Fußball

„Fakt ist, wir wollen nicht absteigen“

Entschlossenheit demonstriert die runderneuerte Mannschaft des FCI vor dem Start in die Saison 19/20.

Entschlossenheit demonstriert die runderneuerte Mannschaft des FCI vor dem Start in die Saison 19/20.

Foto: Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.  Mario Plechaty startet in seine erste Saison als Trainer des FC Iserlohn. Der neue Mann schlägt neue Töne an.

Eineinhalb Monate Vorbereitungszeit gehen für die Fußballer des FC Iserlohn am Sonntag zu Ende. In der Westfalenliga empfängt die im großen Stil umgebaute und stark verjüngte Mannschaft DJK TuS Hordel. Die Vorfreude, dass es endlich wieder um Punkte geht, ist groß – ähnlich wie die Ungewissheit. Niemand weiß so recht, was der FC Iserlohn zu leisten im Stande ist. Eine Analyse.

Vorbereitung und Testspiele

Der neue Trainer Mario Plechaty bat seine Schützlinge am 30. Juni zum Trainingsauftakt, seitdem gab es zwischen drei und fünf Einheiten pro Woche. Ende Juli zog sich die Mannschaft für ein Wochenende in ein Trainingslager nach Medebach zurück, das der alte und neue Kapitän Lukas Lenz als Erfolg wertet: „Ich glaube, dass Trainingslager hat uns gut getan. Um sich kennenzulernen war das auf jeden Fall besser, als wenn wir Turniere gespielt hätten, denn getestet haben wir ohnehin viel.“ Bäume hat das Team in den zwölf Partien nicht ausgerissen, die Bilanz könnte angesichts von drei Siegen, sechs Unentschieden und drei Niederlagen bei 14:14 Toren nicht ausgeglichener sein.

Hoch anzurechnen sind die Unentschieden gegen den ambitionierten Oberligisten ASC Dortmund (2:2) sowie den ebenfalls klassenhöheren Holzwickeder SC (0:0). Andererseits trüben Niederlagen gegen Landesligist Hombrucher SV (0:2), und Bezirksligist TuS Eichlinghofen (0:1) die Bilanz. Trainer Mario Plechaty lässt sich von den Ergebnissen nicht blenden. Ihn freute es, dass bei jedem Training immer rund 20 Spieler dabei waren, die sich auch ordentlich reingehängt haben. Ernsthafte Verletzungen hat sich auch niemand zugezogen.

Kommen und Gehen

Der Umbruch zeichnete sich bereits im Frühjahr ab. Kaum verkündete Ex-Trainer Christian Hampel seinen Wechsel zu Ligakonkurrent Lüner SV, kam die Meldung, dass Daniel Dreesen, Sascha Ernst, Johannes Zottl, Philipp Herder und Dominik Deppe ihn begleiten werden. Torwart Sebastian Niesewicz (Westfalia Wickede), Dean Müsse (BSV Menden), Pascal Beilfuß (RSV Meinerzhagen), Nikolas Friedberg (Concordia Wiemelhausen) und Leon Enzmann (FC Brüninghausen) haben den Verein ebenfalls verlassen. Dazu zählt auch Eigengewächs Martin Klima. Der Torhüter ist, um mehr Spielpraxis zu sammeln, zum FSV Werdohl gewechselt, eine Rückkehr ist aber denkbar.

Den elf Abgängen stehen 18 Neuzugänge gegenüber. Überregionale Aufmerksamkeit erlangte der FCI, als er das lange verletzte BVB-Talent Dario Scuderi an Land zog. Offensivakteur Ralf Schneider (Hammer SpVg.) spielte 2. Bundesliga und Regionalliga. Mit Torwart Marvin Raab, den Abwehrspielern Davut Deniczi und Adjany Ibeme sowie den Mittelfeldakteuren Lars Rustige und Hikmet Konar brachte Plechaty fünf junge Männer vom Lüner SV mit. Aus der eigenen U19 stießen Michel Schaulandt, Marek Kulzycki und Julian Hunecke zum Kader. Vom FSV Werdohl kamen Torwart Alexander Schmale und Daniel Dintinger, Lukas Mertens und David Vaitkevicius spielten zuvor beim Holzwickeder SC. Jan Bröckers (Hombrucher SV), Robin Menard (RSV Meinerzhagen), Felipe Luis Infante (SSV Hagen) und Stefan von der Ley (SpVg. Brackel) sind ebenfalls neu dabei. An Omar Jessey (TSG Sprockhövel) besteht weiterhin Interesse, Mario Plechaty möchte ihn unbedingt haben. „Es sind nur noch Kleinigkeiten zu klären. Er kann auf mehreren Positionen eingesetzt werden und er ist ein Typ, den wir so noch nicht im Team haben.“

