Fußball

Fußball-Kennerblick als Geschäftsmodell

Mark Elbracht ist als Scout in den Fußball-Amateurligen viel unterwegs.

Mark Elbracht ist als Scout in den Fußball-Amateurligen viel unterwegs.

Foto: Privat

Iserlohn.  Der Ex-Iserlohner Mark Elbracht hat ein Scoutingsystem für Amateurklubs entwickelt.

Als Spieler prägte er die letzte Blütezeit der Fußballabteilung des TuS Iserlohn in der Verbandsliga. Das war zum Jahrtausendwechsel. Und als Trainer feierte er 2010 am Hemberg den letzten Aufstieg der 46er, damals ging es zurück in die Landesliga.

Genügend Berührungspunkte mit Iserlohn hat Mark Elbracht also, und in beiden Schaffenszeiten entstanden Freundschaften, die bis heute erhalten geblieben sind. Bei seinem alten Kumpel Hannes Wolf, heute Trainer in Belgien und bis 2002 ebenfalls beim TuS aktiv, war er am Vatertag zum Grillen, und einen guten Draht gibt es nach wie vor zu Marco Kemper, Maik von Nethen oder Frank Hellfeier. Aber der 46-Jährige schwelgt keineswegs nur in Erinnerungen, wenn er sich heute mit Fußball beschäftigt, obwohl er seine Trainerkarriere für einen Mann mit seiner Vita erstaunlich früh beendete.

„Es wurde zu stressig, weil ich beruflich im Steuerbüro stark eingespannt war und zu oft nicht optimal vorbereitet zum Training gekommen bin“, verweist Elbracht auf seine letzte Station beim Bezirksligisten Eintracht Dortmund. 2017 war dort Schluss. Doch einer wie er konnte natürlich nicht vom Fußball lassen. Zunächst half er beim SC Dorstfeld seinem Freund Peter Brdonkalla, vor zehn Jahren im übrigen Mitglied der Meisterelf des TuS, die sich bis heute noch regelmäßig trifft. Doch das war nicht die Beschäftigung, die Elbracht suchte. Vor zwei Jahren reifte die Idee, seinen Kennerblick gewinnbringend zu nutzen und Gegner-Scouting für Amateurfußballer anzubieten.

Aus der Idee wurde ein florierendes Geschäft. Von der Regionalliga an bis hinunter in die Kreisliga C nehmen Elbracht und seine Mitstreiter Aufträge zur Spielbeobachtung an. „C-Liga-Fußball war schon gruselig, aber da wollte ein Trainer wirklich optimal vorbereitet sein auf das Spitzenspiel gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter“, erinnert sich Elbracht. Ob es an seiner Expertise lag, dass das Team des Auftraggebers mit 4:1 gewann? „In den unteren Ligen reicht es, wenn der Ball zu den besten Leuten kommt. Die machen dann schon was“, berichtet der Dortmunder aus Erfahrung. „Aber in gehobenen Spielklassen gibt es sehr interessante Ansätze, die wir dokumentieren.“

Sechs Themen werden bei jeder Spielanalyse behandelt

Mit wir meint er ein Team, das zu Spitzenzeiten aus zehn Scouts besteht, die schwerpunktmäßig in Westfalen unterwegs sind. Sechs Themen werden in jeder Spielanalyse behandelt: Verhalten mit Ball und ohne Ball, Verhalten bei Ecken und Freistößen offensiv und defensiv. Dazu kommen natürlich Informationen zu den einzelnen Spielern. Die Honorierung nehmen Elbracht & Co. gestaffelt nach Spielklassen vor. Ein Besuch in der Westfalenliga etwa kostet 60 Euro. „Wenn man den Zeitaufwand für das Spiel und die Auswertung bedenkt, ist das eigentlich zu wenig. Aber es machte eben großen Spaß.“

Sein Team kann auf Anfrage Gegner analysieren, die Mitarbeiter können aber auch auf der Internetplattform Berichte einstellen, die ein Kunde kaufen kann. „Die ganz aktuellen sind natürlich teurer als die älteren, aber oft ändert sich ja nicht so viel bei den einzelnen Mannschaften,“ erläutert Elbracht. In diesem Sommer sollte „amateurscout.de“ eigentlich die nächste Entwicklungsstufe erreichen und die regionale Beschränkung aufgeben. Aber die Corona-Krise stoppte die Expansionspläne vorübergehend. „So haben wir wenigstens genug Zeit, um alles optimal vorzubereiten“, gewinnt Mark Elbracht der Zwangspause auch eine positive Seite ab.

Für ihn persönlich markiert das Jahr 2020 allerdings nicht nur wegen des Scoutings einen Wendepunkt. Nach 25 Jahren in einem Steuerbüro, wo er sich mit Lohn- und Finanzbuchhaltung beschäftigte, wagt er die Neuorientierung. „Ich mache ein Hobby zum Beruf“, schildert er den zum 1. September vorgesehenen Einstieg als Centermanager bei „One Two“ in Dortmund. Dabei handelt es sich um die größte Soccerhalle in NRW, und deren Eröffnung ist zum 1. November geplant. „Mit Zahlen kenne ich mich aus, und Fußball ist meine Leidenschaft. Das müsste eigentlich passen,“ sagt Elbracht. Wie viel Zeit dann noch für das Scouting bleibt, kann er heute noch nicht einschätzen. In der Soccerhalle wird natürlich auch bevorzugt am Wochenende gekickt, und wenn der Manager Zeit haben sollte, um den Hobbyfußballern zuzuschauen, muss er wohl nicht unbedingt den Analysebogen dabei haben.

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