Fußball

Der Kölner Keller wird fast zur zweiten Heimat

Als Videoassistent wird Christian Fischer auch in der neuen Saison viel beschäftigt sein.

Als Videoassistent wird Christian Fischer auch in der neuen Saison viel beschäftigt sein.

Foto: Privat

Hemer.  Als Videoassistent war der Hemeraner Christian Fischer bei den Geisterspielen der Bundesliga besonders gefragt.

In der Fußball-Bundesliga gab es nach der Corona-Zwangspause genügend Diskussionsstoff, und der Kölner Keller geriet ein wenig aus dem Fokus. Dabei hat sich für die dort stationierten Video-Assistenten vom gewohnten Ablauf am wenigsten geändert - mit Ausnahme der Einsatztaktung.

Der Hemeraner Christian Fischer war in den letzten Wochen ein gefragter Mann, denn der DFB legte auf möglichst kurze Wege der Assistenten wert. Und damit war der 49-Jährige praktisch an jedem Wochenende im Einsatz, zuweilen auch in einer Doppelschicht. „Dafür war der Zeitaufwand geringer als vor Corona,“ berichtet er vom Dienstantritt erst 30 Minuten (statt zwei Stunden) vor Spielbeginn und der sofortigen Abreise nach Spielschluss. Alle üblichen Besprechungen und Analysen vor Ort wurden in Videokonferenzen ausgelagert.

Während die Videoassistenten bei ihrem Job keine Veränderungen feststellten, berichteten die Kollegen auf dem Feld von erheblichen. Fischer: „Spiele ohne Zuschauer zu leiten, ist Neuland. Manche Schiedsrichter und ihre Assistenten sagten, dass sie sich extrem konzentrieren mussten, um nicht den Faden zu verlieren. Bei vollen Stadien ist das kaum denkbar.“

In der Kommunikation zwischen Spielfeld und Kölner Keller gab es auch Besonderheiten, die auf die leeren Ränge zurückzuführen warne. „Dass uns ein Schiedsrichter zu einer Elfmeterentscheidung mitteilt, dass er zwei Kontakte gehört habe, ist normalerweise ja unvorstellbar." Fischer hat bei den Geisterspielen weniger Aggressivität auf dem Feld ausgemacht und auch weniger Neigung zu Showeinlagen nach einem Foulspiel. „Wenn man das Publikum damit nicht anstacheln kann, lohnt es ja nicht.“ Er hätte nichts dagegen, wenn diese Gepflogenheiten erhalten blieben.

Mitte August rückt die kommende Saison in den Blickpunkt, dann gibt es am Chiemsee (diesmal getrennte) Lehrgänge für Schiedsrichter, Assistenten an der Linie und die Video-Assistenten. Christian Fischer wird natürlich dabei sein, denn im Kölner Keller fühlt er sich mittlerweile heimisch. Und weil auch in der neuen Saison dank der räumlichen Nähe viele Fahrten in die Domstadt anstehen dürften, will er seine Arbeit als Assistentencoach reduzieren oder sogar ganz einstellen. „Das komplette Wochenende mit Fußball zu verbringen, muss dann doch nicht sein.“

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