Die Entscheidung, wer von den beiden neuen Torhütern im ersten Meisterschaftsspiel zwischen den Pfosten stehen wird, gibt Plechaty noch bekannt. „Wir haben zwei gute Leute, das wird schwierig.“ Ein Wechsel im Laufe der Saison scheint aber auch nicht ausgeschlossen zu sein. Marvin Raab gab sich zu Wochenbeginn diplomatisch: „Ich kann mich nur anbieten und zeigen was ich kann.“

Trainer und Umfeld

Der FC Iserlohn ist am 1. Juli 2012 nicht entstanden, um bis zum Jahr 2019 nur einmal aufzusteigen. Der Sprung von der Landes- in die Westfalenliga gelang gleich im ersten Jahr. Seitdem wurde die Mannschaft immer wieder zum engeren Kreis der Aufstiegskandidaten gezählt, spielte aber wie zuletzt im Titelrennen keine Rolle. Von derlei Zielen will der neue Mann an der Seitenlinie, Mario Plechaty, mit Blick auf die Spielzeit 19/20 nichts wissen. Der 47-Jährige brachte es als Spieler auf einen Bundesligaeinsatz für Borussia Dortmund, stieg 1997 mit der SG Wattenscheid 09 in die zweite Bundesliga auf. Vor 17 Jahren schlug er die Trainerlaufbahn ein, die vergangenen sechs Jahre arbeitete er beim Lüner SV. Pünktlich zu seinem Wechsel nach Iserlohn ist das Hembergstadion modernisiert und zu einem Ort geworden, an dem man gerne seine Freizeit verbringt. Das Publikum soll zudem Freude am FCI haben. Plechaty: „Ich denke, es kommt nicht darauf an, ob wir viele Tore schießen oder nicht, sondern darauf, dass die Mannschaft kämpft. Die Iserlohner Zuschauer sollen auch Iserlohner Spieler sehen. Und natürlich wollen wir eine Heimstärke entwickeln.“

Die Prognose

„Fakt ist, wir wollen nicht absteigen. Deshalb geht es erstmal darum, 30 bis 33 Punkte zu holen, denn die müssten zum Klassenerhalt reichen. Ist das geschafft, sehen wir weiter“, sagt Plechaty und stimmt damit ganz neue Töne am Hemberg an. Ein klar definiertes Saisonziel formuliert er zumindest in der Öffentlichkeit nicht. Seine Begründung: „In unserem Kader stehen sieben Spieler, die gerade erst aus der A-Jugend kommen. So eine Situation hatte ich noch nie.“ Sieben, acht Spieltage müsse man abwarten, dann könne man sagen, wohin die Reise geht. Auch aufgrund des gewaltigen Umbruchs ist Geduld gefragt. Plechaty warnt außerdem davor, von Dario Scuderi Wundertaten zu erwarten. Fast drei Jahre lang konnte der heute 21-Jährige nicht spielen, Medienberichten zufolge soll in Folge seiner schweren Knieverletzung, die er sich im September 2016 im Youth-League-Spiel gegen Legia Warschau zugezogen hatte (doppelter Kreuzbandriss, Außenbandriss und Meniskusschaden, eine Amputation gedroht haben.

Die Favoriten

Der DSC Wanne Eickel hat Ambitionen, in die die Oberliga zurück zu kehren. Das Team aus Herne 2 ist auch für das Trainer-Trio Plechaty/Hübner/Felbick erster Anwärter auf Platz eins. Einem Quartett, bestehend aus Oberliga-Absteiger FC Brünninghausen, der SG Finnentrop/Bamenohl, dem Lüner SV und Concordia Wiemelhausen trauen sie am ehesten zu, dem DSC das Leben schwer zu machen.

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