Handball

Auf das tiefe Tal sollen neue Höhen folgen

Julian Neu (15), Handball-Torwart aus Olpe.

Julian Neu (15), Handball-Torwart aus Olpe.

Foto: Lothar Linke

Olpe.  „Aufgeben ist keine Option.“ Dieser so häufig gesprochene Satz hatte im Falle des Handball-Torwarts Julian Neu aus Olpe eine besondere Bedeutung.

Denn es waren seine ersten Worte nach einer schweren Verletzung. Es war am 18. März. Da war Julian Neu (15) bei einer Parade in den Spagat gegangen, dabei riss ihm eine Sehne aus der Wachstumsfuge an der Hüfte, und das bis auf das Knochenmark. Eine schwere Zeit, zu der niemand wusste, wie es weitergeht. Erst eine Untersuchung in einer Spezial Klinik in Dortmund brachte die Gewissheit und die Hoffnung zurück.

Mit dem waghalsigen Posten des Handballtorwarts verbindet man eigentlich nicht Verletzungen dieser Art, sondern eher Kopftreffer. Bälle mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern hat er schon abgekriegt, die sind nichts Neues. Außer einer enormen Reaktionsschnelligkeit braucht ein Handballtorwart vor allem eines: Mut. Immer ging’s glimpflich aus, einmal jedoch musste er das Training abbrechen: Gehirnerschütterung.

Aus dem TV Olpe hervorgegangen

Julian Neu ist aus dem TV Olpe hervorgegangen. Bis in die D-Jugend hat ihn sein Vater Wolfgang Neu begleitet, „dann habe ich erkannt, dass ich ihn nicht weiter bringen kann,“ gesteht der Papa, „und er ist dann zur D-Jugend des TuS Ferndorf gewechselt“. Dort war Rene Hosper sein Trainer, ein ehemaliger Oberligaspieler in Ferndorf. Neu spielte zunächst Rückraum links, dann stellten sie ihn ins Tor. Am 1. Mai diesen Jahres schloss sich Julian Neu dem VfL Gummersbach an.

19 Spieler, Jahrgang 2003/04 trainieren in der Gummersbacher Handballakademie fünf Mal die Woche. Eine hohe Belastung. Das Gesamtpaket besteht aus drei Elementen: Athletiktraining, Turnen und Mannschaftstraining. Für jeden Bereich ist ein separater Trainer engagiert. Handstand, Flickflack, Übungen am Reck sind also auch das wöchentliche Brot des jungen Handball-Keepers. Der Athletik-Part besteht aus Krafttraining und Muskelaufbau. „Der Trainer ist übrigens auch Athletiktrainer bei den Eishockeyprofis der Kölner Haie und bei den Profis des VfL Gummersbach,“ berichtet Vater Wolfgang Neu.

Auto als Umkleidekabine

Zwar weist Julian Neu das Trainingspensum eines Profis auf, doch was nicht zu vergessen ist: Er ist noch Schüler, geht in die 9. Klasse der Sekundarschule Hakemicke in Olpe. Entsprechend „auf Kante“ ist sein Zeitplan genäht. „Wenn es eng wird, zieht er sich auch mal im Auto um,“ berichtet Wolfgang Neu. Um 15.50 Uhr ist Schulschluss, um 17.15 Uhr beginnt das Training in Gummersbach, entweder anderthalb oder drei Stunden. „Wir haben ein Logistik-Unternehmen,“ lacht Vater - und meint damit sich selbst und seine Frau Melanie. Die beiden haben noch zwei weitere, handballspielende Söhne: Der Ältere (19) spielt in der dritten Mannschaft des TV Olpe, der Kleine (11) gehört zur D-Jugend des TuS Ferndorf. Julian ist der Mittlere. „Das heißt, wir müssen das irgendwie koordinieren,“ sagt Wolfgang Neu, „wie das mit Auswärtsspielen vonstatten geht, müssen wir sehen. Wir werden ein paar angucken, aber nicht alle.“ Drei Handballjungs aus einem Haus, das ist selten. „Der Kleine hatte ja keine Wahl mehr,“ lacht Mutter Melanie Neu, „der ist ja in der Halle groß geworden.“

Erst Beruf, dann Handballkarriere

Der Name „Neu“ steht für Klasse im Olper Handball. Michael Neu, Onkel der drei Jungs, ist eine Größe beim TV Olpe. Die Prioritäten sind da ganz klar gesetzt: „Die Schule hat Vorrang. Wolfgang Neu: „Der VfL, Gummersbach hat Einsicht in die Schulnoten. Wenn die Schulnoten nicht gut sind, dann darf er nicht mittrainieren. Das ist vertraglich festgelegt.“ Julian Neu empfindet das nicht als übermäßigen Druck: „Ich finde das richtig so.“ Julian Neus Berufswunsch geht in Richtung Maschinenbau: „Industriemechaniker.“

Über eine Profikarriere im Handball denkt er jetzt noch nicht wirklich nach. Eine Mindesthöhe der Liga, in der er gern spielen würde, nennt er nicht. „Ich würde gern so hoch wie möglich spielen,“ sagt er, stellt aber auch klar: „Erst muss ich einen Beruf haben, darauf kann man dann aufbauen.“Drei Jahre an der Handball-Akademie hat Julian Neu jetzt noch vor sich, bis Ende A-Jugend oder U19. Dann entscheidet sich, wo der Olper spielt. Planen lässt sich das nur bedingt, wie die Familie ja aktuell leidvoll erfährt. „Eine schwere Verletzung, ein Kreuzbandriss, wirft dich um ein Jahr zurück,“ weiß Wolfgang Neu. „Was das heißt, sehen wir ja jetzt gerade.“

Kein Druck von zu Hause

Der junge Keeper ist auf dem Weg zurück. 14 Wochen hat er aussetzen müssen, hat nach vier Wochen mit der Physio begonnen, die er bis heute zwei Mal in der Woche zusätzlich zum Training absolviert. Sein Ziel nach viel harter Arbeit ist erreicht, nämlich, nach den Sommerferien wieder dabei zu sein.

Druck von zu Hause bekommt Julian Neu nicht. Melanie Neu: „Wenn er jetzt sagen würde: Mir wird’s zu viel, wäre das okay. Wenn er sagt, ich hätte gern mehr Förderung, dann auch.“ Wolfgang Neu: „Er bestimmt das Tempo, nicht wir beiden.“

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