Fussball

Bezirksliga-Kapriolen im April-Stil

Simon Gotzhein (SV Setzen, links) verliert das Kopfballduell gegen den Altenhofer Henrik Stahl deutlich. Beim Spiel-Ergebnis verhält es sich auch deutlich, aber genau umgekehrt.  

Simon Gotzhein (SV Setzen, links) verliert das Kopfballduell gegen den Altenhofer Henrik Stahl deutlich. Beim Spiel-Ergebnis verhält es sich auch deutlich, aber genau umgekehrt.  

Foto: Rene Traut

Altenhof/Rüblinghausen.   Erste Ausläufer des Aprilwetters haben bereits die Fußball-Bezirksliga 5 erreicht. Und das im März.

So geriet der VfR Rüblinghausen innerhalb von zwei Minuten von eitel Sonnenschein ins Unwetter, und gleichzeitig fegte ein Orkan den FC Altenhof weg. In Zahlen: Rüblinghausen lag nach 93 Minuten in Kierspe 2:1 vorn, um doch noch mit 2:3 zu verlieren. Und der FC Altenhof fing sich im so wichtigen Kellerduell beim SV Setzen eine krachende 2:7-Niederlage.

Bezirksliga verrückt. Zum Schaden eines Duos aus dem Kreis Olpe. Wie sehr knabbern die beiden Trainer am Tag danach noch an den Dramen des Sonntags?

Umstrittenes Handspiel

Bitterer als der VfR Rüblinghausen kann man nicht verlieren. Oder? Da überrascht Avdi Qakas Antwort schon etwas: „Doch, kann man. Für mich wäre es schlimmer gewesen, wenn wir absolut chancenlos gewesen wären,“ sagt der Rüblinghausener Trainer. Nach dem Spiel in Kierspe dagegen könne man der Mannschaft „nichts vorwerfen“, blickt Qaka zurück, bis auf die Schlussphase, in der es nicht mehr so gelang, den Ball vorne zu halten und man zu viele Fouls produziert habe. Qaka zählt auf: „Zwei Gegentore resultierten aus Elfmetern, eines aus einem Freistoß. Aus dem Spiel heraus hat Kierspe kein eigenes Tor gemacht.“

Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass der Elfmeter, der in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:3 führte, höllisch geschmerzt hat. Der erste Strafstoß sei ein „Kann-Elfer“ gewesen, aber der zweite nicht. Qaka schildert die Szene: „Unser Torwart wurde ausgespielt, ein Abwehrspieler klärte auf der Linie, ein Kiersper hielt mit Vollspann drauf. Unser Abwehrspieler dreht sich weg und bekommt den Ball aus fünf Metern an den Arm.“

Da war sie wiederum, die umstrittene Handspiel-Auslegung. Es gab Elfmeter für Kierspe und Rot für Jonas Quast. „Der lag am Boden und war am weinen,“ berichtet sein Trainer über den jungen Fußballer, der zuvor ein „Superspiel“ gemacht hatte, wie Avdi Qaka befand. Aber der nun doppelt gesperrt ist, zum einen für die Erste des VfR, aber auch für die Jugendspielgemeinschaft RHID.

Nun ist es mal anders herum gelaufen für den VfR Rüblinghausen. Eine Woche zuvor hatte er gegen den SV Setzen 0:1- und 1:3-Rückstände aufgeholt und noch 5:3 gewonnen. Zu gern hätten die Rüblinghauser ihre famose Bilanz von sieben Punkten aus den drei Spielen zuvor ausgebaut und damit auch ihren Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Der beträgt nun vier Punkte. Statt sieben. Qaka sieht es realistisch: „Bei noch acht Spielen würden auch sieben Punkte Vorsprung nicht unbedingt reichen.“ Das erste dieser acht Spiele beschert dem VfR ein Heimspiel gegen Fortuna Freudenberg.

Verdacht auf Beckenbruch

„Noch nicht ganz.“ So antwortete Oliver Mack, Trainer des FC Altenhof, ob er sich am Montag vom 2:7 in Setzen erholt habe. Beim Lesen des Ergebnisses kamen kurz Erinnerungen hoch an eine Altenhofer Niederlage in der Landesliga, ein 4:7 gegen Werdohl. Zwei Tage später, am 25. Oktober 2016, trat Mack zurück.

Doch eine Parallele zwischen damals und heute wies Mack von sich: „Jetzt haben wir eine ganz andere Situation. Ich bin in die Saison gegangen mit elf Spielern, die ich kaum kannte.“ Die Erwartungen, auch im Umfeld, waren nach dem Landesliga-Abstieg 2018 und einem radikalen Umbruch entsprechend niedrig. Dennoch: „Natürlich hinterfrage ich auch meine Leistung,“ sagt er im März 2019.

In Setzen lief es mehr als ungünstig gegen die Altenhofer. Das 0:1 und 0:2 fielen innerhalb von fünf Minuten (6. und 11.), die Treffer vom 0:3 bis 0:5 in acht Minuten (46. bis 54.). Das sind Schläge, die kaum wegzustecken sind. Verschärfend hinzu kam das verletzungsbedingte Ausscheiden von Kapitän Jan Wycisk in der Halbzeitpause. Mack gestern: „Bei ihm besteht sogar der Verdacht auf Beckenbruch.“

Nun gelte es, „alle Kräfte zu bündeln,“ fordert Mack. Noch steht Altenhof über dem Strich, spürt aber den Atem der Dreifach-Konkurrenz darunter - Plettenberg, Deuz und Hickengrund - im Nacken. Die beiden Erstgenannten sind nur einen und zwei Punkte weit weg. „Es sieht nicht gut aus,“ sagt Mack, registriert aber auch Lichtblicke auf personellem Sektor, den einen oder anderen Rückkehrer.

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