Eishockey

„Das Lob der Fans ist unser Manna“

Vor der Premiere: Alexander Wagener, Manuel Rueda und Sascha Bandermann (v. li.)

Vor der Premiere: Alexander Wagener, Manuel Rueda und Sascha Bandermann (v. li.)

Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.   Alexander Wagener und Manuel Rueda präsentieren ihr Crowdfunding-Projekt.

Ein bestens gefülltes Foyer des Filmpalastes mit erwartungsfrohen, gut gelaunten Menschen, und anschließend ein bis auf den letzten Platz gefüllter Kinosaal: Einen besseren Rahmen konnte es für die Premiere des Films „Eishölle am Seilersee“ nicht geben. Und dass dessen Vorführung mit einem stürmischen Applaus endete, dürfte der schönste Lohn für die beiden Macher Alexander Wagener und Manuel Rueda gewesen sein.

Reichlich Gesprächsstoff und die Auffrischung längst verblasster Erinnerungen bot das Werk der beiden Initiatoren allemal. Der gut einstündige Zusammenschnitt bot Spielszenen der Roosters, Interviews von Zeitzeugen und aktuellen Protagonisten sowie markante Bilder (davon etliche vom Iserlohner Kreisanzeiger) und Filmsequenzen aus den Tiefen der Archive. Neben der gerade abgelaufenen Saison, in deren Rahmen das im Oktober gestartete Projekt eingebettet war, sorgte auch die Befragung einiger Anhänger der Roosters für einen roten Faden.

Film über 60 Jahre Eishockey ein lang gehegter Wunsch

Vor der Premiere bat Moderator Sascha Bandermann, der sonst für die TV-Sender Sport 1 und Magenta Sport arbeitet, die beiden Macher Alexander Wagener und Manuel Rueda zum Interview auf die Bühne. „Wir hatten keine Zeit, nervös zu sein“, antwortete Wagener auf die Frage nach seiner aktuellen Gefühlslage. Den Wunsch, diesen Film über 60 Jahre Eishockey in Iserlohn/Deilinghofen zu machen, habe er schon lange gehabt. Schließlich traf er Manuel Rueda, der einen Imagefilm über die Uni Siegen gemacht hatte, und dann sei die Entscheidung gefallen, das Projekt umzusetzen.

Neben dem zeitlichen Aufwand war die Beschaffung der Finanzmittel die größte Schwierigkeit. „Aber wir haben gemerkt, dass es über Crowdfunding mit den Fans umsetzbar sein könnte“, berichtete Wagener. Das erste Viertel des am Ende sechsstelligen Betrages war schnell akquiriert. Der Vertrauensvorschuss der insgesamt 1076 Unterstützer riesengroß. Neben den im Abspann genannten Einzelpersonen gab es auch einige größere Sponsoren mit namhaften Beträgen, darunter die Iserlohn Roosters, die dafür sorgten, dass das Projekt umgesetzt werden konnte.

Danach ging es an die eigentliche Arbeit. 400 Stunden Material mussten gesichtet, Interviews geführt werden. Nicht alle Gesprächspartner waren heimatnah erreichbar. Vielmehr erforderte das Projekt viel Reisetätigkeit, denn Legenden wie Jaroslav Pouzar, Cestmir Fous, Mike York, Greg Poss, Bobby Reynolds, Robert Hock, Michael Wolf, aber auch WDR-Reporter Herbert Watterott wurden an ihren aktuellen Domizilen im In- und Ausland aufgesucht.

Bis zuletzt hatten die Macher Alexander Wagener und Manuel Rueda am Film gearbeitet. „Die Premiere ist auch gleichzeitig die Generalprobe“, hatte Erstgenannter das Publikum noch um Nachsicht gebeten, wenn noch kleinere Fehler auftauchen sollten.

Die Gäste der Premiere störten sich dann auch nicht an zwei falschen Bildunterschriften, sondern genossen das gezeigte Werk. Dabei gab es auch so manchen Lacher, wenn Heinz Weifenbach erklärt, welch großer Schriftsteller Diktator Al-Gaddafi ist, oder Robert Hock verrät, dass er Michael Wolf anfangs gar nicht leiden konnte.

Die gesamte Palette von der totalen Begeisterung und bedingungslosen Unterstützung bis hin zum Stimmungs-Boykott in der abgelaufenen Saison zeigte auch der ausführliche Blick auf die Fankultur, was den Film, der ab Mitte/Ende Juli für 29,90 Euro auf DVD erhältlich sein wird, letztlich sehr rund erscheinen ließ.

Guter Abschluss einerextrem arbeitsreichen Zeit

Sehr zufrieden mit dem Feedback zeigte sich nach der Premiere und der anschließenden Party, in deren Rahmen Sascha Bandermann noch etliche Interviews mit den zur Veranstaltung gekommenen Iserlohner Stars von einst führte, auch Alexander Wagener. Für den Siegener, der über Verwandtschaft in Iserlohn den Kontakt zum Eishockey bekommen hatte, ging damit eine extrem arbeitsreiche Zeit mit einem guten Gefühl zu Ende. „Es ist schön, wenn man hört, dass man den Fans einen unvergesslichen Abend bereitet hat. Das ist unser Manna.“

Dass es die ein oder andere kleine Kritik gegeben habe, bezeichnet Wagener als völlig normal. „Wir wollen ja auch kein Politikum aus dem Film machen.“ Trotz der bemerkenswerten Summe, die für das Projekt im Raum steht, sagt Wagener: „Es war eigentlich purer Idealismus. Wir haben eigens eine GbR gegründet, um die Sache sauber abzuwickeln. Mit weiterer Sponsorenhilfe sei die Premierenfeier zustande gekommen, auf der neben den Filmemachern vor allem Bobby Reynolds der gefeierte Star war.

Er erschien mit Gattin Cynthia sowie Smoking und Fliege nahezu oscarreif und machte deutlich, welche tiefe Freundschaft und Zuneigung aus einem gerade einmal zweijährigen Engagement in Iserlohn entstehen können.

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