Leichtathletik

„Stellenwert der Leichtathletik sinkt“

Heiner Meyer

Heiner Meyer

Foto: Willy Schweer

Iserlohn.   Nach seinem letzten Kreis-Schulsportfest in Iserlohn zieht Heiner Meyer Bilanz.

Im Kreis war die Organisation des Leichtathletik-Kreisschulsportfestes am Mittwoch seine letzte Amtshandlung, am Samstag wird beim Verbandstag des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen sein Nachfolger als Schulsportbeauftragter gewählt. Der Hemeraner Heiner Meyer, der in einigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiert, hat sich über Jahrzehnte für die Leichtathletik insbesondere auch in der Schule engagiert. Jetzt zieht sich der pensionierte Lehrer zurück - und im Gespräch mit unserer Zeitung Bilanz.

Dass Sie der dienstälteste Akteur in der Schul-Leichtathletik sind, liegt auf der Hand. Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie alles begonnen hat?

Ich glaube, es war 1981, als ich in den Ausschuss für Schulsport gekommen bin. Dann hat man mir die Sportfeste angetragen, und dabei ist es geblieben.

Wie motiviert man sich über einen so langen Zeitraum?

Ich bin mit der Leichtathletik groß geworden, dieser Sport hat mich immer interessiert. Und durch meinen Beruf ist es klar, dass mir die Arbeit mit Jugendlichen immer Spaß gemacht hat. Wenn man dann Wettkämpfe organisiert, die auf große Resonanz stoßen und dabei die Begeisterung der Teilnehmer erlebt, dann bekommt man auch etwas zurück.

Schulwettkämpfe finden eigentlich immer in Iserlohn oder Hemer statt. Weshalb passiert nichts im Raum Lüdenscheid?

Die Schulen im Nordkreis sind in der Leichtathletik stärker und aktiver. Und für mich persönlich ist es auch einfacher, weil ich in Iserlohn und in unserem Leichtathletikkreis ein gutes Netzwerk und viel Unterstützung habe. Dazu zählen auch die Schulhelfer.

In der Vergangenheit war es selbstverständlich, das sich Schulmannschaften für das Landesfinale qualifizierten, und regelmäßig standen sie auch im Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia in Berlin. Weshalb ist das heute utopisch?

Wenn Lehrer in Personalunion auch im Verein engagiert sind, kann man etwas bewegen. Das ist heute seltener der Fall. Ich will jetzt nicht auf die Kollegen schimpfen, denn die Anforderungen in der Schule haben sich verändert. Viele wohnen nicht vor Ort, und dann ist es schwierig, noch in einem Verein am Schulstandort tätig zu werden. Man muss aber auch feststellen, dass der Stellenwert der Leichtathletik gesunken ist. Es gibt nicht mehr so viele, überspitzt gesagt, Verrückte, die wie selbstverständlich ihre Freizeit opfern.

Was wird dagegen unternommen?

Der Verband bietet Fortbildungen an der Sporthochschule an, es wird an den Unis für die Leichtathletik geworben, und man hat auch die Referendare im Visier. Aktivitäten sind ohne Zweifel da.

Sind die Zeiten ein für alle Mal vorbei, dass sich eine Schulmannschaften aus dem Kreis für ein Bundesfinale qualifiziert?

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Gerade in den Gesamtschulen gibt es durch die große Schülerzahl sicherlich Potenzial. Man muss allerdings bereit sein, auf Leistung zu setzen. Aber die Konkurrenz durch andere Sportarten ist groß, und Mannschaftssportarten haben es manchmal leichter.

Weshalb ist das so?

Nehmen Sie das Beispiel Basketball. Wenn die Kangaroos ihre Profis in den Unterricht schicken und die dort demonstrieren, was man mit dem Ball alles anstellen kann, dann ist das spektakulär. Wie soll man Vergleichbares in der Leichtathletik machen? Und wer hätte vormittags überhaupt Zeit dazu?

Wenn in Iserlohn ein Schulsportfest steigt, nehmen regelmäßig auch Schulen aus andere Kreisen teil, weil es bei ihnen keine Veranstaltung gibt. Haben Sie nicht die Sorge, dass so etwas auch hier vor Ort drohen könnte?

Eigentlich nicht. Der Leichtathletikkreis unterstützt diese Wettkämpfe, die Basis ist vorhanden. Wichtig ist allerdings, dass sich der Ausschuss für Schulsport intensiv um die Leichtathletik kümmert.

Würden Sie darauf wetten, dass im nächsten Jahr niemand anklopft und fragt: Kannst Du nicht doch die Organisation übernehmen?

Ich bin ganz zuversichtlich, dass sich jemand für meine Nachfolge finden wird. Helfen kann ich ja noch, aber die Verantwortung sollen jetzt andere übernehmen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben