Jugendfußball

Berti Kösters: Ein Schalker im Dienst des VfL Bochum

Berti Kösters vor dem Stadion des VfL Bochum.

Berti Kösters vor dem Stadion des VfL Bochum.

Foto: Michael Meckel

Welschen Ennest.  Montag,16 Uhr. Fridbert „Berti“ Kösters aus Welschen-Ennest holt Fußball-Talente an ihren Wohnorten ab und bringt sie zum Training des VfL Bochum.

Zwischen drei und sieben junge Fußballer fährt Berti Kösters (64) mit einem Bus täglich ins Ruhrgebiet. Normalerweise im 14-tägigen Rhythmus. Neben den fünf Touren zum Training steht am Wochenende eine weitere Fahrt zu einem Spiel auf dem Programm. Am vorletzten Sonntag ging es mit der U13 bei Borussia Mönchengladbach. „Leider hat Bochum 0:4 verloren. Vorgestern war ich in Köln, am nächsten Wochenende kommt Bielefeld“, berichtet Kösters, „danach darf ich nach Paderborn und Düsseldorf fahren. Das ist schon eine tolle Sache. Da lernt man auf diesem Weg alle Stadien kennen“.

Etwa sechs Stunden Fahrt

Eine Fahrt zum Training an den Wochentagen dauert etwa sechs Stunden. „Das ist allerdings unterschiedlich. kommt immer drauf an, wie viele Spieler dabei sind und wo ich hinfahren muss. Montags habe ich meist nur drei Spieler aus Hagen dabei. An anderen Tagen muss ich noch nach Attendorn oder Geisweid. Freitags habe ich den Wagen mit sieben Spielern voll. Dann kommt schnell mal eine Dreiviertelstunde dazu“, rechnet er vor.

An diesem besagten Montag hat Berti Kösters vier „Gäste“ in seinem kleinen Bus. Neben zwei Nachwuchskickern aus Hagen, steigt diesmal in Nachbarort Rahrbach der Reporter dieser Zeitung zu, um Berti Kösters zu begleiten.

Mundschutz absolute Pflicht

Knapp 90 Minuten dauert die Tour nach Bochum. Und das in der momentanen Lage natürlich unter besonderen Bedingungen. „Zieh bitte Deinen Mundschutz auf. Das sind die strengen Corona-Hygienebedingungen der Bundesligisten. Daran muss ich mich halten“, fordert Berti Kösters den Reporter freundlich dazu auf, das momentan obligatorische „Kleidungsstück“ auch auf der Fahrt anzulegen. Apropos Corona. Auch an Berti Kösters ist die Corona-Krise nicht vorbei gegangen. „Von März bis Mitte August lief nichts. Natürlich habe ich das auch im Geldbeutel gemerkt“.

Nach einer Dreiviertelstunde schließlich Stopp in Hagen. Einer seiner „Schützlinge“ steigt in den Bus. Auf der Hinfahrt ist es der einzige Nachwuchskicker, auf der Rücktour drei. Gegen 17.30 Uhr ist Ankunft am Nachwuchsleistungszentrum des VfL Bochum. Um 18 Uhr beginnt das rund zweistündige Training für seine Jungs.

Zeit genug für einen Plausch und einen Kaffee am Kiosk von Ramona. „Hallo Berti. Alles klar bei dir?“, kommt es aus dem Verkaufsraum. „Das ist typisch ungezwungen. Alle sind sehr freundlich hier. Wir duzen uns alle und nennen uns nur beim Vornamen. Das gilt auch für die Fahrer. Das zeigt das sehr gute Verhältnis, was wir untereinander haben“, so „Berti“ Kösters. Natürlich durfte an diesem Tag ein Abstecher vor die Tore des Ruhrstadions, wo so mancher Fußball-Krimi stattfand und wo die Bochumer Helden aus Bundesligazeiten – wie etwa Michael „Atta“ Lameck, Christian Schreier, Hermann Gerland oder „Katze Zumdick“ an den als Zeichnungen an den Pfeilern des Stadions verewigt sind, nicht fehlen. „Manchmal fahre ich die Kinder auch hier hin, wenn sie auf den Plätzen in der Nähe des Ruhrstadions trainieren“.

Dann zurück zum Nachwuchsleistungszentrum. Kurz nach 20 Uhr ist das Training vorbei und es geht – mit einem Abstecher nach Hagen – zurück ins Sauerland. Kurz nach 22 Uhr ist Berti Kösters zurück in Welschen Ennest. „Klar ist das eine zeitaufwendige Sache. Aber ich bin ja jetzt Rentner und habe die Zeit. Soll ich sonst den ganzen Tag auf dem Sofa hängen?“

Außerdem sei Fußball sein großes Hobby und er solche langen Touren gewöhnt. „Ich war 17 Jahre Schiedsrichter. Ich war als Assistent bis zur Verbandsliga im Einsatz, Unter anderem in Teams mit Wolfgang Friedrichs oder Detlef Scheppe. Als ich als Schiedsrichter wegen einer Verletzung aufhören musste, wurde ich Betreuer der 1. Und 2. Mannschaft des SV Rahrbachtal und heute bin ich Platzkassierer. Das mache ich einfach sehr gerne und hat mir immer Spaß gemacht“.,

Er betont aber auch: „Ohne die Unterstützung meiner Frau und meiner Familie ginge das alles nicht. Meine Frau macht auch gerne mit. Sie ist bei Spielen im „Rahrbachtaler Büdchen“ aktiv und war viele Jahre als Reinigungskraft im Klubhaus tätig.“

„Moppa“ knüpft Kontakt

Seinen Job beim VfL Bochum betreibt Berti Kösters seit vier Jahren. „Die Verbindungen nach Bochum kamen über Alfred „Moppa“ Heinemann. Der kennt unter anderem Christian Schreier, der in der Fußballschule des VfL Bochum tätig ist. Irgendwann kam Moppa mal zu mir und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, für den VfL Bochum Talente zu fahren. Ja, so fing das an. Und es macht mir immer noch viel Spaß“.

Doch trotz allem Einsatz für die Bochumer. Sein Herz schlägt für den FC Schalke 04. „Ich bin Schalke-Fan seit über 60 Jahren“, erzählt er, „und das wird sich nie ändern. Ich habe in dieser diesen vielen Jahrzehnten eine Menge erlebt und auch oft gelitten mit dem Verein. Aber ich werde Schalke immer treu bleiben“.

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