurück

11. November 2018: Westfalia Herne verliert Spiel und Vorsitzenden

7. Januar 2019: Führungskrise bei Westfalia Herne schwelt weiter

8. Januar 2019: Vorstandsmitglied Heinecke attackiert Knappmann

9. Januar 2019: Sascha Loch: So ein Verhältnis hat keinen Sinn

11. Januar 2019: Viele Fragen offen beim SC Westfalia Herne

12. Januar 2019: Westfalia Herne will sich von Trainer Knappmann trennen

13. Januar 2019: Westfalia Herne: Eine Chronik turbulenter Tage

17. Januar 2019: Stieneke sieht bei Westfalia einiges „nicht optimal geklärt“

31. Mai 2019: Der SC Westfalia blickt zurück und nach vorn

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