Fußball

Westfalia steht dicht vor dem Klassenerhalt

Westfalia Herne gewinnt mit Ach und Krach 2:1 gegen Schlusslicht 1. FC Gievenbeck. Der Klassenerhalt ist damit so gut wie sicher.

Das sollte reichen: Rechnerisch ist der Klassenerhalt zwar noch nicht perfekt, mit dem mühsamen 2:1-Erfolg über den 1. FC Gievenbeck räumte der SC Westfalia Herne aber alle realistischen Zweifel am Oberligaverbleib aus. Den letzten Schritt zur endgültigen Rettung können die Herner am Mittwoch gehen, wenn sie ihr Nachholspiel beim FC Brünninghausen bestreiten.

Es war allerdings ein arges Gewürge, das die Westfalia den gut 300 Zuschauern gegen das Schlusslicht anbot. Nach dem frühen Führungstor durch Ilias Anan (11.) verloren die Herner ihre spielerische Linie. Zwar gelangen ihnen weiterhin viele Balleroberungen, in den Umschaltsituationen aber bremsten sie sich durch unpräzises Passspiel, unnötige Schnörkel oder falsche Entscheidungen meist selber aus. Selbst nach Bilal Abdallahs frechem Schlenzer zum 2:0 (73.) ließen die Platzherren jede Souveränität vermissen. Vielmehr ließen sie den Gästen reichlich Raum zum Kombinieren, und wenn Gievenbeck im Abschluss etwas konsequenter gewesen wäre, hätte die Partie durchaus noch kippen können. Nach dem Anschlusstor durch einen strittigen Foulelfmeter (80.) überstanden die Herner die Schlussphase schadlos – mit reichlich Massel und einem starken Ricardo Seifried im Tor.

Nicht zufrieden, aber glücklich

„Ich bin nicht zufrieden mit dem, was wir gespielt haben, aber trotzdem bin ich glücklich“, fasste SCW-Trainer Christian Knappmann seine Eindrücke zusammen, um dann seinen Kollegen Benjamin Heeke direkt anzusprechen. „Wir können uns heute über drei Punkte freuen. Aber die Mannschaft, die besser Fußball gespielt und besser Fußball gearbeitet hat, war deine.“

Diese Mannschaft darf allerdings nur noch zweimal in der Oberliga antreten, sie steht seit gestern endgültig als erster Absteiger fest. Gievenbecks Trainer nahm es recht gelassen. „Wir hatten schon vor dem Spiel keine großen Hoffnungen, aber wir hatten trotzdem richtig Bock auf dieses Spiel. Wir haben auch heute wieder viel gelernt, und diese Erfahrungen nehmen wir jetzt mit in die Westfalenliga“, so Heeke.

Frühes Tor belohnt guten Beginn

Nur in der Anfangsphase kontrollierte Herne das Geschehen. Während Gievenbeck sich bei Herner Ballbesitz meist zurückzog und die Räume verdichtete, gingen die Knappmann-Kicker früh drauf und machten den Gästen schon in der eigenen Hälfte richtig Stress. Die erste Tormöglichkeit bot sich dennoch dem Team aus Münster. Nico Pulver leistete sich im Spielaufbau einen bösen Fehlpass, FCG-Torjäger Tristan Niemann sah, dass der in den Aufbau eingebundene Seifried weit vor seinem Tor stand, doch sein Heber aus 35 Metern flog knapp am Ziel vorbei (6.). Im Gegenzug kam Philipp Rößler zum Abschluss, verfehlte aber knapp das lange Eck.

Fünf Minuten später aber durfte Herne jubeln. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß konnten die Gäste nur unzureichend klären, Ilias Anan lauerte an der Strafraumlinie und hatte mit einem nicht ganz unhaltbaren Rechtsschuss Erfolg. Fast hätte der SCW sogar schnell erhöht, doch Maurice Haar setzte frei aus sechs Metern einen Kopfball etwas zu hoch an (22.).

Gäste legen ihren Respekt ab

Mitte der ersten Hälfte legten die Gäste ihren Respekt ab und starteten erste gefällige Angriffe. Zweimal spielten sie sich über die linke Seite durch, aber Balz scheiterte am herausstürzenden Seifried (28.), und Keil schlenzte den Ball am langen Eck vorbei (35.). Für den SCW kam Michael Smykacz noch zweimal zum Abschluss, so dass die Pausenführung insgesamt in Ordnung ging.

Das änderte sich in Halbzeit zwei. Gievenbeck hatte mit gutem Passspiel nun deutlich mehr Ballbesitz, beim SCW blieb vieles Stückwerk. Die langen Bälle fanden kaum einmal einen Adressaten, gute Kombinationen oder gelungene Dribblings blieben die Ausnahme. Zwei dieser seltenen Momente hätten allerdings zu Toren führen können. Aber sowohl Enes Schick (64.) als auch Kai Hatano (72.) zogen es vor, aus spitzem Winkel abzuschließen, statt den Ball auf einen einschussbereiten Mitspieler quer zu legen. So bedurfte es erneut eines Standards, um die Führung auszubauen. Diesmal war es Temmes weiter Einwurf, den der FCG nicht klären konnte, so dass Abdallah aus 16 Metern zum schmeichelhaften 2:0 traf.

Sicherheit kehrte dadurch aber nicht ein, im Gegenteil. Die Herner verloren die Bälle nun sehr schnell, kamen nicht mehr richtig in die defensiven Zweikämpfe und standen oft zu weit weg. Mehrfach tauchten die Gäste nun gefährlich am und im Herner Strafraum auf, aber bis auf einen von Niemann verwandelten Foulelfmeter brachten sie nichts Zählbares zustande. Als Temme wegen Zeitschindens per Ampelkarte vom Feld musste, warf Gievenbeck noch mal alles nach vorn. Doch mit Glück und Seifried überstand der SCW die letzten Minuten auch in Unterzahl.

Westfalia Herne - 1. FC Gievenbeck 2:1. Tore: 1:0 (11.) Anan, 2:0 (73.) Abdallah, 2:1 (80.) Niemann (Foulelfmeter). SCW: Seifried - Rößler, Duyar, Haar, Pulver - Schick, Temme - Ciccarelli (55. Abdallah), Anan (90. Deniz), Hatano (77. Ogrzall) - Smykacz. FCG: Eschhaus - Brüwer, Scherr, Franke, Gerbig - Balz (73. Mende), Geisler, Altun, Kurk - Niemann, Keil. Schiedsrichter: Philipp Holzenkämpfer (Wallenhorst). Gelb/Rot: Temme (SCW/87.). Zuschauer: 315.