Fussball

Mehr Erleichterung als Wehmut beim Abschied

Abschied von der Trainerbank beim FC Iserlohn: Christian Hampel mit seinen Töchtern

Abschied von der Trainerbank beim FC Iserlohn: Christian Hampel mit seinen Töchtern

Iserlohn.   Nach fast sechs Trainer als Trainer beim FC Iserlohn zieht Christian Hampel eine durchaus kritische Bilanz

Wenn nach fast sechs kompletten Spielzeiten der Vorhang fällt, wenn der Abschied von der Trainerbank am Hemberg endgültig ist, dann drängt sich die Frage nach seiner Gefühlslage auf. Christian Hampel ist sie in letzter Zeit häufig gestellt worden, und er bemüht zur Antwort nicht das Standardprogramm mit dem lachenden und weinenden Auge. „Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es vorbei ist“, betont der 49-Jährige, der im September 2013 zum FC Iserlohn kam und diesen nun in Richtung Lüner SV wieder verlassen wird.

Der Dortmunder versichert zwar, dass es eine enge Bindung zu einigen der handelnden Personen beim Fusionsverein gebe, und er hebt Klubchef Jens Breer besonders hervor. Auch viele Spieler seien ihm ans Herz gewachsen, aber die letzten Spielzeiten habe er doch als Belastung empfunden. Sportlich lief es nicht wie gewünscht, und als Trainer sah er sich unfreiwillig in die Rolle des Alleinunterhalters gedrängt.

Was im Herbst 2013 für den Nachfolger des Kurzzeittrainers Irfan Buz mit einer 2:6-Niederlage gegen Holzwickede unerfreulich begann, entwickelte sich bald zu einer für beide Zeiten fruchtbaren Zusammenarbeit. Hampel, der einst in Oestrich in der Oberliga spielte, bei Borussia Dröschede erste Trainermeriten erwarb und dann im vierten Jahr beim Lüner SV vor die Tür gesetzt wurde, war nie der Wandervogel, aber die bald sechs Jahre in Iserlohn sind auch für ihn ein Rekord und im schnelllebigen Fußballgeschäft außergewöhnlich. „Als ich kam, herrschte echte Aufbruchstimmung am Hemberg, und ich habe mich hier wirklich wohl gefühlt.“ Nur am Ende eben nicht mehr so ganz.

Wenn man ihn in der Rückschau auf besonders einprägsame Erfolge anspricht, kann er logischerweise nicht mit einem Aufstieg dienen, wohl aber mit einem Pokal-Highlight. Das Westfalenpokal-Viertelfinale gegen den Drittligisten SF Lotte lockte im November 2017 über 1000 Zuschauer zum Hemberg und es zeigte dem Trainer, wie es gehen kann. „Da hat der Verein einmal zusammengestanden, da haben ganz viele Leute mit angepackt. Und das fehlt ansonsten.“

Als Trainer oft in der Rolle des Alleinunterhalters

Er sieht es als zentrales Problem an, dass man zwei Standorte hat. „Es gibt den FC Hemberg und den FC Oestrich, und so kann keine Gemeinschaft entstehen.“

In seinen ersten Jahren fiel die sportliche Bilanz noch weitgehend zufriedenstellend aus, und damals, so Hampel, habe die Mannschaft einen anderen Charakter gezeigt als jene in den letzten beiden Spielzeiten. „Früher hatten wir Typen, die uns heute fehlen.“ In diesem Zusammenhang räumt er auch eigene Fehler ein. „Gerade in der letzten Saison wäre es besser gewesen, zwei, drei Leute frühzeitig aus dem Kader zu werfen.“

Er selbst kam sich zuweilen mehr als Sozialarbeiter denn als Trainer vor, und er fühlte sich oft allein gelassen. „Im Vorstand hieß es : ‘Der Christian macht das schon’. Aber alles kann der eben auch nicht machen.“ Dass er seit Jahresbeginn keinen Co-Trainer hat, dass es in seiner Zeit nie ein Trainingslager gab, moniert er besonders.

Wenn man den als Medienberater bei einem Zeitungsverlag arbeitenden Hampel fragt, was er aus seiner Iserlohner Zeit garantiert nicht vermissen wird, dann fallen ihm die Trainingsmöglichkeiten ein. „Wir haben einen schlechten Rasen und einen katastrophalen Kunstrasen zur Verfügung, wodurch es viele Verletzungen gab. Und in diesem Zusammenhang ärgern mich die Ignoranz des Platzwartes und des Sportbüros total.“ Dabei hätte er sich mehr Druck der Vereinsführung gewünscht. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass die erste Mannschaft wirklich die Nummer eins ist.“

Neuer Freiraum soll der Familie zugute kommen

Christian Hampel wirft also durchaus auch einen Blick zurück im Zorn, und er freut sich jetzt auf den Seitenwechsel. Beim Lüner SV wird er sportlicher Leiter, was ihm mehr Freiraum beschert. Der soll der Familie zugute kommen, nicht zuletzt seinen Töchtern Antonia (11) und Mira (7). Aber auch Ehefrau Natascha und der 21-jährige Sohn Niklas, der als Schreiner arbeitet, werden ihn häufiger als bisher zu Hause antreffen. „Keine Trainings- und Spielvorbereitungen, sonntags erst kurz vor Spielbeginn zum Sportplatz: Ich freue mich wirklich darauf, meine Zeit künftig anders gestalten zu können.“ Und beim nächsten Familienurlaub in Holland keine Rücksicht auf den Vorbereitungsplan seiner Mannschaft nehmen zu müssen, weiß er schon jetzt zu schätzen.

Aber findet sich ein Vollbluttrainer wie er so schnell in der neuen Rolle zurecht? In Lünen übernimmt Marc Woller, der Nachfolger des nach Iserlohn wechselnden Mario Plechaty. „Wir werden gut harmonieren“, versichert Hampel, der nicht reinreden aber seine Kenntnis der Westfalenliga natürlich einbringen will. Allerdings kennt er sich und seine Leidenschaft gut genug, um das Trainerkapitel nicht ein für alle Mal zu beenden. „Ich kann wirklich nicht ausschließen, dass es irgendwann wieder juckt und ich auf die Bank zurück möchte.“

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